Lokales

Kostenlos in der Innenstadt surfen

Die Stadt Kirchheim denkt über freies Wlan-Netz nach – „Stadt würde noch attraktiver werden“

Ob Pforzheim, Heidenheim, Aalen oder Berlin: In einigen Innenstädten kann man mittlerweile kostenlos über das Tablet oder Smartphone im Internet surfen. Auch in Kirchheim denkt die Verwaltung über freies Wlan nach.

Symbolbild: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Mal eben im Internet nachschauen, welche Sehenswürdigkeiten es in der Stadt gibt oder wo sich das nächste Café befindet; beim Warten auf den Bus oder in der Mittagspause im Park E-Mails checken; oder schnell den S-Bahn-Fahrplan online abrufen: Das können Besucher der Stadt Pforzheim seit Anfang September in der gesamten Innenstadt – und zwar, ohne dafür zu bezahlen. Denn seither gibt es dort ein freies Wlan-Netz, also eine drahtlose, kostenlose Internetverbindung.

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Neun in der Goldstadt ansässige Firmen hatten sich 2011 zur Medien-/IT-Initiative Pforzheim zusammengeschlossen. Daraus ging die Gründung des Vereins PF-Wlan Pforzheim hervor, der das Vorzeigeprojekt auf den Weg brachte. Verantwortlicher Betreiber ist die Skytron Communications GmbH & Co. KG mit Sitz in Karlsbad. Laut Erwin Geisler, Vorsitzender des Vereins PF-Wlan Pforzheim, kostet der Betrieb für die ersten drei Jahre 300 000 Euro. Davon übernehmen die neun Firmen 50 000 Euro und die Stadt 55 000 Euro. Den Rest tragen unterschiedliche Sponsoren, bei denen es sich vor allem um Pforzheimer Großfirmen handelt. Das Engagement der Unternehmen ist nicht ganz uneigennützig: Sie erhoffen sich, dass das Angebot mehr Touristen, aber auch Fachkräfte, vor allem aus dem IT-Bereich, in die Stadt lockt, sagt der Vereinsvorsitzende.

Bezüglich der Kosten gibt Erwin Geisler zu bedenken, dass Vergleiche mit anderen Städten schwierig seien. „In Pforzheim war eine gewisse Grundinstallation vorhanden. Die Kosten können deshalb in anderen Städten ganz anders aussehen.“

Ob durch das freie Wlan tatsächlich mehr Touristen in die Stadt kommen, lasse sich bislang noch nicht abschätzen, sagt Erwin Geisler. Er spricht dennoch schon jetzt von einem großen Erfolg für die Stadt Pforzheim und von einem Imagegewinn: Seit Anfang September hätten sich 11 000 Nutzer registriert. „Viele sagen, dass es eine tolle Sache ist“, erzählt Geisler.

Für den Nutzer ist das Ganze relativ einfach: Er registriert sich über die E-Mail-Adresse und Mobilnummer. Via SMS erhält er dann einen Zugangscode, mit dem er sich einmalig eintragen muss. Dann kann er in der ganzen Pforzheimer Innenstadt über PF-Wlan im Internet surfen.

Zahlreiche Städte blicken derzeit etwas neidisch nach Pforzheim. Neben Stuttgart und Nürtingen zählt dazu auch Kirchheim. „Wir haben die Sache in Pforzheim verfolgt“, sagte Kirchheims Hauptamtsleiter Stefan Wörner auf Nachfrage des Teckboten. Nun sei man „am Beginn von entsprechenden Überlegungen“. Momentan würden die Machbarkeit und die Kosten für freies Wlan in Kirchheim überprüft.

Einen „kleinen Anfang“ gebe es mit der Stadtbücherei, in der ab dem kommenden Jahr kostenloses Wlan angeboten werde, informierte Wörner weiter. Leiterin Ingrid Gaus begrüßt das sehr, zumal das Bücherei-Team in der Vergangenheit immer wieder einen Vorstoß in diese Richtung gemacht habe. „Wir haben eine große Nachfrage“, erzählt die Stadtbücherei-Leiterin. Das liege zum einen an der Online-Bibliothek der Einrichtung und zum anderen daran, dass zahlreiche Besucher in der Bücherei mit ihrem Tablet arbeiten wollen.

Die rechtliche, technische und finanzielle Seite eines freien Wlan-Netzes im gesamten Innenstadtbereich werde nun genauestens unter die Lupe genommen, ergänzte Wörner. Zu beachten sei zum Beispiel die sogenannte Störerhaftung. Demnach ist der Betreiber eines Wlan-Netzes haftbar für das, was Internet-Nutzer in seinem Netz treiben – zum Beispiel auch dafür, wenn jemand illegale Daten herunterlädt. Geklärt werden müsse außerdem eine mögliche Begrenzung des Datenvolumens. Denn ohne eine solche Limitierung könnten Anwohner möglicherweise komplett über das kostenlose Wlan surfen. Voraussichtlich in einem halben Jahr seien die Überprüfungen abgeschlossen, sagte Wörner. Dann werde die Thematik dem Gemeinderat zur Diskussion vorgelegt.

Grundsätzlich stehe die Stadt Kirchheim aufgeschlossen und positiv der Idee gegenüber. Schließlich hätten heutzutage zahlreiche Menschen stets Smartphone oder Tablet bei sich. Die Teckstadt würde durch das Projekt noch attraktiver werden, ist Stefan Wörner überzeugt. Außerdem könne der Tourismus dadurch angekurbelt werden.

Angetan vom Pforzheimer Projekt ist man auch in Nürtingen. Dort könnte das kostenlose Surfen in der Innenstadt ebenfalls bald Realität werden. Auch die Nürtinger Stadtverwaltung klärt momentan die Modalitäten. Wie Stefan Wörner verspricht sich Jasmin Kühnle, die in Nürtingen für den Bereich Tourismus zuständig ist, vom kostenlosen Surfen eine Attraktivitätssteigerung der Stadt. Sie schlägt vor, dass – ähnlich wie in Pforzheim – ein Verein mit Mitgliedern aus Gastronomie, Einzelhandel, Citymarketing, Werbering und Stadtverwaltung ins Leben gerufen werden könnte. Als Betreiber käme die ­Hotsplots GmbH mit Sitz in Berlin oder die Skytron Communications GmbH & Co. KG infrage.

Für Jasmin Kühnle liegt der Nutzen für Smartphone- und Tablet-Besitzer auf der Hand: Da die meisten Mobilfunkverträge mit einem begrenzten Datenvolumen abgeschlos­sen werden, biete freies Wlan große Vorteile für „Viel-Surfer“. Außerdem würden zahlreiche Menschen ein Tablet ohne Vertrag besitzen, mit dem sie über Wlan ins Netz gehen können. Jasmin Kühnle ist sich sicher: „Freies Wlan erhöht die Aufenthaltsqualität in der Stadt.“