Lokales

Nicht nur backen, kochen und stricken

Den Landfrauen gehören auch jüngere Mitglieder an – Verein definiert sich über Bildungsangebot

Susanne Bauer (rechts) backt zwar gerne in ihrem eigenen Backhäusle im Garten Brot, Hefezopf und vieles mehr. Bei den Landfrauen
Susanne Bauer (rechts) backt zwar gerne in ihrem eigenen Backhäusle im Garten Brot, Hefezopf und vieles mehr. Bei den Landfrauen geht es aber nicht nur um das Backen und Kochen, betonen Susanne Bauer und Iris Krebs-Löw unisono.Foto: Jean-Luc Jacques

Dettingen. Landfrauen – das sind über 70-jährige Damen, die gerne kochen, backen und stricken. Dieses Klischee hält sich hartnäckig in den

Köpfen der Menschen. Iris Krebs-Löw und Susanne Bauer von den Dettinger Landfrauen wissen das – und sie wollen auch gar nicht bestreiten, dass das Gros der Landfrauen über 60 Jahre alt ist. Doch sie selbst sind der lebende Beweis dafür, dass es auch jüngere und moderne Landfrauen gibt.

„Es ist einfach nicht hipp, bei den Landfrauen zu sein. Deshalb werde ich auch oft belächelt, wenn ich davon erzähle“, sagt die 44 Jahre alte Susanne Bauer, die Vorstandsmitglied der Dettinger Landfrauen ist. Anfangs habe sie das noch gestört, doch mittlerweile steht sie darüber. Schließlich gefällt es ihr bei den Landfrauen. „Das ist mein Verein. Man macht schöne Dinge miteinander, die Spaß machen“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Junge Frauen zu gewinnen, sei nicht gerade die einfachste Übung, weiß auch Iris Krebs-Löw, Vorsitzende der Dettinger Landfrauen. In Dettingen habe man aber einen Weg gefunden, junge Mütter für den Verein zu begeistern: Die Landfrauen verfügen seit 1998 als derzeit einziger Ortsverein im Kreisverband Nürtingen über eine Mutter-Kind-Gruppe. Durch diese kam vor zehn Jahren auch Susanne Bauer dazu. Dieser Gruppe können sich junge Mütter mit ihren Kindern anschließen und, wenn sie möchten, Vereinsmitglied werden. „Unser Altersdurchschnitt sank durch die Mutter-Kind-Gruppe und liegt bei 55 Jahren“, informiert Iris Krebs-Löw. Die jüngsten Mitglieder seien Mitte 20, die älteste Frau ist über 90. Bei den anderen Ortsvereinen betrage der Altersdurchschnitt 65  Jahre.

„Viele denken, bei uns muss man nur schaffen“, sagt die 47-Jährige. Freilich sei ab und an Mithilfe gefragt, zum Beispiel bei Festen. Aber man müsse nicht mehr mithelfen als bei anderen Vereinen auch. Hauptsächlich definieren sich die Landfrauen über ihr Bildungsangebot, betont Iris Krebs-Löw. Sie bieten für ihre Mitglieder und auch für die interessierte Öffentlichkeit Kurse und Vorträge an. So gibt es zum Beispiel eine Nordic-Walking-Gruppe, Rücken- und Beckenboden-Gymnastik, einen Qigong-Kurs, Gehirn- und Gedächtnistraining, Computerkurse, Adventskranz-Basteln, Vorträge zum Thema Ernährung, Dia-Vorträge und mehrere Ausflüge. Und natürlich findet sich im Bildungsprogramm der Dettinger Landfrauen auch der klassische Strick- und Häkelkurs sowie Kochabende zu Themen wie „Gesunde Fette in unserer Küche“, „Vollwertküche“ oder „Vegetarische Küche“.

„Die meisten Menschen wissen schlichtweg nicht, was wir eigentlich machen, und haben dadurch ein falsches Bild von uns“, sagt Susanne Bauer. Das bestätigt Iris Krebs-Löw, die vor 16 Jahren durch einen Vortrag zum Thema Organspende auf den Verein aufmerksam wurde. „Das Backen und Kochen spielt eher eine untergeordnete Rolle. Es gibt auch Mitglieder, die gar nicht kochen und backen können.“ Vielmehr gehe es um die Gemeinschaft und den Austausch – und manchmal auch darum, zu politischen Themen Stellung zu beziehen. So hätten die Landfrauen auch schon die eine oder andere Unterschriftensammlung organisiert, zum Beispiel zum Thema Lebensmittelverschwendung.

Als nicht mehr zeitgemäß bezeichnen die beiden berufstätigen Frauen den Namen „Landfrauen“. Der Landesverband wolle von dieser Bezeichnung allerdings nicht Abstand nehmen. Deshalb könne man nur über ein attraktives Bildungsprogramm und über Öffentlichkeitsarbeit am Ruf der Landfrauen arbeiten.

Für die beiden aufgeschlossenen und sympathischen Dettinger Frauen liegt eines auf der Hand: Der insgesamt 135 Mitglieder zählende Dettinger Ortsverein mit seinen Angeboten und Ausflügen ist eine absolute Bereicherung für das Dorfleben. „Wir haben ein generationenübergreifendes Miteinander geschaffen“, betont Iris Krebs-Löw. „Die älteren Mitglieder freuen sich darüber, dass es uns junge gibt und dass wir weitermachen“, erzählt Susanne Bauer. „Andere Ortsvereine stehen vor der Frage, wie es weitergeht. Das ist bei uns nicht der Fall.“

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