Lokales

In den Fugen wuchert armdick Efeu

Die Bastionsmauer in Kirchheim wird unter Beobachtung des Landesdenkmalamtes saniert

Jahrzehntelang wucherte das Efeu eifrig, doch damit ist jetzt Schluss: Armdicke Wurzeln ziehen Bauarbeiter täglich aus dem Mauerwerk der Kirchheimer Bastion. In die Lücken zwischen den großen Steinen wird eine elastische Mörtelmasse gefüllt. 100 000 Euro kostet die denkmalgerechte Sanierung der bedrohlich bröckelnden Mauer.

Sanierung Bastion - Mauer - Stadtmauer

Eingerüstet präsentiert sich das historische Bauwerk seit Wochen.

Kirchheim. Seit November ist an der Bastion ein Gerüst angebracht. Dafür war‘s höchste Zeit, an einzelnen Stellen bröselte die Mauermasse schon ab: „Die Fugen sind in ganz schlechtem Zustand“, erklärt Kirchheims Hochbauamtsleiter Wolfgang Zimmer. Zwischen den Steinen klaffen unübersehbare Hohlräume. Die Fugen müssen nun fachgerecht ausgekratzt, gereinigt und erneuert werden. – Eine mühevolle Handarbeit, für die Fachwissen und Erfahrung nötig sind.

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Beauftragt wurde die Firma Renovum. Die Fachleute aus Renningen haben auch schon besondere historische Schönheiten restauriert wie etwa den Pulverturm von Vaihingen an der Enz, die Friedhofmauer in Iphofen oder die Schlossmauer am Schloss Waldenburg. So schnell bringt die Experten daher nichts aus der Ruhe: „Der Zustand der Kirchheimer Bastionsmauer ist nicht auffallend schlecht, allerdings muss man jetzt dringend verhindern, dass sich die Schäden ausbreiten“, meint Dieter Frech, Geschäftsführer bei Renovum, gelassen.

Im Rahmen des Sanierungsgebietes Vogthausviertel wurden zuletzt im Jahr 2000 an der Bastion größere Baumaßnahmen durchgeführt, jeweils in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt. So wurde beispielsweise die Dachterrasse zugänglich gemacht, ferner wurde in eine moderne Toilettenanlage im Keller investiert. Dort wartet bekanntlich seit den 60er-Jahren der Club Bastion mit einem anspruchsvollen Kulturprogramm auf.

Die aktuelle Sanierung erfolgt nun wieder unter den wachsamen Augen des Landesdenkmalamtes. Auch

 

einzelne Exemplare der großen Steine müssen ausgetauscht werden. „Wir bauen dafür gebrauchte Steine aus Abrissprojekten der Umgebung ein“, erläutert Frech. Schließlich soll der optische Eindruck möglichst gleich bleiben: „Bunt, aber trotzdem einheitlich“, fasst der Baufachmann zusammen.

Am jahrhundertealten Gebäude, das Teil der Kirchheimer Stadtbefestigung ist, hat nicht nur der Zahn der Zeit genagt, auch die Flora hat dem Mauerwerk übel mitgespielt. „Hier war alles mit Efeu komplett zugewachsen“, erzählt Wolfgang Zimmer. Zwar wurde das Grünzeug hin und wieder zurückgeschnitten, im wahrsten Sinne des Wortes „bei der Wurzel gepackt“ hat man das Übel jedoch nie. „Die Bauarbeiter ziehen zum Teil Ableger raus, die armdick und zwei Meter lang sind“, berichtet der Hochbauamtschef. In der Zukunft soll jedem Bewuchs vorgebeugt werden, nichts darf mehr die sanierten Mauern hinaufranken.

Erst als der dichte Efeubewuchs von außen komplett entfernt wurde, ist das ganze Ausmaß der Schäden deutlich sichtbar geworden. Einzelne große Mauersteine hatten schon so gut wie keinen Halt mehr, die Sanierung war daher schon eine Frage der Verkehrssicherheit.

Schäden durch Pflanzen, deren Wurzeln im maroden Gemäuer Halt finden, sind nämlich nur das eine. Fast noch schlimmer sind die Folgen, nämlich die eher unsichtbaren Frostschäden: „Durch die offenen Fugen dringt Feuchtigkeit ins Mauerwerk ein“, erklärt Dieter Frech. Bei Frost dehnt sich die Feuchtigkeit aus und sprengt sozusagen die bröckelnden Steine. Um das zu verhindern, werden die gereinigten Fugen nun mit sogenanntem „Trasskalkmörtel“ gefüllt, einem weichen Mörtel, der die Fähigkeit hat, sich maximal zu dehnen. Das Mauerwerk kann auf diese Weise langfristig vor äußeren Einflüssen geschützt werden.

In Kürze soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein. Er umfasst die Seite der Bastionsmauer, die der Innenstadt zugewandt ist. Anschließend wird die Außenseite Richtung Alleenring und Rollschuhplatz eingerüstet. „Wenn der Winter nicht doch noch mit Macht zuschlägt, sind wir im April mit allem fertig“, hofft Wolfgang Zimmer.

Sanierung Bastion - Mauer - Stadtmauer

Ganze Berge an Wurzelwerk entreißen die Bauarbeiter dem alten Gemäuer. Fotos: Jean-Luc Jacques