Lokales

In die Pilze ohne Reue

Der Verein Pilzfreunde Stuttgart hilft Pilzsammlern, die Essbaren zu erkennen

Der Regen des Sommers hat die Schwammerln dieses Jahr besonders reichlich sprießen lässt. Beim Waldspaziergang könnte man glatt Lust auf ein leckeres Pilzpfännchen bekommen. Die Stuttgarter Pilzfreunde helfen mit ihren Führungen dabei, dass nichts Falsches im Kochtopf landet.

Dr. Norbert Haiß (Mitte) und Dr. Claudia Görke (rechts daneben) begutachten die Pilze und zeigen, wie man sie unterscheiden kann
Dr. Norbert Haiß (Mitte) und Dr. Claudia Görke (rechts daneben) begutachten die Pilze und zeigen, wie man sie unterscheiden kann. Foto: Barbara Gosson

Region. Ab Ende August bis Ende Oktober bieten die Pilzfreunde in der gesamten Region Führungen an, die relativ schnell ausgebucht sind. Auch eine Führung mit der Nürtinger VHS hat bereits eine Warteliste Denn nicht nur Grünschnäbel gehen mit, auch erfahrene Pilzsammler schätzen, dass sie ihre Funde hier gleich von Fachleuten wie der Biologin Dr. Claudia Görke und dem Geologen Dr. Norbert Haiß begutachten lassen können und nicht erst extra zu den Pilzberatungen nach Stuttgart oder Reutlingen müssen.

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Der Wald zwischen Dettenhausen und Waldenbuch hat alles, was das Herz eines Pilzfreundes begehrt: In dem Mischwald mit altem Baumbestand wachsen viele verschiedene Pilzarten. Rund 6000 Großpilzarten gibt es in Deutschland in den verschiedensten Lebensräumen. Sie sind schwerer auseinanderzuhalten als Kräuter, da es in ihrem Erscheinungsbild eine größere Variationsbreite gibt. Ganz junge Pilze sind schwierig zu bestimmen, ganz alte auch, abgesehen davon, dass man alte Pilze nicht mehr essen sollte.

Zunächst geben Claudia Görke und Norbert Haiß eine kurze Einführung für die Neulinge: „Zuerst sieht man den Pilz nur von oben, das Wichtigste ist jedoch unten.“ Wie sehen die Lamellen unter dem Schirm aus? Hat der Pilz einen Ring? Gibt es unten eine Knolle? Haiß hat einen Grünen Knollenblätterpilz mitgebracht, um zu zeigen, wie wichtig es ist, den Pilz nicht in der Mitte des Stiels abzuschneiden. Denn erst die Knolle unten entlarvt den Pilz zweifelsfrei. Der Grüne Knollenblätterpilz ist so giftig, dass er nicht mit den anderen in einen Korb darf, nicht, dass sich kleine Stücke lösen und aus Versehen bei den Speisepilzen landen. Das Gift des Pilzes kann die Leber zerstören. Ohne Medikamente gibt es eine Todesrate von 30 bis 50 Prozent, mit Medikamenten von fünf bis zehn Prozent.

Aus solchen Gründen werden halbe Pilze in der Pilzberatung erst gar nicht bestimmt. Lieber sagen die Pilzberater einmal zu oft als zu selten Nein bei der Frage, ob ein Pilz essbar ist. Denn zu den eher unangenehmen Aufgaben der Pilzfachleute gehört, eventuell aus dem Erbrochenen eines Patienten herauszufinden, welcher Pilz genau für eine Vergiftung verantwortlich ist.

Um den Pilz zu bestimmen, helfen Bücher oder Apps laut den Pilzexperten nur bedingt. „Den Pilz muss man mit vielen Sinnen erfassen, Tasten, Riechen und Schmecken“, sagt Norbert Haiß. Wie bricht der Pilz, tritt eine Milch aus und wie verändert er sich nach dem Sammeln? Welcher Baum stand in der Nähe? Manche Bäume und Pilze leben in einer komplizierten Gemeinschaft, darum kann man viele Sorten nicht züchten. Pilze sehen immer anders aus, ob bei Regen, Trockenheit oder Frost. Zu beinahe jedem Pilz gibt es einen ungenießbaren bis giftigen Doppelgänger. Manchmal kann man beide erst unterscheiden lernen, wenn man sie nebeneinander hat. Es gibt viele Faktoren, an denen sich Pilze unterscheiden lassen.

Die Teilnehmer der Pilzführung schwärmen aus in den Wald. Die einen wissen schon, unter welchen Bäumen welche Pilze zu erwarten sind. Diese Sammler finden schnell Stellen, wo die von ihnen geschätzten Speisepilze wachsen. Aber: „Der Pilz kommt nicht zu jedem“, sagen die Sammler und meinen damit, dass ein Erfolg nicht garantiert ist.