Lokales

Kaltfront ähnlich einer Katzenpfote in Sicht

Milde Temperaturen im Januar nichts Außergewöhnliches – Mögliche Kaltfront aus dem Nordosten

Während die Nordamerikaner bibbern und möglichst in ihren Häusern bleiben sollen, können die Menschen rund um die Teck bei frühlingshaften Temperaturen die Sonne genießen.

Der bislang milde Winter erfreut die zarten Blaumeisen, die unter strengen Frösten leiden. Sie genießen dennoch das vom Menschen
Der bislang milde Winter erfreut die zarten Blaumeisen, die unter strengen Frösten leiden. Sie genießen dennoch das vom Menschen dargereichte Futter im Geäst des Winterschneeballs. Foto: Jörg Bächle

Kreis Esslingen. Fröhliches Vogelgezwitscher begleitet zurzeit die Spaziergänger und erinnert gerade mal eine Woche nach Neujahr an den Frühling. „Für die Vögel ist der bislang milde Winter nicht dramatisch, sie kommen nicht aus dem Takt. Das Singen hängt fast ausschließlich mit den länger werdenden Tagen zusammen“, sagt Dr. Wulf Gatter, Ornithologe und Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Kirchheim und Lenninger Tal. Bereits ab dem 26./27. Dezember bemerken die Tiere, dass sie früher aufwachen. Wenn nun jubilierende Töne in Feld und Flur zu vernehmen sind, hängt das bis zu einem gewissen Grad allerdings schon mit den milden Temperaturen zusammen. „Würden 30 Zentimeter Schnee liegen, hätten die Vögel andere Sorgen. Die Futtersuche würde sie voll in Anspruch nehmen“, so der Ornithologe.

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Dabei gibt es Vogelarten, die mit lang anhaltenden Frösten und Schnee besser zurechtkommen als andere, was auch zu vernehmen ist. „Oberpfeifer ist der Kleiber. Der ist unerschrocken, denn trotz widriger Bedingungen kommt er an Futter“, sagt Wulf Gatter. Zarter gebaute ­Exemplare wie beispielsweise Blaumeise oder Wintergoldhähnchen haben es da weitaus schwieriger. „Die Kleinen kommen bei Eisregen nicht mehr an ihr feines Futter heran, weshalb diese Arten im Winter hohe Verluste verzeichnen“, so die Beobachtung der Ornithologen. Diese Dezimierung gleichen die Tiere mit entsprechendem Nachwuchs aus. Finden sich in einem Kleiber-Nest in der Regel fünf Eier, sind es im Durchschnitt bei den Blaumeisen zwölf.

Vorerst brauchen sich die kleinen Piepmätze noch keine Sorgen zu machen. Heute kann das Thermometer bis 16 Grad rund um die Teck steigen, im Rheintal sogar bis 18 Grad. „Das ist zwar nicht normal im Januar, aber auch nichts Außergewöhnliches. Am 10. Januar 1991 haben wir beispielsweise auf unserer Wetterstation in Stuttgart auf dem Schnarrenberg in 300 Meter Höhe 18,3 Grad gemessen“, sagt Klaus Riedl vom Stuttgarter Wetteramt.

Möglicherweise ist mit den milden Temperaturen aber bald Schluss. „Die Signale sind da, dass wir doch noch einen winterlichen Januar bekommen. Auch wenn die Prognosen noch etwas unsicher sind, so verdichten sich doch die Aussichten, dass sich ein stabiles Hochdruckgebiet aus Skandinavien, Polen und Russland aufbaut. Wie eine Katzenpfote könnte die trockene Kaltluft dann zu uns reindrücken“, erklärt der Meteorologe. Mit einer Kältewelle wie in Nordamerika hat das jedoch nichts zu tun. „Im Flachland könnte es Nachtfröste bis zu minus acht Grad geben, auf der Alb bis minus zehn Grad und in den berüchtigten Kältepolen bis zu minus 15 Grad“, so Klaus Riedl.