Lokales

Kinobetrieb als Lebensaufgabe

Emma und Hans Bernauer feiern am Dienstag das Fest der Diamantenen Hochzeit

364 Tage lang standen sie Jahr für Jahr in den Kinosälen. Sonn- oder Feiertage gab es für das rührige Weilheimer Ehepaar nicht. Am kommenden Dienstag begehen Emma und Hans Bernauer im Kreis ihrer Familie das Fest der Diamantenen Hochzeit.

Das Leben von Emma und Hans Bernauer ist untrennbar mit den Weilheimer Schloss-Lichtspielen verbunden. Gut 55 Jahre lang war das
Das Leben von Emma und Hans Bernauer ist untrennbar mit den Weilheimer Schloss-Lichtspielen verbunden. Gut 55 Jahre lang war das Ehepaar Betreiber des Kinos. Am Dienstag jährt sich ihr Hochzeitstag zum 60. Mal.Foto: Deniz Calagan

Anke Kirsammer

Weilheim. Als Hans Bernauer am 29. Juni 2005 die letzte Filmrolle von Star Wars III auf den Projektor wuchtete, ging eine Ära zu Ende. 55 Jahre lang „und einen Monat!“, wie er damals betonte, war er Weilheimer Kinobetreiber. Acht Jahre später drehen sich die Gedanken des Ehepaares nach wie vor um ihr Berufsleben. „Das Kino war unsere Lebensaufgabe“, sagt die 84-jährige Emma Bernauer, die ihren Mann in der Regie der Weilheimer Schloss-Lichtspiele in all den Jahrzehnten unterstützt hatte. „Wir sind nie in den Urlaub gefahren. Außer an Heiligabend war das Kino ja jeden Tag offen.“

Als Tochter des Weilheimer Sägemüllers, der nebenher einen kleinen Bauernhof betrieb, und als Sohn eines Landwirts mussten die beiden in jungen Jahren jeden Abend die Milch zur Molkerei bringen. „Da haben wir uns kennengelernt“, verrät Hans Bernauer. „Als ich ein Auge auf sie geworfen hatte, trafen wir uns auf dem Nachhauseweg und einmal in der Woche, wenn sie zum Gesangverein ging und ich in den Kirchenchor.“

Cineasten wurden die beiden eher per Zufall. Emma Bernauers Bruder hatte im Weilheimer Löwensaal ein Kino eröffnet, das er 1950 an Hans Bernauer verkaufte. Ausgebildeter Schreiner, erlernte Bernauer in Uhingen den Betrieb eines Kinos sowie den Beruf des Kaufmanns. Dank der tatkräftigen Unterstützung seiner späteren Frau eröffnete er bereits 1952 die neu gebauten Schloss-Lichtspiele in Weilheim mit „Grün ist die Heide“. Wie andere Heimatfilme in den 1950er-Jahren lockte der Streifen die Massen in die Kinos.

„Ich war noch gar keine 21 und hätte eigentlich noch gar kein Geschäft aufmachen dürfen“, sagt Hans Bernauer verschmitzt. Doch offensichtlich drückte der damalige Bürgermeister Kandenwein ein Auge zu, handelte es sich doch lediglich um eine kurze Übergangszeit. Erst als die Wohnung in dem Neubau fertiggestellt war, heirateten Emma und Hans Bernauer. 1954 wurde der Sohn geboren, zwei Jahre später die Tochter. „Sie mussten im Grunde jahrelang ohne Vater auskommen, ich bin ja immer gegen 8 Uhr ins Büro gefahren und hatte nicht selten einen 15-Stunden-Tag“, erzählt Hans Bernauer. Von Mitte der 1950er-Jahre an betrieb er für mehrere Jahre die Favorit-Lichtspiele in Stuttgart, zwei Jahre lang führte er Regie im Kirchheimer Tyroler. Das größte Standbein aber wurden von 1964 an neben dem Kino in Weilheim die Geislinger Gloria-Lichtspiele beziehungsweise das Gloria-Kino-Center. Mit Stolz blickt Hans Bernauer auf das Arbeitsleben zurück: „Durch mein Zutun gibt es in Geislingen nach wie vor vier Kinosäle.“ Dass ein Nachfolger gefunden wurde, erfüllt Emma und Hans Bernauer mit besonderer Genugtuung.

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