Lokales

Keine Angst vor Darmspiegelung

AOK Neckar-Fils strebt bessere Akzeptanz an – Zweithäufigste Krebsart

Mit Sorge beobachtet die AOK in weiten Teilen der Bevölkerung die Scheu, den Darm gründlich untersuchen zu lassen. Eine neue Kampagne verfolgt jetzt das Ziel, die Akzeptanz für die Darmspiegelung zu erhöhen. Wie wichtig dieses Anliegen ist, zeigt ein Blick auf die Statistik. Ihr zufolge sterben in Deutschland jährlich 20 000 Menschen an Darmkrebs.

Kreis Esslingen. Bundesweit gehen nur 35 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer zur Darmspiegelung. Viel zu wenig, meint Thomas Schneider, der stellvertretende Geschäftsführer der AOK-Bezirksdirektion Neckar-Fils. Die dringende Empfehlung, die Vorsorge ab dem 55. Lebensjahr wahrzunehmen, unterstreicht der Facharzt Marc Meinikheim mit einer weiteren Zahl. Jährlich erkranken in Deutschland rund 70 000 Menschen an Darmkrebs. Es handelt sich um die zweithäufigste Krebsart. Noch häufiger tritt bei Männern nur der Prostatakrebs und bei Frauen der Brustkrebs auf.

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50 000 Patienten könnten laut Meinikheim vor diesem Schicksal bewahrt werden. „Voraussetzung ist aber, dass die Vorsorge konsequent genutzt wird.“ Werde die Krankheit im Frühstadium erkannt, lägen die Heilchancen bei 100 Prozent. Sein Rat an die Versicherten: „Gehen Sie zur Vorsorge, Vorsorge rettet Leben.“

Für Vorbehalte gegenüber dieser Untersuchung, die in der Regel zwischen 15 und 20 Minuten dauert, gibt es Meinikheim zufolge keinen Anlass. Unannehmlichkeiten, die früher mit einer Darmspiegelung verbunden gewesen sein könnten, gehörten dank neuer Abführmittel und Schlafspritzen längst der Vergangenheit an. Das Risiko, dass es zu Verletzungen kommt, sei minimal.

Zudem überzeuge die Methode durch ihre Zuverlässigkeit. Die Treffsicherheit liege bei mehr als 95 Prozent. Der Facharzt empfiehlt parallel dazu jedes Jahr einen Stuhltest. Diese Methode erlaube zwar nur begrenzte Rückschlüsse. Werde sie regelmäßig wiederholt, ließen sich aber 90 Prozent der Tumore erfassen.

Vorsorge ist Meinikheim zufolge umso wichtiger, als es keine sicheren Frühsymptome gibt, die auf eine entsprechende Krankheit schließen lassen. Aus gutartigen Vorstufen entwickle sich sehr langsam Darmkrebs. Werde er entdeckt, hätten die Patienten acht bis zehn Jahre mit ihm gelebt. Eindeutige Symptome würden in dieser Phase selten auftreten.

Die AOK Neckar-Fils, die in den Landkreisen Esslingen und Göppin­gen mehr als 300 000 Mitglieder zählt, rückt die Teilnehmer des Hausarztmodells ins Zentrum ihrer Kampagne. Insgesamt handelt es sich um 125 000 Versicherte, die von der Kasse mit einem Brief informiert werden, wie wichtig die Vorsorge ist. Sie erhalten gleichzeitig die Zusage, dass sie innerhalb von 14 Tagen einen Termin beim Facharzt erhalten. Voraussetzung ist allerdings, dass sich der entsprechende Gastroenterologe wie Meinikheim am Facharzt-Programm der AOK beteiligt.

Nach den Erkenntnissen der Krankenkasse sterben im Kreis Esslingen jährlich 200 Menschen an Darmkrebs. Jedes Jahr diagnostizieren die Ärzte rund 500 neue Erkrankungen. Schneider will sich mit diesen Zahlen auf Dauer nicht abfinden. „Wir müssen unser Möglichstes tun, um das Leid zu verhindern, das mit dieser Krankheit verbunden ist.“do