Lokales

Mit dem Feuerstein ein Tier zerlegen

Beim Museumsfest am Kirchheimer Kornhaus lassen Kinder sich bis in die Steinzeit locken

Unter dem Titel „Altes Handwerk“ können Kinder beim Museumsfest am Kornhaus weben, Ledertäschchen basteln, schnitzen, beim Schmieden zuschauen und viel über die Vergangenheit lernen.

Kirchheim. Der Mann in Lederhemd und -hose sitzt auf einem Tierschädel, ist umgeben von Fellen, Lederstücken, Muscheln, Faustkeilen, Knochen. Doch zu gruseln braucht sich hier niemand, denn der Mann ist Rudi Walter, seines Zeichens Archäologe. Er will beim Museumsfest am Kornhaus für alte Zeiten begeistern, genauer für die Steinzeit.

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Das Museumsfest für Kinder ist schon traditioneller Bestandteil des Goldenen Oktobers, befindet Bernd Neugebauer vom Arbeitskreis Museumspädagogik, der das Fest auf die Beine gestellt hat. „Das kommt gut an bei den Kindern“, so Neugebauer. „Im vorigen Jahr waren hier 1 700 Leute. Ich bin sicher, auf so viele Besucher kommen wir auch heute wieder.“

Während Neugebauer an seinem Info-Stand im Foyer des Kornhauses Besucher berät, hantieren an einem langen Tisch hinter ihm Jungs und Mädchen mit Leder, Nadel und Faden. Die Leder Manufaktur hat das Material zur Verfügung gestellt. Da wird Leder zugeschnitten, Löcher müssen ins Leder gestanzt werden, dann heißt es, die Teile zusammennähen, ein Lederband abmessen, einfädeln und fertig ist der Brustbeutel. Nebenan versuchen sich nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene am Herstellen von Bastbändern. Anna Reichert erklärt, wie die einzelnen Bastfäden umeinander geschlungen werden müssen, damit ein stabiles Band entsteht. Experimentalarchäologin nennt Reichert sich. Sie ist begeistert von der Steinzeit, denn: „Mich fasziniert die Intelligenz unserer Vorfahren. Schon die Neandertaler kannten Birkenpech. Das war der Klebstoff der Steinzeit. Besser als Uhu.“ Reichert hat Ötzi-Fundstücke nachgebaut: Sandalen, Körbe, eine Messerschneide, eine Matte gegen die Kälte – alles aus Bast. „Lindenbast“ betont Reichert. „Nicht wie das Palmenzeug, das man heutzutage im Bastelladen bekommt.“ Vor den Türen des Museums erklingt lautes Doing, Doing, Doing. Der Kunstschmied Edmund Graeber hat seine Esse zum Glühen gebracht und schlägt nun auf ein heißes Eisen ein. Staunend stehen Kinder und Erwachsene drum herum, bewundern die Kunstfertigkeit des Schmiedes. Neben ihm geht Rudi Walter in die nächste Runde seiner Steinzeiterklärungen. Warum heißt die Steinzeit eigentlich Steinzeit? Weil die Menschen fast nur Stein als Werkzeug benutzt haben. Und zwar Feuerstein. Wie geeignet der für Messer und kleine Sägen ist, führt Walter vor: „Hier habe ich so einen Feuerstein, schlage mit einem anderen Stein dagegen und schon splittert eine Scheibe ab, die schön scharf ist.“

Walter nimmt ein Stück Leder zur Hand, führt vor, wie gut sich das mit dem scharfen Feuerstein durchtrennen lässt. „Um ein Tier zu zerlegen, reicht das.“ Hinter dem Kornhaus widmen sich in der Sonne nun immer mehr Kinder historischen Spielen. Walnüsse waren ein beliebtes Spielzeug in der Römerzeit. An einen Faden gebunden kann man mit so einer Pendelnuss eine andere Walnuss über einen Strich kicken. Eine Station weiter wartet das Deltaspiel: Ein Dreieck mit neun Zahlenfeldern ist auf den Hof gemalt, wer mit seinen drei bunten Nüssen die höheren Felder trifft, gewinnt. Am mittelalterlichen Wurfgalgen geht es darum, hängende Holzkreuze, -kugeln, -sterne mit einem Lappenball zu treffen. Konzentriert sind die Kinder bei der Sache, tragen ihre Punkte in ihr Spielblatt ein. Am Ende des Parcours kommt der Zettel in eine Box, dann kann man nur noch aufs Glück setzen und hoffen, dass man den ersten Preis gewinnt: eine Kindergeburtstagsfeier im Museum.