Lokales

Mit nackten Füßen über die Erde

Beim Kinderferienprogramm des Kirchheimer Mehrgenerationenhauses Linde entdecken Kinder spielerisch die Elemente

Erst barfuß erkundet, dann fleißig gesammelt: Das Tagesmotto des Kinderferienprogramms der Kirchheimer Linde lautet „Erde“. Dazu
Erst barfuß erkundet, dann fleißig gesammelt: Das Tagesmotto des Kinderferienprogramms der Kirchheimer Linde lautet „Erde“. Dazu findet sich allerhand im Garten des Hauses.Fotos: Markus Brändli

Kirchheim. „Das ist so kalt!“, tönt es durch den Garten der Kirchheimer Linde. Etwa fünfzehn Grundschulkinder laufen barfuß über die Erde, hüpfen auf dem Rasen, probieren

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mal, wie sie sich eigentlich anfühlt – die Erde. Nicht alle Kinder trauen sich auf den kühlen Rasen, aber diejenigen, die es wagen, haben sichtlich Spaß dabei. Auch die Betreuer machen mit. „Wenn man barfuß über die Erde läuft, merkt man richtig, wie der Kreislauf viel schneller in Schwung kommt!“, sagt Mitbetreuerin Patricia Netti begeistert. Ein paar Minuten später findet das Tohuwabohu sein Ende und die Kinder versammeln sich im Halbkreis – neugierig auf das, was folgt. „Erde“ lautet an diesem Tag das Thema.

Das Kinderferienprogramm der Linde steht unter dem Motto der Elemente: Luft, Wasser, Erde, Feuer und – nach chinesischem Vorbild – auch Holz bilden das Programm der fünf Tage. Die Betreuerin Daniela Egner erklärt dem jungen Publikum den weiteren Ablauf: die Kids sollen Erde, Sand und auch Kohle in kleinen Tüten sammeln. Daraus werden sie dann später in ihrer Experimentierwerkstatt Farbe herstellen und damit malen und sich kreativ ausprobieren können.

In dem Programm sollen weder künstlerische noch technische Elemente zu kurz kommen. Und natürlich auch nicht die Begegnungen mit der Natur. „Es ist wichtig draußen zu sein, wenn man vom Wetter so beschenkt wird.“, findet sie. Nicht nur in der Werkstatt, sondern auch im Garten finden sich allerlei kleine Kunstwerke der letzten Tage: Ein „Himmel und Hölle“-Spiel aus Zweigen, Blättern und Kastanien haben einige Kinder auf dem Boden gebaut und andere haben ihre Bilder aus allerhand Gartenmaterial ausgestellt. Künstlerin Patricia Netti hatte die Idee dazu.

Patricia Netti arbeitet mit dem „Inclusion Life Art Network“ (ILAN) zusammen, das sich als Plattform für Künstler mit und ohne Behinderung sieht. Sie zeichnet und malt leidenschaftlich gern. Und sie hat selbst ein Handicap: Trisomie 21. Anfangs zog sie deswegen neugierige Blicke der Kinder auf sich, erzählt Daniela Egner, doch das sei schnell vorbei gewesen. Mittlerweile würden diese ganz gezielt Patricias Nähe suchen. „Es ist interessant, zu sehen, dass der Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Behinderung erst viel später, von Erwachsenen, gemacht wird“, sagt sie. Die Idee, für das Kinderferienprogramm auch mehrere Betreuerinnen mit Behinderung zu engagieren, ist zwar neu, funktioniere aber hervorragend. Entstanden ist sie auf den Inklusionstagen des Kreisjugendrings Esslingen, bei denen Daniela Egner und Patricia Netti in Kontakt kamen. Neben der Frau mit Down Syndrom unterstützen noch zwei weitere Betreuerinnen mit Handicap das Programm in der Linde tatkräftig.

Die Arbeit der Kinder ist währenddessen in vollem Gange: unermüdlich holen sie sich eine Tüte nach der anderen, die sie mit Erde, Sand, Moos und Kohle füllen können. Immer wieder kommen Mädchen und Jungs und stellen Daniela Egner neugierige Fragen. „Die Jungs brauchen meistens erst ein bisschen, um warm zu werden und zu merken, wie viel Spaß es macht, Dinge selbst zu gestalten. Aber dann sind sie auch voll dabei“, bemerkt sie.

Heute findet das abschließende Elternfest im Mehrgenerationenhaus Linde statt. Stolz können die Schüler ihren Eltern noch einmal ihre gesammelten Werke präsentieren, bevor der Schulalltag am Montagmorgen wieder beginnt.

Kinderferienprogramm in der Linde
Kinderferienprogramm in der Linde