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Nachgefragt bei Sozialarbeiter Martin Lempp, seit 1980 hauptamtlich beim Brückenhaus

Martin Lempp
Martin Lempp

Herr Lempp, bedauern Sie das Aus für das Brückenhaus?

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LEMPP: Für uns Langzeitmitarbeiter hat das eine nostalgische Bedeutung. Wir wussten immer, dass unsere Zeit im Brückenhaus befristet ist. Wir haben dort unser Lager und machen unsere Besprechungen, aber Jugendgruppen treffen sich dort nicht mehr.

Warum nicht?

LEMPP: Die Arbeit hat sich längst mehr in die einzelnen Stadtteile verlagert mit Schwerpunkten in Ötlingen und im Dettinger Weg sowie an die Schulen. Dort bieten wir Anlaufstellen für alle Jugendlichen und leisten damit ganzheitliche Arbeit für die gesamten Familien. Wichtiger denn je ist außerdem die Vernetzung mit anderen Einrichtungen.

Anfangs war das anders?

LEMPP: Ja. 1976 hat sich der Verein Brückenhaus gegründet vor dem Hintergrund einiger Prozesse gegen Kirchheimer Jugendliche. Die Idee bestand darin, mehr für die Jugendlichen tun zu wollen, als sie nur gerichtlich zu verfolgen. Wir haben auch Jugendliche betreut, die aus dem Knast entlassen waren.

Und dann?

LEMPP: Die Konzeption hat sich gewandelt, die Arbeit vor Ort, in den Stadtteilen wurde immer wichtiger. Ein Schwerpunkt war die Reutlinger Straße in Ötlingen. Aber auch im Dettinger Weg herrschte eine ausgeprägt Cliquentradition, dort trafen sich beispielsweise die „Ramboller“.

Und wer traf sich im Brückenhaus?

LEMPP: Unterschiedlichste Gruppen, zunächst vor allem Rockergruppen, und später haben wir eine Zeit lang mit rechtsradikalen Jugendlichen gearbeitet.

Brauchen Sie das Brückenhaus?

LEMPP: Im Kinder- und Jugendbereich hat sich die gemeinwesenorientierte Arbeit, also die Arbeit vor Ort, bewährt. Wir brauchen das Brückenhaus als Gebäude nicht, wir brauchen aber ganz dringend irgendwo eine Art Organisationszentrum.

Interview: Strifler / Foto: Jacques