Lokales

Mekka der fliegenden Kisten

Rund 350 Flugzeuge beim 17. Oldtimer-Fliegertreffen auf der Hahnweide – Fünf „Tante Ju“

Es ist eines der größten Oldtimer-Fliegertreffen in Europa und auf dem Kontinent die größte Ansammlung verschiedenster Flugzeugtypen aus 85 Jahren Flugzeugbau an einem Wochenende: Unter den rund 350 geflügelten Teilnehmern des 17. Oldtimer-Fliegertreffens auf der Hahnweide vom 6. bis 8. September werden auch diesmal wieder viele „Stars“ am Himmel über der Teck erscheinen.

Auch nach mehr als einem halben Jahrhundert haben die „tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ nichts von ihrer Faszinatio
Auch nach mehr als einem halben Jahrhundert haben die „tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ nichts von ihrer Faszination eingebüßt.Foto: Jörg Bächle

Kirchheim. Sie heißen Blériot, Fokker, Bücker, Focke Wulf, Junkers, Messerschmitt, Stampe, Boeing und Antonov. Ihre Flügel, meist im Doppelpack, sind drahtverspannt, ihr Rumpf stoffbespannt, mit Wellblech beplankt oder Holz verleimt. Die Mehrzahl der insgesamt 350 Flugzeuge, die aus ganz Europa am ersten Septemberwochenende die Kirchheimer Hahnweide ansteuern, sind liebevoll restaurierte und gepflegte, wertvolle „fliegende Kisten“ aus den 20ern, 30ern und 40ern. Der Rest sind moderne Flugzeuge von Besuchern des Treffens.

„Die Doppeldecker und Reiseflugzeuge jener Zeit bilden die größte Gruppe der Oldies, die kommen“, sagt Rainer Rauch, seines Zeichens Pressesprecher der Fliegergruppe Wolf Hirth, die das Treffen auf dem Sonderlandeplatz der Teckstadt alle zwei Jahre organisiert. Den rund 150 aktiven Wolf-Hirth-Fliegern zur Seite stehen die sechs anderen Flugvereine auf der Hahnweide.

Zu den Vertretern der Sparte „alte Kisten aus den Anfängen der Fliegerei“ gehört ein gern gesehener Stammgast auf dem Kirchheimer Fluggelände – der Schwede Mikael Carlson, 53. Er bringt diesmal nicht nur seine Blériot XI aus dem Jahr 1918 mit, sondern auch eine Fokker D.VII, die als eines der besten Jagdflugzeuge des Ersten Weltkriegs gilt und einst von Flieger-Ass Ernst Udet getestet wurde. Diesen Doppeldecker, den Carlson auf der Hahnweide vorfliegen wird, baute er 2011 aus Originalteilen zusammen. Konnte er keine Originalteile auftreiben, so fertigte er sie zumindest auf Originalmaschinen jener Zeit an.

Wenn von einer Fokker die Rede ist, so soll nicht unerwähnt bleiben, dass aus dem Fliegenden Museum Großenhain in Sachsen ein ebenso bekannter Vorgänger der D.VII am Platze sein wird: ein Nachbau der Fokker DR.I, jenes roten Dreideckers, mit dem Freiherr Manfred von Richthofen als der „rote Baron“ berühmt wurde.

Die „Flying Bulls“ von „Red Bull“ aus Salzburg kündigten sich mit einer P 38 „Lightning“ an, jenem gefürchteten „Gabelschwanzteufel“, mit dem der französische Autor Antoine Saint-Exupéry („Der kleine Prinz“) seinen letzten Aufklärungsflug gegen die deutsche Wehrmacht in Südfrankreich flog. Außerdem wollen die „roten Bullen“ mit weiteren Oldies Kirchheim anfliegen, darunter der legendäre amerikanische Jagdbomber aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Koreakrieg, die „Corsair“ mit den charakteristischen Knickflügeln. Sie wurde ab 1942 eingesetzt und besitzt einen 1 824 PS starken Sternmotor, der sie auf über 700 Stundenkilometer beschleunigt.

Damit gehört die „Corsair“ zur Fraktion der letzten kolbengetriebenen Warbirds, die wie drei P 51 „Mustangs“, zwei Supermarine „Spitfires“, die Hawker „Hurricane“, die Hawker „Seafury“ und eine Anzahl russischer „Yaks“ ebenfalls auf der Hahnweide vertreten sein werden. Danach kam der Aufbruch ins Jetzt-Zeitalter, wobei auch Vertreter des Düsenflugs beim Oldtimer-Fliegertreffen voraussichtlich nicht fehlen werden. Veranstaltungsleiter Hans Puskeiler ist mit Hugues Duval von der „Patrouille Tranchant“ im Gespräch. Vermutlich kommen zwei Jets vom Typ „Fouga Magister“. Dieser zweistrahlige Düsentrainer wurde bereits ab 1964 von der berühmten „Patrouille de France“ geflogen. Die beiden „Patrouille Tranchant“-Flugzeuge werden, wenn sie denn mit von der Partie sind, ihre Flugschau überm Hahnweidgelände vom Stuttgarter Flughafen aus starten.

