Lokales

Pioniere in der Stressbewältigung

Erster Kirchheimer Tag für Alleinerziehende in der Familienbildungsstätte

„Alleinerziehend – na und?“ Unter diesem Motto stand der erste Kirchheimer Tag für Alleinerziehende am Samstag. Die Veranstaltung in den Räumen der Kirchheimer Familienbildungsstätte bot Interessierten die Möglichkeit zu Information und Austausch.

Kraftquellen finden - diese Aufgabe bekamen alleinerziehende Eltern mit auf den Weg. Bei verschiedenen Workshops, zum Beispiel e
Kraftquellen finden - diese Aufgabe bekamen alleinerziehende Eltern mit auf den Weg. Bei verschiedenen Workshops, zum Beispiel einem Trommelkurs, konnten sie gleich vor Ort ausprobieren, was ihnen gut tut.Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Initiiert wurde die Veranstaltung vom Kirchheimer Netzwerk für Alleinerziehende, das von der Familienbildungsstätte Kirchheim, Pro Familia, dem Kinderschutzbund, dem Kreisdiakonieverband Esslingen, dem Landkreis und der Stadt Kirchheim getragen wird. Auf dem Programm standen neben einem Impulsreferat verschiedene Workshops. An Infoständen konnten sich die Besucherinnen und Besucher über verschiedene Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten für Alleinerziehende informieren.

Anzeige

Nicht zu kurz kommen sollte außerdem der Austausch von Alleinerziehenden untereinander. Um den Eltern auch die nötige Ruhe dafür zu geben, hatten die Veranstalter parallel zu Vortrag und Workshops ein Betreuungsangebot für die Kinder organisiert. Unterstützt wurde der Tag durch die Ehrenamtlichen vom Bürgerbüro, die für die Anwesenden einen kleinen Imbiss zubereitet hatten und durch die Kreissparkasse, die die Veranstaltung mit einer Spende unterstützt hatte. Andrea Bürker von der Familienbildungsstätte begrüßte die Anwesenden und stimmte auf den Tag ein.

Den Auftakt bildete der Impulsvortrag der Diplom-Sozialpädagogin Clara Hirschauer. Unter der Überschrift „Alleinerziehend – Stresstraining mit Glücksfaktor“ legte sie den Schwerpunkt ihres Referats auf das Thema Stressbewältigung im Alltag. Dabei sei Stress, so die Referentin, an und für sich nichts Neues: „Denken Sie mal an unsere Großelterngeneration.“ Geändert habe sich aber die Form des Stresses. Hätten früher eher existenzielle Probleme wie Krieg und Mangel am Lebensnotwendigen Stress verursacht, stünden heute Hektik und Terminstress im Vordergrund. Auch die Wahrnehmung sei heute eine andere, so Hirschauer: „Wir sind generell stressbewusster geworden.“

In einer Familie seien die Eltern ganz besonders dem Stress ausgesetzt: „Als Elternteil haben Sie im Gegenteil zum Arbeitsleben eine Sieben-Tage-Woche und sind in ständiger Rufbereitschaft“, erklärte Hirschauer. Und während man Arbeitsstress wenigstens beim Feierabend entfliehen könne, laufe das im Familienleben anders: „Im Beruf gehen Sie abends aus dem Büro und machen die Tür zu – bei Kindern funktioniert das nicht.“ Alleinerziehende seien davon besonders betroffen, denn es gebe ja keinen Partner, dem man die Kinder für eine Zeit überlassen könne, um selbst mal abzuschalten.

Dieser Dauerstress habe nicht nur auf den Elternteil negative Auswirkungen. Die ständige Gereiztheit als Folge des Stresses färbe nach und nach auch auf das Kind ab. „Kinder brauchen aber einen entspannten Umgang, damit sie von den Eltern etwas annehmen können.“ Sicherlich dürfe man als Elternteil auch mal explodieren: „Auch ein Ausraster kann mal stressabbauend sein“, stellte Hirschauer klar. Kinder hätten aber feine Antennen dafür, was ihnen die Eltern vorlebten: „Wir sind immer ein Modell für unser Kind – egal ob wir entspannt sind oder auch mal ausrasten.“ Klar sein müsse aber auch: „Jeder Ausraster kostet Kraft.“ Und diese Kraft fehle dann an anderer Stelle.

Doch wie können Alleinerziehende ihren eigenen Stresslevel soweit nach unten fahren, dass der Alltag zwischen Arbeit, Haushalt und Kindererziehung ausgeglichen gestaltet werden kann? Clara Hirschauer nannte verschiedene Instrumente zur Stressbewältigung. Zum einen wies sie auf den Bereich Organisation hin. „Organisieren Sie ihren Tag – und die wichtigste Regel dabei ist, Pausen einzuplanen.“ Pufferzeiten seien einfach notwendig. Wenn der gesamte Tagesablauf schon auf Kante genäht sei, würde bereits eine kleine Störung im Ablauf zur Katastrophe. Ebenso wichtig sei aktive körperliche Betätigung: „Stress muss körperlich abgebaut werden – gehen Sie also raus, laufen Sie, machen Sie Sport“, so die Referentin.

Ein wichtiger dritter Punkt seien Kraftquellen. Dem einen helfe Yoga, den eigenen Akku wieder aufzuladen, anderen wiederum einfach Spazierengehen. Und nicht zuletzt sei das Innehalten ein wichtiger Punkt in Sachen Stressbewältigung. „Nehmen Sie sich eine kleine Auszeit aus dem Hamsterrad“, empfiehlt Hirschauer. Bereits fünf Minuten am Abend, an denen man den Tag Revue passieren lasse und sich insbesondere an die schönen Momente des Tages erinnere, wirkten Wunder. Das sei auch ein guter Zeitpunkt, mit sich selbst ins Reine zu kommen: „Nutzen Sie die Chance und verzeihen Sie sich selbst die Dinge, die am Tag nicht so toll gelaufen sind.“

„Alleinerziehende sind Pioniere in der Stressbewältigung“, stellte Clara Hirschauer fest. Denn erst Alleinerziehende hätten in den Fokus gerückt, dass es neben der Familie ein Netzwerk an verlässlichen Betreuungspersonen für Kinder zur Entlastung der Eltern geben müsse. Sie stellte aber auch fest: „Das Netzwerk, in dem Alleinerziehende und normale Familien gut aufgehoben sind, muss erst noch geknüpft werden.“