Lokales

Mit Hightech gegen Holzdiebstahl

Forstverwaltung will Minisender in Baumstämme einsetzen – Im Kreis sind Langfinger kein großes Problem

Die baden-württembergische Forstverwaltung macht ab September mit sogenannten GPS-Trackern Jagd auf Holzdiebe. Armin Tomm, stellvertretender Kreisforstamtsleiter und verantwortlich für die Wertholzvermarktung, und Jens Denzinger, Förster bei der Stadt Esslingen, sind überzeugt davon, dass allein die Ankündigung potenzielle Diebe abschrecken wird.

Stadtförster Jens Denzinger an einem Holzpolder im Distrikt Balkishau auf dem Schurwald. Bald kann es sein, dass zum Schutz vor
Stadtförster Jens Denzinger an einem Holzpolder im Distrikt Balkishau auf dem Schurwald. Bald kann es sein, dass zum Schutz vor Holzdieben in Baumstämmen kleine GPS-Peilsender versteckt sind.Foto: Rudel

Kreis Esslingen. Fast 40 Prozent der Fläche Baden-Württembergs sind bewaldet. Jetzt hat die Forstverwaltung Alarm geschlagen: Jährlich richten dreiste Holzdiebe allein im Staatswald einen Schaden von rund 100 000 Euro an. In einer Testphase will ForstBW nun ab September die etwa 400 Euro teuren Minipeilsender in Baumstämme einsetzen, um auf die Spur der Täter zu kommen.

Wie viele es sein werden, ist nicht zu erfahren. Bisher ist es schwer, einen Holzdieb zu fassen, wenn es keine Tatzeugen gibt. Unter den Tätern sind nach Einschätzung der Forsterwaltung auch Fuhrunternehmen, die das Holz transportieren: „Wer beim Holzklau erwischt wird, mit dem macht ForstBW keine Geschäfte mehr. Ein Fuhrunternehmen setzt damit seine Existenzgrundlage aufs Spiel“, warnte der für die Holzvermarktung zuständige Referent Sebastian Schüller.

Das Kreisforstamt Esslingen mit Sitz in Kirchheim bewirtschaftet knapp 19 500 Hektar Wald, davon gehören 6 500 Hektar dem Land. Daneben ist es Dienstleister für Städte und Gemeinden mit rund 10 500 Hektar. Auch für Privatwaldbesitzer ist das Forstamt Ansprechpartner in allen Fragen des Waldes. Jährlich werden rund 100 000 Festmeter Holz aus allen Waldbesitzarten vermarktet. „Abnehmer sind Sägewerke oder Holzhändler. Das Brennholz geht an Privatleute, das läuft über die Revierleiter“, sagt Armin Tomm, der stellvertretende Kreisforstamtsleiter. Wie oft es zu Holzdiebstählen kommt und wie viel ganz exakt gestohlen wird, lässt sich kaum errechnen: „Wir führen keine Statistik“, sagt Tomm. Im Landkreis sei der Holzdiebstahl kein gravierendes Problem: „Im vergangenen Jahr sind 18 Festmeter Buchenholz gestohlen worden, in diesem Jahr ist mir kein Fall bei Stammholz bekannt.“ Allerdings sei in den vergangenen vier Wochen, soweit er wisse, zweimal Brennholz gestohlen worden. Meist sind dessen Käufer die Leidtragenden: „Sobald es verkauft ist, ist der Diebstahl Sache des neuen Eigentümers. Nur wenn dieser uns den Schwund mitteilt, bekommen wir überhaupt etwas mit.“

Ein- bis zweimal jährlich komme es vor, dass Käufer von einem Diebstahl berichten, sagt Förster Jens Denzinger, stellvertretender Revierleiter des Esslinger Stadtwalds. Die Stadt bewirtschaftet ihren 1 700 Hektar großen Stadtwald selbst. Der Schwund scheint also zu verkraften zu sein, doch für den Einzelnen, der ein Flächenlos oder Brennholz gekauft hat, ist die Sache mehr als ärgerlich. Neben dem finanziellen Verlust steht die investierte Arbeit. „Wir raten, gegen Holzdiebstahl privatrechtlich vorzugehen. Und natürlich dazu, gespaltenes und klein gesägtes Holz nicht am Wald- und Wegesrand tagelang liegen zu lassen, sondern es unverzüglich heimzunehmen“, sagt Denzinger. Doch weil das Brennmaterial für eine umweltschonende Verbrennung nach dem Schlagen etwa zwei Jahre geschützt trocknen sollte, lasse der eine oder andere Käufer das Brennholz – rund 4 000 Festmeter verkauft die Stadt jährlich davon – länger liegen. Zwar sei seines Wissens noch kein Dieb erwischt worden, doch sollten sich Langfinger nicht allzu sicher fühlen: „Sollte es verstärkt Diebstahlsmeldungen geben, würden wir im Stadtwald verstärkt kontrollieren, und auch das Ordnungsamt hätte ein wachsames Auge drauf, was sich tut.“

Den geplanten landesweiten Einsatz von GPS-Sendern in Baumstämmen halten sowohl Tomm als auch Denzinger für sinnvoll, „vor allem jedoch bei wertvollen Hölzern“, betont der Mitarbeiter des Kreisforstamts. „Unsere Holzpolder haben üblicherweise eine Größe von rund zehn Festmetern. Alle mit einem Minisender zu bestücken, würde die Kapazitäten sprengen. Doch das Wissen, genau in dem Holzstoß, den er ins Auge gefasst hat, könnte ein solches Ding stecken, schreckt wohl allein schon einen potenziellen Dieb ab“, vermutet und hofft Denzinger.

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