Lokales

Mit trüben Funzeln in den Keller

Schlossverwaltung Bebenhausen wartet mit neuen Erlebnisführungen im Kirchheimer Schloss auf

Besondere Zeitreisen lassen sich neuerdings im Kirchheimer Schloss erleben: Durch die Fürstenzimmer führt eine Hofdame Franziskas von Hohenheim. Bei einem abendlichen Laternenrundgang durch die Kasematten dagegen lässt sich nachvollziehen, wie düster ein Kellergemäuer einmal war – lange vor der Elektrifizierung.

Sonderführungen im Kirchheimer Schloss
Sonderführungen im Kirchheimer Schloss

Kirchheim. „Martha Elise von Kronenburg“ – das ist die Hofdame Franziskas, in die sich Sandra Ontyd verwandelt, bevor sie ihre Sonderführung unter dem Titel „Viel mehr als ihr Witwensitz: Franziska von Hohenheim und Schloss Kirchheim“ beginnt. Ihre Gäste nimmt Sandra Ontyd nicht nur mit ins Schloss, sondern auch mit in das Jahr 1809. Und sie erklärt ihnen gleich am Anfang, dass sie eigentlich gar keinen Zutritt zum Schloss haben – zumindest aus der Perspektive der Martha Elise von Kronenburg. Da könnte ja jeder kommen und wollen. Schließlich handelt es sich beim Kirchheimer Schloss im Jahr 1809 um den Wohnsitz Franziskas von Hohenheim, Witwe des verblichenen Herzogs Carl Eugen von Württemberg. Gewöhnliche Bürgerliche haben da normalerweise keinen Zutritt.

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Und wenn Franziska von Hohenheim einmal Kirchheimer Bürger ins Schloss einlädt, um wenigstens ein bisschen Gesellschaft von außen zu haben, dann fühlen sich die bürgerlichen Damen in der Welt des Schlosses eher unwohl. Noch weniger freilich besagt es den Herren der Kirchheimer Gesellschaft, aus den kleinen Porzellantässchen zu trinken. Das erzählt die „Hofdame“ ihren Gästen, die sie in Abwesenheit der Hausherrin – und über 200 Jahre nach deren Tod – durchs Schloss führt.

Abwechslung war durchaus erwünscht, berichtet Sandra Ontyd weiter: Nach dem Tod Carl Eugens 1793 sah sich seine Witwe plötzlich ausgeschlossen aus der höfischen Welt  Württembergs. Weder die beiden Brüder Carl Eugens, die ihm als Herzog nachfolgten, noch sein Neffe Friedrich, der es 1806 immerhin vom Herzog über den Zwischenschritt als Kurfürst zum ersten König von Württemberg gebracht hatte, wollten die Frau aus einfachstem Adel weiter am Hof dulden. Und so saß sie denn in Kirchheim, wo es vergleichsweise „provinziell, einfach, ruhig“ zuging.

Als einmal ein Offizierskorps in Kirchheim Station macht und es nicht für nötig hält, der Herzogswitwe die Honneurs zu machen, lässt Franziska nicht locker. Die Chance auf eine respektable Abendgesellschaft muss sie einfach nutzen. Jede Abwechslung ist willkommen, plaudert die Hofdame aus dem Nähkästchen.

Sie selbst hat das Glück, dass ihr Leben als Hofdame in Kirchheim nicht so kostspielig ausfällt wie in einer Residenzstadt, also in Stuttgart oder in Ludwigsburg. Andererseits hat sie das Pech, dass sie schon um die 40 ist und damit wohl viel zu alt, um noch heiraten zu können. Denn, so berichtet Sandra Ontyd: „Hofdame zu sein, das war ein Sprungbrett für diese Frauen aus dem niederen Adel, um einen Mann zu finden. Aber hier in Kirchheim war das aussichtslos.“ Also beschäftigt die Hofdame sich und ihre Herrin auch weiterhin mit Vorlesen oder Sticken. Im Sticken ist sie zwar nicht besonders gut, „aber Franziska ist da sehr nachsichtig“.

Nicht nachsichtig, aber dafür sehr vorsichtig müssen die Teilnehmer des Kasemattenspaziergangs sein. Beim Fototermin im Anschluss an das Pressegespräch zeigte sich zumindest, dass der Schein einer Öllaterne nicht sonderlich erhellend ist. Das aber macht den besonderen Reiz dieser Führung mit Petra Weigand aus.

Trotz der schwachen Beleuchtung fällt die Führung nicht ganz so gruselig aus wie die „Geistersuche“ vor einiger Zeit. Zwar waren dabei keine Geister gefunden worden. Aber Janna Almeida, die Leiterin der Schlossverwaltung Bebenhausen, die auch für die Führungen in Kirchheim zuständig ist, erinnert sich noch an die unheimliche Atmosphäre, als in den alten Mauern damals zehn Minuten lang Stille herrschte. Und selbst Petra Weigand, die sonst eher unerschrocken ist, berichtet davon, dass es ihr während der „Geistersuche“ kalt geworden ist. Letzteres dürfte aber vor allem an den Temperaturen in den Kasematten gelegen haben.

Aber unabhängig von Grusel, Dunkelheit oder der möglichen Angst vor Spinnen gibt es am Ende der Führung eine entspannende Belohnung: ein Glas Sekt im nächtlich beleuchteten Marstallgarten.

Sämtliche Sonderführungen im Kirchheimer Schloss sind von Mai bis Oktober einmal im Monat im Angebot. Die nächste Führung mit Franziskas „Hofdame“ beginnt am Freitag, 14. Juni, um 19 Uhr. Den nächsten Laternenrundgang durch die Kasematten gibt es am Freitag, 21. Juni, um 20 Uhr. Anmeldungen bei der Schlossverwaltung in Bebenhausen unter der Telefonnummer 0 70 71/ 6 02-8 02 sind unbedingt erforderlich. Unter dieser Telefonnummer lassen sich auch zusätzliche Gruppenführungen vereinbaren.

Sonderführungen im Kirchheimer Schloss
Sonderführungen im Kirchheimer Schloss