Lokales

Leidiges Thema Mobilfunk

Antenne soll verlegt werden – Strahlenbelastung: „Wir liegen deutlich unter den Grenzwerten“

Es ist nicht nur in Dettingen ein leidiges Thema: Immer mehr Menschen möchten Handys, Smartphones und Tablet-PCs nutzen – doch die Strahlenbelastung der Mobilfunkantennen ist allen ein Dorn im Auge. Im Dettinger Ratsrund gab es nun erneut Anlass, über das Thema zu diskutieren.

Dettingen. „Bei diesem Thema haben wir eigentlich gedacht, dass wir es erledigt hätten“, sagte Bürgermeister Rainer Haußmann in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Der Grund seines Unmuts: Die Telekom hat beantragt, ihre Mobilfunkstation, die sich bisher auf einem Firmengebäude der Spedition Diez in der Kirchheimer Straße 168 befand, etwa 150 Meter weiter westlich auf ein Bürogebäude derselben Firma in der Robert-Bosch-Straße 8 zu verlegen. Das ist aufgrund einer baulichen Veränderung am bisherigen Standort notwendig. Denn die Spedition Diez baut derzeit um und errichtet in der Kirchheimer Straße eine große Halle für Lager- und Produktions-Zwecke.

Da die Antenne eine Höhe von zehn Metern nicht übersteigt, muss keine baurechtliche Genehmigung für dieses Vorhaben vorliegen. Der Gemeinde wird aber ein Anhörungsrecht eingeräumt. „Wer werden zwar gefragt, aber verhindern können wir nichts“, sagte der Rathauschef.

Mit der Thematik Mobilfunk beschäftigen sich die Dettinger Räte bereits seit Jahren. Seit dem Jahr 2003 gab es dazu 23 Gemeinderatssitzungen und eine Bürgerinformationsveranstaltung. „Wir haben viel Zeit und Geld investiert, damit wir im Ort so wenig wie möglich Immissionen haben“, betonte Haußmann. So hat die Gemeinde im Jahr 2008 ein großes Ziel erreicht: Die Mobilfunkantenne auf dem Kirchturm wurde abgeschaltet. Seither gibt es im Ortskern keine Mobilfunkstation mehr.

Insgesamt befinden sich auf Dettinger Gemarkung vier Mobilfunkantennen: Im Gewann Eichhalde wurde auf einem bestehenden Stromleitungsmast je eine Antenne der Anbieter Vodafone und E-Plus angebracht; im Gewann Mühlweingärten gibt es einen gemeinsamen Mast von Telekom und O2 – und im Gewerbegebiet die besagte Antenne der Telekom. Hinzu kommt ein Funkmast der Deutschen Bahn, der ebenfalls im Gewerbegebiet an der Bahnlinie errichtet wurde.

Für das Gros der Mobilfunkstandorte habe man Lösungen außerhalb des Ortes gefunden, betonte Haußmann. „Nur bei der Antenne im Gewerbegebiet war es uns nicht möglich. Die Telekom zeigte sich nicht kooperativ.“ Allerdings müsse man festhalten, dass die Strahlenbelastung deutlich unter dem in Deutschland vorgeschriebenen gesetzlichen Grenzwert liege, der zehn Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter beträgt. Hinzu komme, dass sich die Antenne der Telekom im Gewerbegebiet und damit immerhin nicht im Ortskern der Gemeinde befinde.

Das bekräftigte Diplomingenieur Dietrich Ruoff aus Erkenbrechtsweiler, der für die Gemeinde eine Immissionsprognose erstellt hatte: „In Dettingen liegen wir 99 Prozent unter dem Grenzwert.“ Dennoch gehe die geplante Standortverlegung mit einer Erhöhung der Immissionen im Umfeld einher, räumte er ein. Das hänge auch damit zusammen, dass die Telekom auf eine neue Systemtechnik umstellen möchte. So soll die bisherige UMTS-Anlage durch das moderne Mobilfunksystem LTE erweitert werden, das eine Beschleunigung der Datenübertragung mit sich bringt.

Die Immissionserhöhung würde in Richtung der ersten Wohngebäude abnehmen, fügte der Experte hinzu. Dort sei die Strahlenbelastung dann aber trotzdem immer noch höher als bisher. Dietrich Ruoff nannte unterschiedliche Möglichkeiten, wie die Immissionen minimiert werden können: Eine Variante wäre beispielsweise, dass die Telekom den Mast der Deutschen Bahn im Gewerbegebiet mitnutzt. Das ist allerdings aus statischen Gründen nicht möglich, erklärte Rainer Haußmann im Gespräch mit dem Teckboten. Man könne aber auch versuchen, einen geringeren Neigungswinkel der Antenne zu erreichen, sagte Dietrich Ruoff. Und genau hier möchte die Gemeinde nun ansetzen und das Gespräch mit der Telekom suchen.

„Der Standort im Gewerbegebiet war schon beim ersten Mal nicht unser Favorit – und jetzt ist er es auch nicht“, sagte der Bürgermeister abschließend. „Wir nehmen das Vorhaben zur Kenntnis und führen nochmals Gespräche, um die Strahlrichtung zu optimieren. Mehr können wir nicht tun.“

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