Lokales

Kälte verdirbt Kunden den Appetit

Spargel und Erdbeeren sind weniger gefragt als im Vorjahr – Schuld sind auch höhere Preise

Über eines sind sich alle einig: So garstig wie in diesem Mai war das Wetter schon jahrelang nicht mehr. Offenbar schlagen Kälte und Regen den Menschen nicht nur aufs Gemüt, sondern auch auf den Appetit. Die Lust auf Saisonware wie Erdbeeren und Spargel mag sich jedenfalls nicht so recht einstellen.

An diesem Stand brummt das Geschäft. Insgesamt werden in diesem Jahr aber weniger Spargel und Erdbeeren verkauft.Foto: Jean-Luc
An diesem Stand brummt das Geschäft. Insgesamt werden in diesem Jahr aber weniger Spargel und Erdbeeren verkauft.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Die Zurückhaltung der Verbraucher bekommt die Firma Henzler, die rund um Kirchheim zahlreiche Verkaufsstände betreibt und Spargel und Erdbeeren auf dem Kirchheimer Wochenmarkt verkauft, direkt zu spüren. „Der Umsatz ist geringer als im letzten Jahr“, sagt Geschäftsführer Gunther Henzler. „Bei diesem Wetter ist die Lust, vor allem auf Erdbeeren, einfach nicht so groß.“ Wer doch Appetit auf die süßen Früchte verspürt, muss momentan tief in die Tasche greifen – egal ob bei Henzler oder einem anderen Anbieter aus dem Landkreis. Laut Gunther Henzler liegt das daran, dass die Ausbeute auf den Feldern aufgrund der kühlen Witterung geringer ausfällt als erhofft. Außerdem sei der Ernteaufwand aktuell sehr hoch, weil die Erntehelfer regelrecht nach Früchten suchen müssten.

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Mit drei Wochen Verzögerung hat in diesem Jahr die Spargel- und Erdbeerernte begonnen. Während die Erdbeerernte noch gute Chancen auf Erfolg hat, falls der Juni sonniger wird, kann der Rückstand bei der Spargelernte nicht mehr eingeholt werden. „Normalerweise geht es Ende März, Anfang April los. Dieses Jahr haben wir um den 18. April angefangen. Und am 24. Juni ist Schluss“, sagt Gunther Henzler. Dass das Ende der Spargelernte so unflexibel ist, liegt daran, dass der Spargel ausreichend Zeit benötigt, durchzuwachsen und einen grünen Busch zu bilden. „Sonst fehlen ihm im nächsten Jahr die Nährstoffe“, erklärt Gunther Henzler.

Hintergrund ist, dass Spargel nicht jedes Jahr neu gepflanzt wird. Ein neues Spargelfeld benötigt drei Jahre, bis es erntefähig ist, und kann höchstens zehn Jahre alt werden. Nachhaltigkeit wird also großgeschrieben. Nähert sich ein Spargelfeld jedoch seinem „Verfallsdatum“, kann der Spargel darauf auch noch nach dem 24. Juni gestochen werden. Schließlich muss darauf im kommenden Jahr kein Spargel mehr wachsen.

Wie die Erdbeeren leidet auch der Spargel unter den kühleren Temperaturen. „Er wächst dann einfach langsamer“, sagt Gunther Henzler. Mithilfe von schwarzen Folien kann das Gemüse zwar in seinem Wachstum unterstützt werden. Der Ertrag ist dennoch geringer als im Vorjahr. „Bei grünem Spargel sieht es momentan ganz schlecht aus“, sagt Gunther Henzler. Denn der wächst über der Erde und ist den Temperaturen damit stärker ausgesetzt. Die Spargelpreise, die im Laufe der Saison normalerweise sinken, sind laut Gunther Henzler deshalb aktuell etwas höher als im Vorjahr.