Lokales

Menschenrecht auf Nahrung

Podiumsdiskussion zur Frage „Wer ernährt die Welt?“

„Wer ernährt die Welt?“ hieß das Thema einer Podiumsdiskussion im Kirchheimer Vogthaus. Rund 60 Gäste besuchten die interessante Veranstaltung der Familien-Bildungsstätte Kirchheim in Kooperation mit dem Eine-Welt-Verein und der Initiative Fairtrade Town.

Kirchheim. Moderator Hans-Werner Schwarz begrüßte drei kompetente Experten auf dem Podium: Carolin Callenius von Brot für die Welt, Dr. Clemens Dirscherl vom Evangelischen Bauernwerk und Siegfried Nägele als Vertreter des Kreisbauernverbands. Krankheitsbedingt musste Andreas Gruel von Bioland absagen.

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Aber auch bei der verbliebenen Besetzung entwickelte sich ein spannender und teilweise hitziger Abend, in der aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Thema Welternährung diskutiert wurde. Folgende Fragen suchten dabei eine Antwort: „Wer ernährt zukünftig die Menschen, die in den südlichen Entwicklungsländern unterernährt sind und hungern? Und welche Bedeutung hat dabei das Menschenrecht auf Nahrung? Wer ernährt zukünftig die Menschen in den Industrienationen so, dass sie selbst keinen Schaden nehmen und andere Menschen und der Natur nicht schaden?“

Eine pauschale Antwort oder ein Idealrezept gibt es auf diese Fragen nicht. Zu komplex sind diese Probleme, die in naher Zukunft sicher noch mehr an Brisanz gewinnen.

In seinen einleitenden Worten vermittelte Hans-Werner Schwarz den Podiumsgästen die Entwicklung der Weltbevölkerung. Vor kurzem erblickte der siebenmilliardste Erdenbewohner das Licht der Welt. 1960 waren es noch lediglich drei Milliarden Menschen. Demgegenüber stellte er die Zahl der unterernährten und hungernden Zeitgenossen, derzeit etwa eine Milliarde Menschen. „Wie verkraftet die Landwirtschaft diese Bevölkerungsentwicklung und welche Maßnahmen werden gegen den Hunger ergriffen?“, war die Hauptfragestellung von Schwarz an die Experten.

Die Agrarwissenschaftlerin Carolin Callenius bemängelte vor allem, dass die Bauern in den Entwicklungsländern immer weniger Nutzflächen haben. Für sie sind drei Ansätze elementar: Intensivierung der Produktion, Natürliche Ressourcen behalten und eine soziale Grundsicherung der Landwirte.

Der Sozialökologe Dr. Clemens Dirscherl bemängelte die Entwicklungspolitik der westlichen Staaten, aber auch die vielen Unruhen und Bürgerkriege in den Entwicklungsländern. Er empfahl, Nachhaltigkeit ernst zu nehmen und nicht nur kurzfristig zu denken.

Siegfried Nägele, selbst aktiver Bauer, forderte, dass Nahrungsmittel mehr wert sein müssen. Insbesondere Fleisch sei heute viel zu billig und lande fast täglich auf dem Teller.

Nicht nur das Konsumverhalten der Verbraucher, auch die Produktionsproblematik, verursacht durch die Politik und Wirtschaft, beeinflusst den Welthandel massiv. Es gibt einfach keine „gerechten Preise“ auf dem Markt und die vielen Subventionen in die Landwirtschaft machen die Problematik auch nicht einfacher. „Der Reiche frisst das Brot der Armen“, lautete ein Zuruf aus dem Publikum. Es gibt beispielsweise immer mehr Importe von Billigprodukten wie Soja und Zuckerrohr aus Brasilien. Aus Deutschland wird dagegen nur der Rest eines Hühnchens exportiert. Denn die Hühnerbrust ist doch des Deutschen Filetstück und wird allzu gerne selber verzehrt.

„Land muss in bäuerlicher Hand bleiben, sonst wird es zum Finanzobjekt für die Banken“, waren sich alle drei Agrar-Fachleute einig. Mehr Bevölkerung, bedeutet weniger Landflächen. Deswegen ist es wichtig, dass sich Bauern organisieren, wie es mittlerweile immer mehr praktiziert wird. „Wir gemeinsam, die Bauern in Nord und Süd auf der Welt, können das Menschenrecht auf Nahrung gewährleisten“, war das einstimmige Resümee des Abends.