Lokales

Motte frisst sich durch Kastanienstadt

Wieder Larvenalarm an Kirchheims Kastanienbäumen

In der Kastanienstadt Kirchheim ist ein Schädling unterwegs, der es in sich hat: Die gefräßigen Larven der Miniermotte nagen sich durch die Blätter vieler Rosskastanien. Die Blätter werden deshalb schon sehr viel früher als gewohnt herbstlich braun.

Die Rosskastanien am Alleenring, hier am Wachthaus, gehören zum Kirchheimer Stadtbild.Foto: Jean-Luc Jacques
Die Rosskastanien am Alleenring, hier am Wachthaus, gehören zum Kirchheimer Stadtbild.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Wer die Kastanienbäume Kirchheims in nächster Zeit genauer unter die Lupe nimmt, dem dürften die braunen Blätter auffallen. Das liegt jedoch nicht unbedingt an einem frühen Herbsteinbruch. Schuld dürfte die Cameraria ohridella sein. Hinter diesem Namen verbirgt sich die Rosskastanienminiermotte, die ihre Eier in Kastanienblätter legt. In den Blättern wachsen Larven, die sich vom Blattgewebe und den im Blatt enthaltenen Nährstoffen ernähern. Sie minieren, fressen also einen kreisrunden Gang, die Mine, innerhalb des Blattes. Danach verpuppen sie sich und schlüpfen als Falter wieder.

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Zurück bleiben geschädigte Blätter, die schnell braun werden und welken. Ein starker Befall kann dazu führen, dass ganze Bäume vorzeitig ihr Laub verlieren. Jahrelang befallene Bäume sind geschwächt und anfälliger für andere Schädlinge.

Die Stadt Kirchheim bekämpft die Plagegeister mit Lockstofffallen. Solche Fallen finden sich beispielsweise in den Bäumen gegenüber der Kirchheimer Stadtbücherei. Schon seit dem Jahr 2003 wird mit dieser Falle Jagd auf die Schädlinge gemacht.

Es hilft auch, das Laub im Herbst einzusammeln und zu vernichten. So wird verhindert, dass die Larven in den Blättern überwintern und im Frühjahr schlüpfen können. „Der Bestand schwankt, jedoch ist erkennbar, dass die Laubsammelmaßnahmen insgesamt zu einer Reduzierung des Befalls führen.“, erklärt Michael Magdanz vom Amt für Grünflächen und Tiefbau.

Eine Ausrottung der Tierchen ist dennoch nicht in Sicht. Seit sie sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Mazedonien nach Europa ausgebreitet haben, steigt die Anzahl der Minierer. Fachleute vermuten den Klimawandel als Ursache. Die Schädlinge haben kaum natürliche Feinde: Nur den Schlupfwespen und Meisen munden die Miniermottenlarven.

Aller Gefräßigkeit der Larven zum Trotz musste noch keiner der rund 260 Kastanienbäume Kirchheims wegen der Rosskastanienminiermotte gefällt werden. Um das auch in Zukunft zu vermeiden, bekämpfen die Stadtverantwortlichen die Schädlinge jedes Jahr aufs Neue. Schließlich prägen die schmucken Bäume mit ihren auffälligen, bezaubernden Blüten das Stadtbild. Hermann Hesse beschrieb Kirchheim nicht umsonst als Kastanienstadt. Außerdem sind die Pflanzen viel wert: Je nach Alter kostet ein Rosskastanienbaum mindestens 3 000 Euro. Die vielen bastelfreudigen Kinder freuen sich jedes Jahr aufs Neue über die handlichen braunen Kastanienfrüchte. So schön buntes, raschelndes Laub im Herbst auch sein mag – im Hochsommer gefällt das weder den Bäumen noch den Menschen.