Lokales

Lernbegleiter helfen jungen Menschen

Europäischer Sozialfonds stützt das Programm

Acht Monate lang wackelte das Projekt „Individuelle Lernbegleitung“. Jetzt kann es im Kreis Esslingen mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds fortgesetzt werden. 51 Ehrenamtliche stehen bereit, um Jugendliche ab der 7. Klasse auf dem Weg in den Beruf zu begleiten. Die Schüler kommen oft aus bildungsfernen Familien und erhalten schon dadurch einen Motivationsschub, dass sich ein Erwachsener für sie Zeit nimmt.

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Roland Kurz

Kreis Esslingen. Vier Jahre lang hat Helmut Struwe einen Schüler begleitet – bis dieser eine Lehrstelle als Mechaniker hatte. Als der Pensionär aus Berkheim nach fast vier Jahrzehnten bei Daimler erstmals wieder in eine Hauptschule schaute, war er „total entsetzt“. Die Hälfte der Klasse hatte der Lehrer abgeschrieben, diese Schüler säßen nur ihre Zeit ab. Struwe hat dann zeitweise vier Jugendliche betreut. Das Lernen stehe dabei, anders als bei Nachhilfe, nicht im Vordergrund, sagt er. Die Frage sei, warum ein Schüler nicht mitkommt.

Um die Jugendlichen noch auf Kurs zu bringen, sei es wichtig, schon in der 7. Klasse das Hilfsangebot zu machen. Wenn dann ein Hauptschüler am Ende direkt eine Lehrstelle finde, sei es für ihn das größte Glück. Dankbarkeit dürfe man als Mentor aber nicht automatisch erwarten.

Sein Ehrenamt macht den Pensionär dennoch zufrieden. Er entschuldigt sich gar, dass er sich aus egoistischen Motiven engagiere, um sich geistig fit zu halten. Vollkommen in Ordnung, beruhigt ihn Maria Stroppel, eine der hauptamtlichen Betreuerinnen der Begleiter. Sie arbeitet bei der Bruderhausdiakonie Nürtingen, eine der drei Organisationen, die das Projekt fortsetzen. Der Kreisjugendring Esslingen und das BBQ Esslingen (Berufliche Bildung gGmbH) sind die anderen Träger. 2006 war das Projekt vom Amt für Schule und Bildung initiiert worden. Zeitweise seien 132 Ehrenamtliche engagiert gewesen, erzählt Edmund Feth, Leiter der Sozialen Dienste im Landratsamt. Mehr als 200 Schüler von 26 Schulen seien begleitet worden. Die 1:1-Beziehung habe vielen benachteiligten jungen Menschen geholfen, sagt Feth, häufig würden diese Erwachsenen zum Vorbild. Die Jugendlichen, so ergänzt Stroppel, seien schon beeindruckt, weil sich ein Erwachsener Zeit für sich nehme – und sogar ohne Entgelt.

Ähnlich sieht es Uwe Maurer vom Staatlichen Schulamt. Dass jemand eine persönliche Beziehung anbiete, hält er für einen der Erfolgsfaktoren. Wichtig sei zudem, dass an der Leistungsfähigkeit und an den Kompetenzen der Schüler angesetzt werde. Die Leistungsanforderung sei wichtig, nur mit Sekundärtugenden komme man nicht weit.

In der unsicheren Übergangszeit ist die Beteiligung etwas abgebröckelt, derzeit werden nur noch 25 Schüler betreut. Im Herbst werde man wieder aufstocken, kündigt Sigrid Schöttle an, die für die Koordination unter den drei Trägern zuständig ist. Anfragen von Schulen lägen einige vor. Das Angebot gilt für alle Schularten, Eltern können bei Interesse auch direkt anfragen.