Lokales

Per GPS durch die Dorfgeschichte

Museumsfest in Beuren mit Schatzsuche per Geocaching, kultiger Strickliesl und emsigen Bienen

„Mitmachen erlaubt“ lautete gestern das Motto im Freilichtmuseum Beuren. Dort feierte der Förderverein sein alljährliches Museumsfest. Beim Seifen machen, filzen, Wasserleitung bohren oder Geocaching gab es Spaß für die ganze Familie.

Museumsfest in Beuren
Museumsfest in Beuren

Beuren. Kinder für einen Besuch im Museum zu begeistern, das war gestern spielend einfach. Denn überall im historischen Dorf in den Beurener Herbstwiesen gab es Neues und Spannendes zu entdecken. An der Pädagogikscheuer zum Beispiel arbeiteten die Kinder an Gefäßen und Schildern aus Ton. Und nebenan entstanden mit Lauge und etwas Geschick farbige Freundschaftsbänder aus Filz. Dass die sich nicht nur am Handgelenk gut machen, sondern auch zu einem uralten Geschicklichkeitsspiel eignen, zeigten die Mitglieder des Fördervereins beim Fadenspiel. Da staunte der Nachwuchs nicht schlecht, als Mamas oder Omas plötzlich begeistert mitmischten und tolle Muster aus dem bunten Filzfaden zauberten.

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Handarbeiten liegen voll im Trend. Das spürten auch die Ausstellerinnen wie Karin Müller, die im alten Rathaus aus Häslach verschiedene Stickstile und Strickarbeiten vorstellte. Die versierte Fachfrau, die auch Kurse gibt, beantwortete den ganzen Tag Fragen und erklärte Techniken und Arbeitsweisen. Und der Stand der Mädels vom Bundesfreiwilligen Dienst verhalf mit vielen bunten Ideen der Strickliesl zu einem Comeback. Colette Zeh hatte farbenfrohe Beispiele parat und zeigte, was man mit den bunten Strickschläuchen so alles verzieren kann.

Nach einem ähnlichen Prinzip wie die Strickliesl funktioniert auch die alte Strickmaschine, die Leopold Paydl im Weberhaus aus Laichingen vorführte. Unter seiner Aufsicht durften die Kinder die Kurbel drehen und sich sogar die Farben für ihr Strickwerk selbst aussuchen.

Wie solch ein Faden entsteht und was sich sonst noch damit machen lässt, demonstrierten die Spinnerinnen. Im Schatten vor dem Wohn-Stall-Haus aus Beuren ließen sie ihre Räder surren. Drinnen in der kühlen Stube und in der Wohnung im Rathaus gingen die Klöpplerinnen ihrer zarten Arbeit nach. Von der klassischen Spitze bis zu farbenfrohen Blüten und Vögeln zauberten die fingerfertigen Künstlerinnen aus den feinen Garnen.

Handfester ging es bei den Handwerkern zu: Im Albdorf durften die Besucher beim Wasserrohrbau nach alter Art selbst Hand anlegen und den langen Bohrer in den Fichtenstamm drehen. Oder den Zimmerleuten beim Regenrinnenbau und Schindelmachen über die Schulter schauen. Im Bauernhaus aus Aichelau lockten dagegen feine Düfte: Hier gab es handgemachte Seifen mit Ziegenmilch, Orangenduft, Rosenöl oder Stutenmilch. In der kühlen Scheune durften die Kinder sich ihre Seifen selbst machen. Dazu brauchten die Jungen und Mädels tüchtig Muckis: Denn zunächst musste der Grundstoff der Seife durch den Wolf gedreht werden, um ihn dann per Hand in die gewünschte Form zu kneten.

Per GPS ging es bei der Schatzsuche der Geocacher durchs Museumsdorf und die Geschichte. Dabei lotsten die Mitarbeiter vom Amt für Geoinformation und Vermessung die Teilnehmer zu verschiedenen Wegpunkten, wo wie bei einer Schnitzeljagd Fragen beantwortet werden mussten. „Die richtigen Antworten ergeben dann die Koordinaten für den Schatz“, verriet Mitarbeiter Jochen Kübler.

Bei Volker Hahnel nahm derweil ein Stundenstein Form an. Im dritten Jahr arbeitet der Steinmetz aus Owen nun schon an der Reproduktion dieses Kleindenkmals. Er soll – wie schon etliche andere Stücke – demnächst im Museum einen Platz erhalten. „Nur auf einen Stein einschlagen, um die verschiedenen Techniken zu zeigen, wollte ich nicht. So haben nicht nur die Besucher ein Anschauungsobjekt, sondern auch das Museum einen Mehrwert von meiner Arbeit“, sagte er.

Bei der Arbeit konnte man auch Museums-Imker Mark Müller antreffen, der an den Bienenkästen viel Wissenswertes über die Bienenzucht, Honiggewinnung aber auch den Problemen der Imkerei an die Besucher weitergab. So klärte er beispielsweise darüber auf, dass der Rauch, den die Bienenzüchter einsetzen, wenn sie einen Stock öffnen, die Bienen nicht etwa beruhigt: „Vielmehr täuschen wir einen Waldbrand vor: Die Bienen werden dadurch veranlasst, sich mit Honig vollzupumpen, um fliehen zu können. Diese Zeit nutzen wir, um in Ruhe am Stock zu arbeiten“, erklärte er.

Den Honig, den die emsigen Arbeiterinnen im Museum sammeln, gibt es im Tante-Helene-Lädle auch zu kaufen. Dort herrschte an dem Tag Hochbetrieb. Vom Knackfrosch und Murmeln für die Kinder oder schwäbischen Holunderblütensirup und Albleisa gab es jede Menge Andenken an einen spannenden Tag im Freilichtmuseum, den die Ehrenamtlichen vom Förderverein da auf die Beine gestellte hatten.

Museumsfest in Beuren
Museumsfest in Beuren