Lokales

Keine Rehaklinik für Senioren mehr?

Vor der Schließung der Aerpah-Klinik in Esslingen schieben sich Beteiligte die Verantwortung zu

Die Gesellschaft altert, ältere Menschen sollen möglichst lange selbstständig leben können. Doch die Einrichtungen, die ihnen nach einem Oberschenkelhalsbruch oder einem Schlaganfall wieder auf die Beine helfen, schließen ihre Pforten. Die Aerpah-Klinik in Esslingen ist das jüngste ­Beispiel. Nun beginnt die Schadensanalyse.

Kreis Esslingen. Die Nachricht, dass die seit 1983 existierende, auf geriatrische Rehabilitation spezialisierte Aerpah-Klinik in Esslingen im kommenden Jahr geschlossen wird, hat einige Kreispolitiker aufgescheucht. So schreibt der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger einen offenen Brief an die Sozialministerin des Landes, Katrin Altpeter. Die Schließung der Aerpah-Klinik führe in Stadt und Kreis Esslingen zu einer öffentlichen Diskussion über die Situation der geriatrischen Rehabilitation insgesamt.

Zieger beklagt das Auseinanderfallen von Kosten und Erlösen im Gesundheitswesen. Die Verhandlungen zur Fusion der Kreiskliniken und des Klinikums Esslingen will Zieger jedoch nicht zusätzlich durch eine Unterfinanzierung einer geriatrischen Rehabilitation erschweren. „Umso mehr ist aus meiner Sicht zunächst einmal das Land gefordert, das sich bereits seit längerer Zeit in Bearbeitung befindliche Geriatriekonzept zu aktualisieren“, so Zieger in seinem offenen Brief.

Ferner stünden die Kostenträger in der Pflicht, die Rahmenbedingungen so zu schaffen, dass geriatrische

Kliniken ohne Defizite arbeiten können. „Hierzu gehört zum einen, durch klare Regelungen dafür zu sorgen, dass geriatrische Patienten durch entsprechende Genehmigungen auch die geriatrischen Kliniken erreichen, zum anderen ist ein kostendeckender Pflegesatz zu vereinbaren.“

Landrat Heinz Eininger verweist in einem Schreiben an den Pflege-Abteilungsleiter der Klinik, Stefan Daubner, darauf, dass die Finanzierung der geriatrischen Reha eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen sei. Er sieht die Politik in der Pflicht, für eine sachgerechte Finanzierung zu sorgen. „Andernfalls kommt es zu der grotesken Situation, dass bei einer älter werdenden Gesellschaft der Bedarf an geriatrischer Reha steigt und letztlich wegen Unauskömmlichkeit der Finanzierung das Versorgungsangebot entfällt.“

Ministerin Altpeter lässt durch eine Pressesprecherin ihres Ministeriums schriftlich mitteilen, es sei für sie unverzichtbar, das baden-württembergische Geriatriekonzept weiterzuentwickeln. „Das überarbeitete Geriatriekonzept soll bis spätestens zum Jahresende 2013 vorliegen“, lässt die Ministerin ankündigen. Darin solle unter anderem genau definiert werden, wie der Zugang zur geriatrischen Rehabilitation sichergestellt wird und wie die geriatrischen Schwerpunkte und Zentren künftig ausgerichtet werden können.

Die Ministerin weist aber auch darauf hin, dass, anders als bei der Krankenhausplanung, die Strukturverantwortung bei Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen allein denVerbänden der Leistungsträger und den Krankenkassen und nicht dem Land obliege. Deshalb könne sie lediglich an alle Beteiligten appellieren, zu ihrer Verantwortung bezüglich der Sicherstellung eines ausreichenden geriatrischen Angebots zu stehen.

„Wir haben die geriatrische Reha ordentlich finanziert“, wehrt sich der Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils, Dieter Kress gegen Vorwürfe an die Kostenträger. Die AOK habe zwischen den Jahren 2010 und 2013 die Pflegesätze um etwa elf Prozent angehoben. Zudem werde das Budget zwischen den Kliniken-Geschäftsführern und den Kostenträgern ausgehandelt und in einer übereinstimmenden Willenserklärung festgehalten. „Diese Vereinbarung muss jedes Mal gekündigt werden, um neu verhandeln zu können.“ Er sieht das Problem, das die Aerpah-Klinik hatte, auf einer ganz anderen Ebene angesiedelt: „Die Klinik war nur zu 60 Prozent belegt“, sagt Kress. Und überwiegend seien Patienten aus dem städtischen Klinikum Esslingen an die Aerpah-Klinik

überwiesen worden. Die Zuweisungen aus den Kreiskliniken hätten sich in Grenzen gehalten. Dabei habe die Aerpah-Klinik den Versorgungsauftrag für geriatrische Reha im Landkreis Esslingen.

Gisela Rehfeld, Geschäftsführerin der „Dienste für Menschen“, zu deren Geschäftsfeld die Aerpah-Klinik zählt, bestätigt die Unterbelegung der Klinik und die zögernde Zuweisung durch die Kreiskliniken. Dies könne mit dem Wunsch der Patienten zu tun haben, in eine bestimmte Klinik überwiesen zu werden. Vielleicht aber auch damit, dass geriatrische Patienten überhaupt erst bei der Entlassung definiert werden, statt bereits bei der Aufnahme. „Geriatrische Patienten, oft über 70 Jahre, weisen oft mehrere Krankheitsbilder auf. Und sie erholen sich von Krankheiten auch schwerer als jüngere Patienten.“

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