Lokales

Klinik mit besonderer Atmosphäre

Vierter Teil der Serie über die Kreiskliniken und ihre Schwerpunkte – Heute: Plochingen

Die Kreiskliniken sind im Umbruch. An den Standorten in Kirchheim, Nürtingen, Ruit und Plochingen hat sich in den letzten Jahren vieles verändert. Der Teckbote beschreibt in seiner Serie, welche Angebote es in den einzelnen Häusern gibt.

Haus mit ¿Wohlfühlatmosphäre¿: Das Kreiskrankenhaus Plochingen mit Schwerpunkt Rheumatologie.Foto: Jean-Luc Jacques
Haus mit ¿Wohlfühlatmosphäre¿: Das Kreiskrankenhaus Plochingen mit Schwerpunkt Rheumatologie.Foto: Jean-Luc Jacques

Plochingen. Die Anschrift des mit rund 150 Betten kleinsten Hauses der Kreiskliniken Esslingen sagt einiges über dessen Lage aus: Am Aussichtsturm 6 – hoch über Plochingen in Richtung Schurwald. In der Tat fällt der grandiose Blick von den Pflegezimmern auf die „Blaue Mauer“, von den Stauferbergen bis zum Hohenzollern, ins Auge. Das zweite Augenscheinliche ist die persönliche, fast familiäre Atmosphäre, sind die kurzen Wege innerhalb des kleinen, aber feinen Hauses.

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Das Kreiskrankenhaus Plochingen ist zunächst ein Haus der wohnortnahen Grund- und Regelversorgung für den Raum Plochingen. Mit etwa 80 Betten ist darin die Medizinische Klinik die größte Abteilung. Innerhalb der Medizinischen Klinik wiederum bilden die Rheumatologie und Immunologie einen besonderen Schwerpunkt. Die Klinik Plochingen ist anerkannt im Verband Rheumatologischer Akutkliniken (VRA) und gehört dem Rheumazent

­rum Württemberg an. Außerdem ist es akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen.

Der Ärztliche Direktor des Kreiskrankenhauses Plochingen und Chefarzt der Medizinischen Klinik, Professor Dr. med. Bernhard Hellmich, behandelt im dreiköpfigen Rheumatologenteam alle Formen rheumatischer Erkrankungen mit besonderem Schwerpunkt auf rheumatische Systemerkrankungen, wobei die Patienten nicht nur aus dem Landkreis Esslingen, sondern aus dem gesam­ten Südwesten des Landes nach Plochingen kommen.

Von den vier Stationen der Inneren Medizin ist eine Schwerpunktstation der Rheumatologie vorbehalten.

Die Plochinger Rheumatologen behandeln nicht nur rheumatische Gelenkserkrankungen, die meist nur einen kleinen Teil ausmachen, sondern auch rheumatische Erkrankungen der inneren Organe wie der Lunge, der Nieren oder des Nervensystems.

Seit anderthalb Jahren werden Patienten bei der rheumatologischen Komplexbehandlung im Rahmen ihres stationären Aufenthaltes in Plochingen unter ärztlicher Behandlungsführung intensiv mehrere Stunden pro Woche physiotherapeutisch behandelt. Neben Physiotherapie und Ergotherapie werden sie auch psychologisch betreut. Ziel dieser rheumatologischen Komplexbehandlung ist die Besserung beziehungsweise der Erhalt der körperlichen Funktion. Außerdem erfahren die Patienten eine gezielte Schulung im Umgang mit ihrer Erkrankung und den notwendigen Therapien. Hierzu gehört auch eine angepasste Schmerztherapie. „In der medikamentösen Einstellung hat sich inzwischen viel getan“, sagt Professor Dr. Hellmich.

Der Ärztliche Direktor der Klinik erachtet die Voraussetzungen für Rheumapatienten in Plochingen als geradezu ideal. Hier bieten sich einerseits gute Möglichkeiten, in Gesprächen mit Psychiatern die chronische Krankheit mental zu bewältigen. „Diese Konstellation gibt es sonst nirgendwo“, sagt Professor Hellmich. Andererseits ist dem Erfolg der Therapie ebenso die besondere Lage und der spezielle Charakter des Hauses zuträglich. Beides sorgt für eine Wohlfühlatmosphäre. „Dennoch sind wir ein Akutkrankenhaus mit einer Infrastruktur, mit der der Patient ganzheitlich versorgt werden kann“, erklärt Dr. med. Bernhard Hellmich. „Dieser Weg ist relativ neu, ich war jedoch von Anfang an überzeugt, dass er der richtige ist“, sieht sich der Ärztliche Direktor durch den Ansturm und das positive Feedback der Patienten bestätigt.

Eine Spezialität der Klinik für Kurzzeitchirurgie, deren Chefarzt Dr. med. Klaus Kraft ist, ist in Plochingen die Venenchirurgie. Die Spezialis­tin in diesem Bereich ist Dr. med. Gertrud Szotyori-Artz. Sie behandelt sämtliche Venenerkrankungen und Thrombosen, hauptsächlich bei Frauen, sowohl ambulant als auch stationär. Ihre Patienten kommen aus dem östlichen Teil des Landkreises.

In der Plochinger Kurzzeitchirurgie werden in der Regel nur Eingriffe vorgenommen, die keine Intensivstation benötigen. Schwierige Fälle werden im Kreiskrankenhaus Nürtingen operiert. „Die Patienten finden aber vor Ort den Spezialisten, der sie auf höchstem Niveau behandelt“, sagt Chefarzt Dr. Kraft, der einmal mehr die Einheit seiner auf die drei Häuser verteilten Fachabteilung der Allgemein- und Viszeralchirurgie betont.

In den vergangenen Jahren konnte durch die minimalinvasive Operationsmethode die Aufenthaltsdauer in vielen Fällen deutlich reduziert werden. Circa 400 Operationen pro Jahr gehen im Operationssaal in Plochingen ambulant über die Bühne und 600 stationär. Im Plochinger Kreiskrankenhaus gibt es auch eine Notfallaufnahme, die rund um die Uhr besetzt ist. Bei gravierenden Eingriffen werden die Patienten weiterverlegt.

Zum Spektrum internistischer Erkrankungen gehören auch Magen-, Darm- und Lebererkrankungen. Deshalb bietet die Gastroenterologie in Plochingen die Möglichkeit der Magen-, Enddarm-, Darm- und Leberspiegelungen sowie Lungenspiegelungen. „Die Endoskopie wurde 2010 neu gestaltet“, berichtet Professor Hellmich.

Eine weitere Plochinger Besonderheit ist der qualifizierte Entzug alkoholkranker Patienten in elf Tagen mit psychiatrischer und psychosozialer Betreuung, begleitet von Sport- und Bewegungstherapie. Außerdem werden Kontakte zu Selbsthilfegruppen vermittelt.