Lokales

Pedelecs müssen unten bleiben

Rad- und Wanderbus befördert wegen Probleme zurzeit keine Elektrofahrräder

Radfahrer, die sich keine Albsteigen hochquälen wollen, haben eine kraftschonende Alternative: Den Rad- und Wanderbus, der von Lenningen auf die Albhochfläche pendelt. Pedelec- und E‑Bike-Besitzer müssen allerdings unten bleiben. Weil der Busanhänger das Gewicht nicht trägt, dürfen ihre Drahtesel momentan nicht befördert werden.

Lenningen. Eine gemütliche Radtour, das hatten sich Karl-Heinz Krisch aus Kirchheim und seine Frau am vergangenen Samstag vorgenommen. Mit der Teckbahn sollte es mitsamt den Pedelecs nach Lenningen gehen, dann in den Rad- und Wanderbus nach Donnstetten. „Den Buckel kommt man ja nicht hoch“, sagt Karl-Heinz Krisch. In Lenningen war allerdings erst mal Endstation. „Der Busfahrer hat uns gesagt, dass er die Pedelecs nicht mitnehmen darf“. Dabei seien auf dem Anhänger gerade mal sechs weitere Fahrräder gewesen. Der Anhänger des Rad- und Wanderbusses fasst insgesamt 20 Fahrräder.

Familie Krisch hatte Glück: Weil bei dieser Fahrt keine Kinderwagen transportiert werden mussten, ließ der Busfahrer die beiden mit ihren Pedelecs im Bus mitfahren. Eine Radgruppe aus Stuttgart, ebenfalls mit Pedelecs unterwegs, hätte hingegen an Ort und Stelle umdrehen müssen, berichtet Karl-Heinz Krisch. „Wir haben es ja nicht weit, aber wenn man aus Stuttgart oder Ludwigsburg kommt, ist das schon ärgerlich“, findet er. Verständnis dafür hat er wenig. „So ein Pedelec wiegt vielleicht sechs Kilo mehr als ein normales Fahrrad. Und die Leute hätten ihre Akkus sogar abmontiert und auf den Schoß genommen.“

Bei Regiobus Stuttgart, dem Betreiber des Rad- und Wanderbusses, hat Mitarbeiter Manfred Mack für das Ärgernis eine einfache Erklärung: „Der Anhänger, den wir momentan im Einsatz haben, trägt das Gewicht der Pedelecs nicht. Deshalb ist er dafür auch nicht zugelassen“. Regiobus besitzt einen Anhänger, der Pedelecs transportieren darf und der dieses Jahr auch schon im Einsatz war. Allerdings gab es laut Manfred Mack technische Probleme, sodass der Anhänger zurück ins Werk musste. „Es ist nicht klar, ob wir ihn dieses Jahr noch zurückbekommen“, so Mack. Nächstes Jahr solle der stabilere Anhänger aber wieder eingesetzt werden, schließlich seien immer mehr Menschen mit Pedelecs unterwegs. Karl-Heinz Krischs Beschwerde ist nicht die erste, die der Regiobus-Mitarbeiter zu hören bekommt. „Es haben sich immer wieder Leute gemeldet“, sagt er. Im Großen und Ganzen hätten die Leute aber Verständnis.

Karl-Heinz Krisch ist mit der Informationspolitik jedoch nicht einverstanden. „In den Broschüren, die ich bekommen habe, stand nichts davon, dass Pedelecs nicht transportiert werden“, sagt er. Tatsächlich sind viele Broschüren, die sich auf den Internetseiten der Gemeinden oder des Landkreises finden lassen, nicht auf dem neuesten Stand. Auf der Seite des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) werden Fahrgäste hingegen darüber informiert, dass Pedelecs und E-Bikes nicht mitgenommen werden.

Der Rad- und Wanderbus bringt zwischen Mai und Mitte Oktober samstags und an Sonn- und Feiertagen Radfahrer vom Bahnhof Lenningen auf die Schwäbische Alb. Auf einer Schleife durch das Biosphärengebiet Schwäbische Alb führt die Route über Gutenberg auf die Albhochfläche mit Haltestellen in Donnstetten, Zainingen und Böhringen. Weiter geht es zum Naturschutzzent­rum Schopflocher Alb, zum Schopflocher Moor und zum Randecker Maar.

Samstags fährt der Bus zuerst das Naturschutzzentrum an, bevor er die Schleife über Zainingen fährt. Sonn- und feiertags können Fahrgäste in Zainingen auch auf den Biosphärenbus des Landkreises Reutlingen umsteigen, der den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen umrundet und auch am Biosphärenzentrum Schwäbische Alb hält.

Fahrgäste brauchen ein VVS-Ticket, der Transport der Fahrräder ist kostenlos. Gruppen sollten sich bei Regiobus Stuttgart unter der Telefonnummer 0 71 61/9 60 72-0 anmelden.

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