Lokales

„Pädagogische Feuerwehr“ im Einsatz

Grete Arenz und Ursula Schulmeyer sind Anwärterinnen auf den Ehrenamtspreis

Ein Herz für Kinder, insbesondere für benachteiligte, haben Grete Arenz und Ursula Schulmeyer aus Oberlenningen. Seit Jahren unterstützen sie die Lehrerinnen an der Grundschule und machen so gezielte Förderung möglich.

Grete Arenz und Oberlenninger Grundschulkinder präsentieren die Kulissen des Schattenspiels ¿Jack and the Beanstalk¿.Foto: Jean-
Grete Arenz und Oberlenninger Grundschulkinder präsentieren die Kulissen des Schattenspiels ¿Jack and the Beanstalk¿.Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. „Hallo Grete“ schallt es freudig durch den Flur. Eine kleine Schülerin hat während der Pause Grete Arenz in der Aula entdeckt und sie im Vorbeigehen begrüßt. Ob solch­ offener Zuneigung strahlen die blauen Augen der 70-Jährigen noch intensiver. Seit fünf Jahren ist sie an der Oberlenninger Grundschule als ehrenamtliche Hilfe tätig und dort bei Lehrern und Schülern gleichermaßen beliebt.

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Dem Enkel von Grete Arenz und seiner sozialen Ader ist das Engagement der Seniorin zu verdanken. „Wenn wir nur jemanden hätten, der schwächeren Schülern helfen könnte“, erzählte er einiges Tages seiner Mutter. Die wiederum sprach mit Oma Grete über dieses Problem und so nahm die Idee immer mehr Gestalt an, solchen Kindern unter die Arme zu greifen. „Ich habe schon immer ein Faible für schwache und benachteiligte Kinder gehabt – ich war selbst ein ängstliches Kind“, sagt Grete Arenz.

Der Kontakt zur Schule war schnell geknüpft und der Vorschlag gerne angenommen. An ihrer Qualifikation bestand kein Zweifel, schließlich hat sie jahrelang im Kindergarten in Oberlenningen gearbeitet und war ehrenamtlich in Kirche und Verein aktiv. Kinder, „die so manche Dinge nicht verstanden haben“, werden von ihr gezielt unterstützt. Im vergangenen Schuljahr war es beispielsweise ein Mädchen aus nicht ganz einfachen familiären Verhältnissen, deren Versetzung gefährdet war. Liebevoll aber konsequent ging Grete Arenz mit ihr die Hausaufgaben durch und motivierte zum Lernen. Stört ein Kind verstärkt den Unterricht, kommt es ebenfalls in die Obhut der 70-Jährigen. Die Klasse kann dann ruhiger arbeiten. Andersherum funktioniert es auch: Sie betreut die Klasse, während die Klassenlehrerin sich mit einem Schüler oder einer kleinen Gruppe zum intensiven Üben zusammensetzt.

Außerdem ist Grete Arenz eine große Hilfe bei den Vorbereitungen zu Theaterstücken wie etwa „Jack and the Beanstalk“. Dabei handelt es sich um ein englisches Märchen, das auch in dieser Sprache beim Lichterfest als Schattenspiel im vergangenen Jahr aufgeführt wurde. Eine besondere Herausforderung waren dabei nicht nur die Kulissen, sondern vor allem die Stabfiguren. Hier war einige Tüftelei nötig, damit die Hauptfigur einmal mit und einmal ohne Kürbis in der Papphand auftreten konnte. Erika Kapp, Lehrerin an der Grundschule, greift gerne auf die Unterstützung von Grete Arenz zurück. Sie schätzt deren umsichtige Art, mit ihren Schülern umzugehen.

„Wichtig ist, dass die Kinder allgemein Freude an der Schule haben – dann sind sie auch motiviert“, so die Erfahrung von Grete Arenz. Deshalb soll es den Schülern bei ihr in der Schulstunde gut gehen. „Sie kommen gern und sind offen, um den Unterrichtsstoff aufzunehmen. Das ist auch für mich immer wieder Motivation“, verrät sie. Mit Ursula Schulmeyer versteht sie sich als gut eingespieltes Team. „Wir kennen uns, jede weiß, worauf die andere Wert legt“, beschreibt sie die Zusammenarbeit.

Während Grete Arenz alle Klassenstufen unterstützt, ist Ursula Schulmeyer in den Klassen eins und zwei aktiv. Als Lesepatin liest sie den Kindern vor, übt das Lesen ein oder begleitet die Leseratten bei Bilderbuchpräsentationen in die Kindergärten. Zur Sprachförderung gehört bei ihr auch die Erweiterung des Wortschatzes mittels Singen, Spielen oder Basteln, aber auch durch das Anschauen eines Bildes. In Kooperation mit der Förderschule ist sie auch in der Buchstabenwerkstatt zu finden, in der sich die Kinder auf verschiedene Art und Weise durch den Buchstaben-Dschungel arbeiten. Wie Grete Arenz ist sie eine wichtige Stütze bei Theateraufführungen, sei es beim Kulissenbau oder bei der Probenarbeit. Auch geht sie mit den Klassen als Begleitperson auf Wanderschaft oder Stadterkundungstouren. „Frau Schulmeyer ist meine pädagogische Feuerwehr, die überall dort Löschhilfe leistet, wo es im schulischen Alltag brennt“, macht Klassenlehrerin Heidi Segeritz deutlich, welchen Stellenwert die Arbeit der Ehrenamtlichen an der Schule hat.