Lokales

Kultur in Kirchheim kommt gut an

Bürgerbefragung zeigt positive Ergebnisse – Satzungsentwurf für Stadtverband Kultur liegt bereits vor

Kirchheim ist in Sachen „Kultur“ gut aufgestellt: Das ist die erfreuliche Lehre, die der Finanz- und Verwaltungsausschuss des Gemeinderats aus dem Tagesordnungspunkt „Kulturentwicklungsplanung“ ziehen konnte. In Zukunft gilt es, die Angebotsvielfalt zu erhalten, sich Gedanken um Veranstaltungen für Jugendliche oder Migranten zu machen und vielleicht eine „Partnerbörse“ einzurichten.

Kunst und Kultur am Schloss 2010, Till Eulenspiegel
Kunst und Kultur am Schloss 2010, Till Eulenspiegel

Andreas Volz

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Kirchheim. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung „Kulturkonzeption“ stellte Dr. Kai Masser vom Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer vor. Immer wieder verglich er die Kirchheimer Zahlen mit denen, die er nach einer ganz ähnlichen Befragung in Tübingen erhalten hatte. Das ist zwar mitunter fragwürdig, weil eine Universitätsstadt wie Tübingen in vielerlei Hinsicht andere Bedingungen und ein anderes „Publikum“ hat als Kirchheim. Aber immer wieder ist es auch interessant zu sehen, dass sich Kirchheim in manchen Punkten eben doch mit Tübingen messen kann. Das beginnt schon beim Inte­resse an der Befragung: Etwa 3 000 Kirchheimer hatten einen Fragebogen erhalten, rund 1 000 von ihnen schickten ihn ausgefüllt zurück. Das sind 33 Prozent, und damit liegt Kirchheim fast gleichauf mit der Tübinger Rücklaufquote.

Ein wesentliches Problem scheint die „fehlende Zeit“ zu sein, um Kulturangebote wahrzunehmen. Gut 75 Prozent aller Befragten gaben den Zeitfaktor als wichtigen Hinderungsgrund an. Ein anderer Grund, Kulturveranstaltungen trotz vorhandenen Interesses nicht zu besuchen, lautet: „Habe niemanden, der mit mir geht“. Hier könnten die Stadt oder der geplante Stadtverband Kultur durchaus etwas ändern: Kai Masser schlug eben vor, eine Art „Partnerbörse“ einzurichten. Wer Interesse daran hat, eine Begleitperson zu finden – sei es grundsätzlich für eine bestimmte Art von Veranstaltungen oder auch nur für einen einzelnen Abend –, könnte sich registrieren lassen, mit Kontaktdaten und mit kulturellen Interessensschwerpunkten.

Das war der konkrete Verbesserungsvorschlag, den Kai Masser im Finanz- und Verwaltungsausschuss einbrachte. Ansonsten stellte er noch fest, dass es vor allem für Jugendliche nicht die Angebote gebe, die sich diese Zielgruppe wünscht. Andererseits handle es sich da aber nicht um eine Kirchheimer Eigenheit: „Es ist generell schwierig, Jugendliche für bestimmte Kulturangebote zu interessieren.“ Allerdings sei erwähnt, dass es einen statistischen Wert seiner Studie gibt, der dieser Aussage nicht ganz entspricht: Immerhin 13 Prozent der Beteiligten waren noch keine 25 Jahre alt und müssen trotzdem ein großes Interesse an der Kultur in Kirchheim haben. Zum Vergleich: Der Anteil derjenigen, die älter als 64 waren, liegt mit 17 Prozent nicht wesentlich höher.

Was für die Kirchheimer Kulturszene spricht, ist die Zahl von 83 Prozent – als Anteil derjenigen, die angegeben haben, überwiegend in Kirchheim kulturelle Angebote zu nutzen. Stuttgart kam in diesem Fall auf 39 Prozent und die nicht näher definierten „Nachbarorte“ auf 27 Prozent. Hinzuzufügen ist, dass bei dieser Frage Mehrfachnennungen möglich waren, weshalb die Summe der Prozentzahlen weit über 100 liegt.

Ähnlich gut sind die Werte für Kirchheim bei der Zufriedenheit mit den Angeboten. Kai Masser zufolge liegen die Kirchheimer Veranstaltungen „allesamt im positiven Bereich“. Die besten Zufriedenheitswerte erzielte übrigens die „Kirchheimer Musiknacht“, gefolgt von der „Langen Orgelnacht“. Dabei handelt es sich um zwei durchaus gegensätzliche Veranstaltungen, die aber dennoch den Erwartungen ihres Publikums voll und ganz entsprechen müssen.

Kulturamtsleiter Gerhard Gertitschke stellte deshalb in der Ausschusssitzung fest, dass es nicht nur darum gehe, bei den Zielen der Kirchheimer Kulturentwicklung nach den bisherigen Defiziten zu fragen. Auch der Erfolg der vorhandenen Veranstaltungen müsse in den Blick genommen werden: „Hier stellt sich die Frage, wie wir das gute Angebot halten können.“

Ein spezielles Angebot hat übrigens in der Umfrage erstaunlich gut abgeschnitten, obwohl es eher kurzlebig war: Die Veranstaltungsreihe „Kunst und Kultur am Schloss“ hat in kurzer Zeit einen extrem hohen Bekanntheitsgrad erlangt, bevor sie wegen ihrer Wetterabhängigkeit und dem damit verbundenen Kostenrisiko wieder eingestellt wurde.

Sabine Bur am Orde-Käß (Grüne) und Katja Seybold (CIK) bemängelten Kai Massers Befragungsmethode, weil nicht immer klar sei, was eigentlich gefragt worden ist, und weil mitunter „Äpfel mit Birnen verglichen werden“. Aus den Werten der Musikschule beispielsweise gehe nicht hervor, ob es sich um passive Nutzer handle, also um Konzertbesucher, oder auch um aktive, also um Musikschüler. Die Werte eines reinen Konzertveranstalters ließen sich damit nicht vergleichen, weil dort keine aktive Nutzung vorgesehen ist.

Andreas Kenner (SPD) verwies auf das Problem, das es im Umfeld von speziellen Jugendangeboten geben könnte: „Jugendliche sind anders als ein Operettenpublikum. Bei der Jugend ist es laut, und es gibt immer Nachbarn, denen das nicht gefällt.“ Ansonsten betonte er, dass Kultur nicht planbar sei: „Wir können da nur die Rahmenbedingungen schaffen.“

Das zielte in Richtung eines Stadtverbands Kultur, der sich in absehbarer Zeit konstituieren soll. Ein Satzungsentwurf für den Stadtverband liegt bereits vor. Und eine erste Aufgabe für den neuen Verein nannte Eva Baudouin (CDU) auch schon: außer Kulturangeboten für Jugendliche auch welche für Migranten in den Blick zu nehmen. Das Fehlen solcher Angebote war bemängelt worden.