Lokales

Neue Halle als schönstes Geschenk

Der Sportverein Nabern feiert seine Gründung vor 100 Jahren – Pause von 1952 bis 1966

Frauen im Sportverein? Eine Bauchtanzgruppe? Als vor 100 Jahren der Sportverein Nabern – damals als Turnverein – gegründet wurde, wäre beides unvorstellbar gewesen. Bei seinem Festakt zum 100-jährigen Bestehen in der Gießnauhalle blickte der Verein nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft.

Gie§nauhalle Nabern, 100 Jahre Sportverein Nabern, Festakt , SV Nabern Vorstand Manfred Kanal
Gie§nauhalle Nabern, 100 Jahre Sportverein Nabern, Festakt , SV Nabern Vorstand Manfred Kanal

Kirchheim. Wie beim Sport macht auch bei der Musik die Übung den Meister. Dass Dietmar Schulz, Leiter des Musikvereins Nabern, genug davon hat, zeigte sein gekonntes Klaviermedley aus den 1920er-Jahren zum Auftakt. Dann blickte Vorstandssprecher Manfred Kanal auf einige markante Stationen der Vereinsgeschichte zurück. Der Verein begann mit 21 sportbegeisterten jungen Männern und erlitt 1925 einen enttäuschenden Rückschlag: Sein vier Jahre zuvor ausgehobenes Freibadbecken musste er wieder zuschütten. 1952 verlor der Verein viele Spieler an Nachbarvereine und erlosch ganz. 1966 kam es zur bereits dritten Neugründung. Heute ist das Vereinsangebot so groß, dass jeder seine passende Sportart findet. „Wir tragen zum Gemeinsinn bei und zur Gesundheit der Allgemeinheit“, sagte Kanal. Er freut sich auf den ersten Spatenstich für die neue Gießnauhalle, der für Anfang Mai geplant ist.

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Als erste Gratulantin rief Moderator Peter Bodo Schöllkopf Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Hei­decker auf die Bühne. „Die Menschen waren Landwirte oder Handwerker und haben abends den Ausgleich gesucht“, kommentierte sie die Vereinsanfänge. „Es fanden sich immer wieder Leute, die bereit waren, den Karren zu ziehen“, meinte sie zu den Neugründungen. „Was man einem Verein gibt, das bekommt man zurück, als Anerkennung, Freude über einen Sieg, dadurch, dass man Freunde findet oder ein zweites Zuhause.“

Jeder zehnte Sport treibende in Vereinen der Stadt gehöre zum SV Nabern, er biete Breitensport von der Mutter mit Kind bis zu den Herren ab 60. Mit Körperbeherrschung, Zielstrebigkeit, Selbstüberwindung, Kameradschaft und Fairness vermittle der Verein Jugendlichen Werte, die heute mehr denn je gebraucht würden. Matt-Heidecker hatte gleich zwei Schecks mitgebracht: einen von der Stadt und einen von der Wilhelm-Narr-Stiftung, beide über sieben Euro pro Vereinsjahr. Außerdem übergab sie dem Verein die Sportplakette des Bundespräsidenten.

Im SV Nabern werde nicht nur geschwitzt, sondern auch geschwätzt, sagte Ortsvorsteherin Susanne Jakob. Bei allen Herausforderungen sei ihr vor der Zukunft des Vereins nicht bang, deshalb gelte ihr Glückwunsch den ersten hundert Jahren. Für den Sportkreisvorsitzenden Kurt Ostwald zeigt die Entwicklung des Vereins, dass sich die Menschen in ihm wohlfühlen. Er lobte die das „hervorragende Engagement in der Jugendarbeit“ der Abteilungen. „Ohne Basisarbeit gibt es keinen Spitzensport.“ Ostwald hatte die Ehrenurkunde des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) und einen Scheck mitgebracht.

Otwin Schierle, Präsidiumsmitglied des Schwäbischen Turnerbundes (STB), beschrieb den SV Nabern als „einen Verein für Alt und Jung“ und lobte dessen intensive Zusammenarbeit mit dem STB. Er überreichte ein Fahnenband mit 100-jährigem Eindruck, eine Plakette des Deutschen Turnerbundes, sowie Gutscheine für Fortbildungen und den EnBW Turn-Weltcup. Seinen Dank an den Verein drückte er auch persönlich aus: Seit 32 Jahren renne er sonntags durch den Wald, begonnen habe dies auf dem Trimm-dich-Pfad des SV Nabern.

Für den Kirchheimer Stadtverband für Leibesübungen sprach Hermann Schnizler. Die Vertreter des SV Nabern seien bereit, am Gemeinwohl mitzuwirken, lobte er. Er wünschte dem Verein „den Mut und die Entschlossenheit der Vereinsgründer“. Ortschaftsrat Helmut Kapp ergriff für die Naberner Vereine das Wort. „Es gibt nur wenige Kommunen oder Teilorte, in denen jeder Zweite Mitglied desselben Vereins ist.“ Dennoch gebe es in Nabern noch ein weiteres aktives Vereinsleben. „Mit Ihnen freuen sich alle Naberner Vereine auf die neue Gießnauhalle. Ein schöneres Geschenk zum Jubiläum hätte es nicht geben können.“

Die Aerobic-Gruppe des Vereins erfreute mit ihrem Showtanz „Abba-Mix“, die Nürnberger Formation Tapulous mit ihrer Stepptanzdarbietung. Dazwischen trat Schöllkopf mit einer warmen Mütze auf die Bühne. „Ist unser Sportverein zukunftsfähig, oder müssen wir uns warm anziehen?“, stellte er die Frage des Festvortrags. Leider blieb Ostwalds Antwort unbefriedigend. Anschaulich war sein Säulenmodell mit den drei Säulen „Berufssport“, „organisiertem Wettkampfsport“ und dem „Sport ohne organisierten Wettbewerb“. Bei letzterem stünden Spaß, Freude, Mitmachen oder der Selbstwert im Vordergrund. Doch wie auf die Verschiebungen reagieren? Hier blieben zu viele Schlagworte. Ostwald riet dazu, rechtzeitig nach Vereinsvorsitzenden und Jugendleitern zu suchen, neue Arbeitsformen zu entwickeln, auch auf die Geselligkeit zu achten. Die Kooperation mit den Kommunen sei besser als das – leider immer wieder praktizierte – Verkehren per Rechtsanwalt. Ein Zukunftsmodell sieht Ostwald in den Sportvereinszentren. Diese stünden allerdings in Konkurrenz zu gewerblichen Fitnesszentren.