Lokales

Krankenhaus im Grünen

Dritter Teil der Serie über die Kreiskliniken und ihre Schwerpunkte – Heute: Ruit

Die Kreiskliniken sind im Umbruch. An den Standorten Kirchheim, Nürtingen, Ruit und Plochingen hat sich in den letzten Jahren vieles verändert. Der Teckbote beschreibt in einer Serie, welche Angebote es in den einzelnen Kliniken gibt und wie sich die Häuser fit für die Zukunft machen.

Paracelsus Krankenhaus Ruit - Hedelfinger Str. 16673760 Ostfildern
Paracelsus Krankenhaus Ruit - Hedelfinger Str. 16673760 Ostfildern

Ostfildern-Ruit. Wer den Außenbereich der Cafeteria des Paracelsus-Krankenhauses in Ruit betritt, fühlt sich ein bisschen wie im Italien­urlaub. Zwischen Palmen und knorrigen Olivenbäumen stehen Tischchen mit bequemen Korbstühlen, jenseits der Terrasse erstrecken sich Wiesen. Nicht umsonst wird das Paracelsus-Krankenhaus auf der Homepage der Kreiskliniken als „Krankenhaus im Grünen“ bezeichnet.

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Innen ist der Eindruck jedoch ein anderer. Es wird gehämmert und gefräst, vom Parkplatz aus gleicht das Krankenhaus einer riesigen Baustelle. Der Baulärm bedeutet Stress für Mitarbeiter und Patienten – und ist mit dafür verantwortlich, dass die Fallzahlen in den letzten Monaten zurückgegangen sind, wie Geschäftsführer Franz Winkler in einem Teckboten-Interview berichtete. Bis Jahresende soll aber wieder Ruhe einkehren.

Wie die anderen Kreiskrankenhäuser in Kirchheim, Nürtingen und Plochingen weist das Paracelsus-Krankenhaus eine Reihe von Schwerpunkten auf. Die Klinik für Urologie ist die einzige ihrer Art im gesamten Landkreis (siehe Text unten). Dementsprechend groß ist ihr Versorgungsgebiet. Chefarzt Professor Dr. Serdar Deger und sein Team behandeln dort alle Erkrankungen der Nieren, der Harnleiter und Blase sowie der männlichen Geschlechtsorgane. Die Klinik für Urologie ist die einzige im Umkreis, die eine Sprechstunde auch in türkischer Sprache anbietet.

Die Klinik für Radiotherapie und Onkologie am Paracelsus-Krankenhaus ist die einzige Kreisklinik, die Krebspatienten alle drei Säulen der Tumortherapie in einem Haus bietet: die operative Entfernung von Tumoren, die Chemotherapie und die Strahlentherapie. Patienten, die bestrahlt werden, kommen also aus dem ganzen Landkreis nach Ruit. „Während bei der Chemotherapie Medikamente gegeben werden, die sich im ganzen Körper verteilen, kann man mit der Strahlentherapie schonender und exakter therapieren“, erklärt Chefarzt Dr. Matthias Geiger. Je nach Tumorart und -ausbreitung sind verschiedene Therapien notwendig. Der ganze Stolz der Klinik ist ein Pet-CT. Mit diesem Gerät, das momentan das modernste seiner Art ist, können die Ärzte nicht nur erkennen, wo sich Tumore befinden, sondern auch, ob sie aktiv sind oder nicht. „Außerdem können wir damit überprüfen, wie erfolgreich unsere Therapie ist“, erklärt Dr. Bernhard Hörr.

Die neue Klinik für Gesichts-, Kiefer und Wiederherstellungs­chirurgie am Paracelsus-Krankenhaus ist die einzige ihrer Art im Landkreis. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem die Tumorchirurgie sowie die ästhetische Chirurgie, bei der Nase, Kinn oder Ohren korrigiert werden. Die Kieferchirurgen behandeln schwere Fehlbisse und Fehlbildungen. Außerdem werden Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, sogenannte Hasenscharten, operiert. Seit dem 1. August leitet Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Konrad Wangerin die Abteilung für Mund-, Kiefer- und Wiederherstellungschirurgie.

Im Vitalcenter können die Patienten direkt im Anschluss an ihre Operation mit der ambulanten Reha beginnen. „Die Patienten werden morgens abgeholt und anschließend wieder nach Hause gefahren“, erklärt Jürgen Saur, der Leiter des Vitalcenters. Außerdem bietet die Einrichtung Physiotherapie und Gesundheitssport an. „Wir haben Angebote, die ein Fitnessstudio nicht machen kann, zum Beispiel eine Herzgruppe, wo immer ein Arzt dabeisteht“, nennt Jürgen Saur ein Alleinstellungsmerkmal. Sicherheit wird ohnehin groß geschrieben: Jeder, der im Vitalcenter trainieren will, muss sich zunächst komplett durchchecken lassen.

Das Paracelsus-Krankenhaus hat als erste Kreisklinik vor dreieinhalb Jahren eine Palliativstation eingerichtet. Dort bemühen sich Ärzte und Pfleger, die Symptome todkranker Patienten, die von Schmerzen über Übelkeit bis zu Depressionen und Angstzuständen reichen, so weit zu lindern, dass sie ihren letzten Lebensweg mit der größtmöglichen Qualität gehen können. Die Station ist in warmen Farben gehalten, es gibt eine große Küche und einen „Raum der Stille“. Krankenhausatmosphäre wird bewusst vermieden. Von einem Balkon aus blicken die Patienten bis zur Schwäbischen Alb. „Die Palliativmedizin verfolgt ein ganzheitliches Konzept: die körperliche, psychische, spirituelle und soziale Ebene wird mit eingeschlossen“, erklärt Dr. Franz Bihr. Die Patienten erhalten also nicht nur schmerzstillende Medikamente, sondern auch Psychotherapie, manuelle Therapie oder Musiktherapie. Allerdings ist die Palliativstation kein Hospiz. Ziel ist es, den Zustand der todkranken Patienten so weit zu stabilisieren, dass sie zu Hause sterben können.