Lokales

Neue Ortsmitte mit Wasserspiel

Studentin für Stadtplanung präsentierte Ortsentwicklungskonzept für Notzingen

Eine neue Ortsmitte westlich der Hochdorfer Straße und ein Park der Generationen am Bodenbach östlich der Heergasse – das sind zwei Ideen von Solveig Stempel für Notzingen. Die Studentin der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen präsentierte ihre Bachelorarbeit Stadtplanung in der Gemeindehalle.

Der Kelterplatz in Notzingen wird von den Bürgern nicht als Ortszentrum angesehen. Foto: Jean-Luc Jacques
Der Kelterplatz in Notzingen wird von den Bürgern nicht als Ortszentrum angesehen. Foto: Jean-Luc Jacques

Notzingen. Warum die Bachelorarbeit mit der Notengebung 1,0 von Solveig Stempel über Notzingen geschrieben wurde, erklärte Bürgermeister Sven Haumacher gleich zu Beginn der Veranstaltung. Gernot Pohl ist nicht nur Leiter des Kirchheimer Stadtplanungsamts – die Genehmigungsbehörde für Notzingen – sondern auch Dozent an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen.

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Solveig Stempel aus Tiefenbach in Rheinland-Pfalz studierte dreieinhalb Jahr Stadtplanung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen und stellte ihre erst wenige Tage alte Bachelor-Arbeit einem überschaubaren, dafür interessierten und diskussionsfreudigen Publikum in der Notzinger Gemeindehalle komprimiert vor. Ausgangslage für die 22-Jährige war der demografische Wandel samt Geburtenrückgang und Abwanderung in größere Städte. „Die ersten Anzeichen des Wandels sind in Notzingen erkennbar“, stellte sie fest. Ihre Überlegung: Durch planerische Maßnahmen die Attraktivität des Ländlichen Raums verbessern, ebenso die Arbeits- und Lebensbedingungen.

Im Blick hatte sie dabei auch die Erschließungsstruktur der Gemeinde, der sie ein gutes Zeugnis ausstellte. „Es gibt ein vielfältiges Nutzungsangebot“, sagte sie. Gleich mehrfach positiv zur Sprache kamen die historischen Ortsstrukturen mit ihren markanten Gebäuden wie Rathaus, Kelter oder Zehntscheuer.

17 Gebäude stehen derzeit leer, die meisten davon in den Ortskernen. „Diese Wohnhäuser sind oft in einem schlechten Zustand und benötigen dringend eine Renovierung. Außerdem wohnt dort ein Großteil der älteren Menschen, was in einigen Jahren potenzielle Leerstände schafft. Um dies zu verhindern, müssen die Ortskerne von Notzingen und Wellingen wieder belebt und die Gebäude in einen besseren Zustand gebracht werden. Ein Abbruch der alten Wohngebäude würde die historischen Kerne stark verändern“, so die angehende Stadtplanerin.

Mithilfe eines Fragebogens ermittelte sie die Ansichten der Bevölkerung. Das Ergebnis: Die Bewohner schätzen den dörflichen Charakter, die umgebende Landschaft sowie die gute Dorfgemeinschaft und das Vereinsangebot. Negativ bewertet wird die Situation in der Hochdorfer und Kirchheimer Straße wegen des hohen Verkehrsaufkommens, fehlende Freizeitmöglichkeiten und das nicht vorhandene, klar definierte Ortszentrum, da der Kelterplatz als Parkplatz genutzt wird und für die großen Dorffeste frei bleiben sollte.

Aus all diesen Fakten entwickelte die Studentin ihre Vorschläge. „Wichtig sind für alle Generationen Bildungseinrichtungen, Spiel- und Sportangebote, Freizeitmöglichkeiten sowie Betreuungsmöglichkeiten für Ältere sowie die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr“, erläuterte Solveig Stempel. Dann nannte sie konkrete Beispiele. Geeignet für eine neue Ortsmitte erscheint ihr die freie Fläche an der Ecke Hochdorfer und Ötlinger Straße. Hier schlägt sie zwei Gebäude mit jeweils zwei Geschossen und Satteldach vor. Das südliche könnte als Mehrgenerationenhaus genutzt werden, im anderen könnten sich Dienstleister ansiedeln. „Als Bürgertreffpunkt im Mehrgenerationenhaus ist die Einrichtung eines Cafés oder einer Eisdiele mit Außenbestuhlung im Sommer sinnvoll“, so die 22-Jährige. Hinter den Gebäuden könnte ein Dorfplatz entstehen. „Um den Verkehrslärm der Ötlinger Straße zu reduzieren und gleichzeitig positive Geräusche zu schaffen, kann das Element Wasser eingesetzt werden. Ein Wasserspiel aus mehreren Fontänen stellt eine räumliche Abgrenzung zur Straße dar und führt gleichzeitig zu einer akustischen und optischen Aufwertung“, regte die Planerin an.

Da das Freizeitangebot für die Bürger in Notzingen ihrer Ansicht nach ausbaufähig ist, schlug sie einen Park der Generationen am Bodenbach östlich der Heergasse vor. Dort könnte ein Barfußpfad mit Wasserspielplatz für die Kinder und einer Ruhezone für alle entstehen. Weitere Angebote sind eine Boulebahn, ein Beachvolleyballfeld sowie ein Skaterplatz. „Der kann sich zu einem idealen Sport- und Kommunikationstreffpunkt für Jugendliche entwickeln. Abseits dichter Wohnbebauung können die Jugendlichen sich hier austoben“, sagte Solveig Stempel. Außerdem sollen verschiedene Fitnessgeräte die Menschen – insbesondere ältere – zur Bewegung und Stärkung ihrer Gesundheit animieren. Im Sommer sei auch ein Kiosk denkbar.

„Die Hochdorfer und Kirchheimer Straße sind momentan eine Gefahrenstelle. Überhöhte Geschwindigkeiten und zu wenige Querungsmöglichkeiten der Landesstraße erhöhen das Unfallrisiko“, urteilt die Planerin. Die Ortseingänge müssten daher auffallender gestaltet werden, um die Geschwindigkeit schon vor Ortsbeginn zu reduzieren – Fahrbahnteiler könnten eine Lösung sein. „Um im Zentrum die Aufmerksamkeit der Fahrer zu erhöhen, kann der Straßenbelag farblich verändert werden. Dadurch könnte der Verkehr zu einem reduzierten Tempo animiert – und gleichzeitig darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich hier auch Fußgänger und Radfahrer im Verkehrsraum bewegen“, so die Studentin. Als Beispiele zu sehen waren ein pinkfarbener und ein leuchtend blauer Platz in Kopenhagen.

In ihrer Arbeit kam Solveig Stempel zu folgendem Schluss: Die Struktur der Gemeinde sollte verbessert werden und Notzingen eine attraktive Ortsmitte erhalten. Ferner soll es Treffpunkte und Freizeitmöglichkeiten für alle Generationen geben und ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Lebensgrundlagen gepflegt werden. „Wünschenswert ist auch die Verbindung von Historie und Moderne“, sagte sie abschließend.