Ebenfalls nicht auf der Hahnwei­de landen kann Jacques Rambachs ­„Noratlas“ aus Marseille. Geplant ist, dass das zweimotorige französisch-deutsche Transportflugzeug aus dem Jahr 1949 mit dem typischen Doppelleitwerk östlich des Platzes nach dem Motto „Sprung aus den Wolken“ über 20 Fallschirmspringer absetzt.

Zwar sind die PS-starken Oldtimer hörbar in der Überzahl. Doch ebenso wie bei den vergangenen Treffen werden die Freunde historischer Segelflugzeuge auf ihre Kosten kommen, etwa durch einen der ersten Schulgleiter, der SG 38, der Minimoa, der Olympia Meise, der Weihe, der englischen Slingsby und dem Habicht, mit dem Christoph Zahn vollendeten Segelkunstflug vorführen wird.

Den traditionellen Auftakt bildet am Freitagnachmittag der „Besuch der Tanten“. Die vier Junkers Ju 52 der Ju-Air aus Zürich-Dübendorf werden gemeinsam mit der Ju 52 der Lufthansa in einer Fünfer-Formation die Hahnweide anfliegen und landen. Gemeinsam mit einer Antonov AN 2, dem größten Doppeldecker der Welt, dem französischen Verbindungsflugzeug Broussard und einer englischen DeHavilland „Dragon Rapide“ werden drei der Schweizer „Wellblechbomber“ Rundflüge anbieten.

Wer die Veteranen der Lüfte aus der Nähe betrachten oder fotografieren will, kann dies am Samstag, 7., und Sonntag, 8. September, jeweils bis 9 Uhr bewerkstelligen. An beiden Tagen jeweils ab 10 Uhr beginnen in lockerer Folge die Flugvorführungen. „Es gibt kein festgelegtes Programm“, sagt Rainer Rauch. Dazu verrät er nur so viel: „Es könnte noch die eine oder andere Überraschung geben.“ Offensichtlich hat Veranstaltungsleiter Hans Puskeiler noch einige Trümpfe im Ärmel. Kommt etwa die Messerschmitt Me 109 oder kommt sie nicht?

Eins ist gewiss – die eine Frau und ihre vier Kollegen von der Deutschen Flugsicherung auf dem Kontrollturm der Hahnweide werden gut zu tun haben. Sicherheit in der Luft und am Boden hat Priorität. Dafür sorgen nicht nur die Controller. Im Laufe der letzten 16 Veranstaltungen bildete sich aus den Verantwortlichen der Fliegergruppe, dem Regierungspräsidium, der Stadt, der Polizei und dem DRK laut Rainer Rauch eine „super Arbeitsgemeinschaft“.

„Die Sicherheitsanforderungen haben uns in den letzten beiden Jahren sehr beschäftigt“, berichtet der Wolf-Hirth-Pressesprecher. Nicht zuletzt deshalb, weil die ehrenamtlichen Organisatoren eine Tendenz beobachten, die sie an ihre Grenzen bringt. Sorgen bereiten ihnen vor allem nicht kooperationsbereite Zuschauer und uneinsichtige Autofahrer. „Es gibt Zeitgenossen, die nicht bezahlen wollen und die Zäune aufschneiden, um aufs Fluggelände zu kommen“, sagt Rauch. Deshalb musste der Veranstalter einen Sicherheitsdienst beauftragen, neuralgische Punkte und den Parkraum zu überwachen. „Das verursacht zusätzliche Kosten, die nicht sein müssten“, so der Pressesprecher.

Fotos der „Stars“ des 17. Oldtimer-Fliegertreffens sind in der Bildergalerie unter www.teckbote.de zu finden.

Hahnweide , Oldtimer , Fliegertreffen 2005, Ju 52 im Anflug5 auf einen Streich, Zuschauer
Hahnweide , Oldtimer , Fliegertreffen 2005, Ju 52 im Anflug5 auf einen Streich, Zuschauer
Oldtimer Fliegertreffen Hahnweide 2011Burg Teck
Oldtimer Fliegertreffen Hahnweide 2011Burg Teck
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