Lokales

Ozeanriesen, Rennboote und Segelschiffe

Der achte Graupner Schiffsmodell-Cup lockte zahlreiche Besucher an die Bürgerseen

Schiffsmodell-Cup Graupner an den Bürgerseen
Schiffsmodell-Cup Graupner an den Bürgerseen

Eine Havarie bei einem Kreuzfahrtschiff, abtauchende U-Boote und Rennen, bei denen das Wasser nur so spritzt. Was nach maritimen Ereignissen klingt, hat sich in Kirchheim abgespielt – beim Graupner Schiffsmodell-Cup an den Bürgerseen.

Anzeige

Bianca Lütz-Holoch

Kirchheim. Gemächlich gleitet die „Leonberg“ übers Wasser. Strahlend weiß, mit vielen kleinen Bullaugen, Fenstern und Sonnendecks ist sie unverkennbar ein echtes Kreuzfahrtschiff. Doch plötzlich ertönt die Meldung: „Störung“. Glücklicherweise ist Hilfe nicht weit: Ein kleineres Rettungsschiff schiebt den havarierten Dampfer mühelos an die Anlegestelle, hakt dort ein Seil ein und schleppt den Ozeanriesen ins Dock.

Gefährliche Folgen hat die Schiffspanne nicht gehabt, schließlich hat sie sich nicht auf dem Meer, sondern auf den Kirchheimer Bürgerseen ereignet. Dort fand an Pfingsten zum achten Mal der Graupner Schiffsmodell-Cup statt. Die „Leonberg“ war nur eine von zahlreichen, originalgetreuen Schiffsmodellen, die gestern zahlreiche Interessierte an den Fuß der Hahnweide lockte. Auch wenn der Ozeanriese mit seinen 3,57 Metern Länge der absolute Goliath unter der Modellbooten war, zogen auch zahlreiche andere kleine Schiffe und Boote die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. So kreuzte der Seitenrad-Schlepper „Glasgow“ mit Schaufelrad-Antrieb über den See, U-Boote tauchten ab und leuchtende Segelschiffe ließen Urlaubs-Gefühle aufkommen.

Weniger beschaulich, aber dafür äußerst sportlich war es am Sonntag zugegangen: Wie jedes Jahr gingen Rennboote in verschiedenen Klassen an den Start.

Besondere Attraktion für die kleinen Gäste war das Lehrer-SchülerFahren am Steg. Die Kinder durften dort selbst einmal ans Steuer und bunte Boote per Fernbedienung über den See lenken. Danach gab es als Anerkennung die „Kapitänsurkunde“.

„Jedes Jahr kommen mehr Leute zum Schiffsmodell-Cup“, zeigte sich Ernst Vees vom Schiffsmodellsport-Club Stuttgart zufrieden. Zusammen mit der Kirchheimer Firma Graupner organisiert der Verein seit mittlerweile acht Jahren die Veranstaltung. Für eine besonders gute Atmosphäre sorgte in diesem Jahr auch das Pfingstwetter: Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen kamen zahlreiche Ausflügler an die Bürgerseen. Viele nutzen die Gelegenheit auch, um eine Radtour zu den Seen zu unternehmen.

Was die Teilnehmer angeht, ist Ernst Vees in diesem Jahr eine interessante Entwicklung aufgefallen: „Es sind ganz viele alte Modelle dabei, die restauriert oder wiederbelebt wurden.“ Grund dafür ist aus seiner Sicht, dass die Modellbau-Generation der sechziger Jahre langsam ins Rentenalter komme und wieder Zeit zum Basteln habe. Gleichzeitig bemüht sich der Verein um Nachwuchs. „Wir wollen etwas für die Jugend und den Nachwuchs tun“, sagte Vees. In Zeiten, in denen es alles fertig im Laden zu kaufen gebe, sei der Modellbau außer Mode geraten. Aus diesem Grund habe der Verein ein Preisausschreiben eigens für Kinder und Jugendliche ausgelobt. Es gelte, sie an den Modellbau heranzuführen.

Großes Interesse an einem ganz besonderen Modell stellte Graupner-Geschäftsführer Stefan Graupner fest: „Anlässlich des 100. Jahrestages des Titanic-Untergangs haben wir ein Titanic-Modell herausgebracht.“ Den Dampfer im Maßstab 1:150 mit zahlreichen originalgetreuen Details konnten die Besucher – ebenso wie zahlreiche andere Neuheiten – an einem Stand der Kirchheimer Modellbau-Firma bewundern, bevor sie sich am Ufer des Sees ausruhten oder stärkten.

Die Bewirtung übernahmen wie jedes Jahr der Angelsportverein und die Jägervereinigung Kirchheim. Die Bürgerseefreunde sorgten traditionell für das gelungene Umfeld des Modell-Cups.