Lokales

Moderne trifft auf Historie

Neues Eingangsgebäude des Freilichtmuseums Beuren geht nächste Woche in Betrieb

Der neu gestaltete Eingangsbereich im Freilichtmuseum Beuren ist fertiggestellt. Die Besucher können ab kommender Woche das Museumsgelände über den Neubau betreten.

Vorstellung des neuen Eingangsgebäudes Freilichtmuseum Beuren
Vorstellung des neuen Eingangsgebäudes Freilichtmuseum Beuren

Beuren. Hell und freundlich erstrahlt das neue Eingangsgebäude, dass ab nächster Woche die Besucher des Freilichtmuseums in den Beurener Herbstwiesen empfängt.„Es ist der einzige Neubau im Museumsdorf“, betont Esslingens Landrat Heinz Eininger bei der Vorstellung des Gebäudes. „Wir wollten ein funktionales Gebäude haben, dass den gestiegenen Anforderungen des Museumsbetriebes genügt.“ Bei der Konzeption wurde bewusst darauf geachtet, dass es sich gut in das historische Umfeld einfügt.

Anzeige

So wurde für die Fassadenverkleidung und Innenausstattung etwa heimische Weißtanne verbaut, und im Eingangsbereich ist Muschelkalk verlegt. Durch die Glasfassade ist laut Eininger ein optisch sehr offenes, luftiges Gebäude entstanden, das den ankommenden Besuchern einen ersten Eindruck des Freilichtmuseums vermittelt. Insbesondere in Relation zum direkt benachbarten Haus Bühler aus Öschelbronn, einem sich im Aufbau befindlichen, stattlichen Hof aus dem Jahr 1799, wurde eine gelungene neue Eingangssituation geschaffen, die in das Museum passe und den Besuchern künftig die Orientierung erleichtern soll. Pünktlich zum 20-jährigen Bestehen des Freilichtmuseums im nächsten Jahr soll das Haus Bühler fertig werden.

„Der neue Empfangsbereich mit dem offenen Vorplatz bietet uns dann neue Möglichkeiten, um Feiern und Veranstaltungen zu realisieren“, erläutert der Landrat weiter. Dass der Museumseingang außerdem näher an die Parkplätze gerückt ist und bald auch ein barrierefreier Zugang ermöglicht wird, sind weitere Vorteile des Neubaus, die den Besuchern künftig zugute kommen.

Das seit 1995 als Eingangsgebäude genutzte Wohn- und Wirtschaftsgebäude Mannsperger aus Tamm hatte den Anforderungen an einen neuen Museumsbetrieb nicht mehr genügt. Die Doppelbelegung durch Kasse und Museumsgastronomie hat in der Vergangenheit oft zu Engpässen geführt. Nun haben beide Bereiche eine räumliche Trennung erfahren, und das Museumsrestaurant kann sich in den alten Kassenbereich ausdehnen.

Das nun neu entstandene Funktionsgebäude mit begrüntem Flachdach beherbergt nicht nur die Kasse und den neuen Museumseingang. Auch an Sanitäranlagen und Schließfächer für Besucher und Büro- und Lagerräume für das Museumspersonal wurde gedacht. Für größeren Andrang besteht die Möglichkeit, eine zweite Kasse zu eröffnen, und ein großes Panoramafenster gibt den Blick in das Innere des Museumsdorfes frei. In dem modernen Glasbau befindet sich außerdem ab sofort auch das Museumslädle, dass wie zu Großmutters Zeiten regionale Spezialitäten aus der Region, Spielzeug und allerlei nützlichen Hausrat aus Keramik, Holz und Emaille anbietet.

Gerhard Einsele, dessen Großeltern ursprünglich den Kolonialwarenladen Schach in der Werastraße in Nürtingen betrieben, der nun schon seit einigen Jahren als „Tante-Helene-Lädle“ im Freilichtmuseum weiterlebt, zeigte sich mit der von den Handwerkern geleisteten Arbeit zufrieden. Der mittlerweile von Mitgliedern des Fördervereins des Museums betreute Laden aus dem Jahr 1929 war zuvor in der Gärtringer Scheuer untergebracht – dort ist nun wieder Raum für größere Ausstellungen und Veranstaltungen frei geworden.

„Es kommt immer wieder mal vor, das Gäste am Freilichtmuseum Halt machen, nur um eine Kleinigkeit aus dem Lädle zu kaufen“, berichtet Museumsleiterin Steffi Cornelius. Leonore Weiß, Mitarbeiterin des Museumslädle des Fördervereins, erinnert sich etwa an einem Besucher aus dem französischen Lyon, der extra von München nach Beuren gefahren ist, um seiner Mutter ein Andenken an ihren Museumsbesuch zu kaufen.

Wolfgang Maier, Vorsitzender des Fördervereins des Freilichtmuseums in Beuren, freute sich daher besonders über die neuen Perspektiven des Museumslädles. „Es hat sein bisheriges Schattendasein in der Gärtringer Scheuer beendet und bildet nun einen besonders attraktiven Anziehungspunkt“, sagt Maier. „Darüber hinaus kann er durch seine neue, bessere Lage ab sofort auch ohne einen Museumsbesuch aufgesucht werden.“

Der Förderverein, der jüngst seinen 20. Geburtstag feiern konnte, war von Beginn an konstruktiv an der Umgestaltung beteiligt. Insgesamt verfügt er über mehr als 1 200 Mitglieder, die sich in vielfältiger Weise für das Freilichtmuseum einsetzen. Landrat Eininger zufolge fungiere der Förderverein dabei „nicht nur als Image-, sondern immer wieder auch als Finanzierungsträger, der bei vielen Maßnahmen noch das i-Tüpfelchen zu setzen vermag“, wie etwa die Pädagogikscheuer oder das Fotoatelier Hofmann zeigen, die beide auf das Engagement des Vereins zurückgehen. Auch an den Kosten für den Neubau und den Umzug des Museumslädles hat sich der Förderverein mit 75 000 Euro beteiligt. „Wir wollen die Summe aber noch um weitere 25 000 Euro aufstocken, um das Umfeld des Museumseingangs mit Bänken, Fahrradständern und Bäumen zu bereichern“, erklärt Wolfgang Maier. Insgesamt hat der Verein schon 400 000 Euro in Museumsprojekte investiert.

Die Kosten für den neuen Eingangsbereich belaufen sich einschließlich der Erschließung auf etwa 970 000 Euro. „Beinahe eine Punktlandung“, wie Landrat Eininger anmerkt. Insgesamt habe man die ursprünglich vorgesehenen Kosten um etwa 50 000 Euro überschritten – dies sei hauptsächlich den Bodenverhältnissen geschuldet, die sich als schwieriger als erwartet herausgestellt hatten. Das Ergebnis könne sich sehen lassen und bringe eine lange Phase des Planens und Realisierens zu einem glücklichen Abschluss. „Ich bin zuversichtlich, das wir pünktlich zum 20. Geburtstag, wenn Haus Bühler fertig ist, ein hübsch herausgeputztes Museum haben“, so Eininger.