Lokales

Kaninchenzüchter bekämpfen Chinaseuche

Deizisau: 20 Tiere sind trotz Impfung tot – Schuld ist wahrscheinlich ein neuer RHD-Erreger

In Deizisau sind 20 Kaninchen an der Krankheit RHD, auch ­Chinaseuche genannt, gestorben. Nun werden die Tierkadaver im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Fellbach untersucht.

Deizisau. Derzeit ist nach den Worten der Tiermedizinerin Birgit Blazey von der CVUA offen, ob es sich um eine Infektion mit dem neuen RHD-Erreger handelt, für den es bislang noch keinen Impfstoff gibt. Es sei auch möglich, dass der Impfschutz bei den Tieren nicht ausgereicht habe, „denn man geht davon aus, dass eine halbjährliche Impfung sinnvoll ist“. Über Einzelfälle dürfe sie allerdings keine Auskunft geben. Noch gebe es aber keinen Nachweis, dass der neue Erreger hier angekommen sei.

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Der Deizisauer Kaninchenzüchter Boniakowski kann sich das nicht erklären, „denn wir haben die Tiere erst im August impfen lassen“. Alle Kaninchen, die ausgestellt werden, brauchen einen regelmäßigen Impfschutz. Kleintiere könnten allerdings nicht geimpft werden, schränkt Boniakowski ein.

Die Deizisauer Vereinsmitglieder seien ratlos angesichts des qualvollen Tods der Tiere. Die Hasen seien innerlich verblutet. „Es tut weh, wenn man sieht, wie sie sterben“, erzählt Boniakowski. Das gehe nun seit 14 Tagen so, „jeden Tag starben ein oder zwei Tiere“. Der Vereinsvorsitzende stellt klar, dass auf Impfschutz großen Wert gelegt werde. „Bei uns wird immer die gesamte Anlage geimpft, da kommt der Tierarzt.“ Deshalb geht der Vereinsvorsitzende davon aus, „dass die neue Virusvariante jetzt bei uns angekommen ist“.

Sieben erwachsene und sieben junge Kaninchen seien noch am Leben, die man nun abschirmen müsse. „Zurzeit dürfen keine Besucher in die Ställe.“ Die Seuche kann nach Boniakowskis Worten über Heu oder verseuchtes Futter ebenso übertragen werden wie über Kontakt zwischen den Tieren. Obwohl RHD für Menschen ungefährlich ist, können sie das Virus übertragen. Er fordert andere Tierbesitzer auf, verstärkt auf die Hygiene zu achten.

Die Chinaseuche bekam ihren Namen, weil sie dort 1984 zum ersten Mal auftrat. Hinter dem Kürzel verbirgt sich der englische Name „Rabbit Haemorrhagic Disease“, was auf die inneren Blutungen bei den betroffenen Tieren verweist. Die Tiere leiden zunächst unter Atemnot und Appetitlosigkeit, dann führen die inneren Blutungen zum Tod.

Der bisher in der Region verbreitete RHC-Erreger lässt sich nach den Worten von Gerhard Stehle, dem Chef des Kreisveterinäramts in Esslingen, gut durch Impfungen bekämpfen. „Dann sind die Tiere immun.“ Derzeit seien zwei Impfstoffe auf dem Markt, die gegen die gängige Variante helfen.

Vor einem Jahr ist eine neue Variante des Erregers der tödlichen Kaninchenkrankheit RHD zum ersten Mal bei einem geimpften Tier in Rheinland-Pfalz aufgetreten. Das Landesuntersuchungsamt (LUA) stellte die Infektion bei einem verendeten Hauskaninchen aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis fest. „Es handelt sich um das RHD-Virus 2“, schreibt die Behörde über den damaligen Fall. Mitte 2012 war diese Virusvariante in einem geimpften Kaninchenbestand in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen worden.

Aus der Sicht des Plochinger Tierarztes Oliver Körner ist RHD bei Kaninchen in den vergangenen Jahren zurückgegangen, weil die Tierbesitzer verstärkt auf die Impfungen geachtet hätten. Aber es gebe immer wieder Fälle, „weil bei den Tierhaltern eine gewisse Impfmüdigkeit zu beobachten ist“. Auch gegen den gefährlichen Myxomathose-Virus müssten die Tiere aus der Sicht des Veterinärs geimpft werden. Der Preis für die Impfungen variiert je nach Praxis; in einem Internet-Kaninchenforum wird 15 Euro inklusive Untersuchung für beide Impfungen als Richtwert bei Einzeltieren genannt.