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Reise durch verschiedene Zeitalter

Von mobilen Jägern bis zum Automobil: Museumsfest zeigt Transportarten von der Steinzeit bis heute

Wenn es darum geht, leichter von A nach B zu gelangen, sind Menschen seit jeher pfiffig. Anlässlich des Jubiläums „150 Jahre Eisenbahn Kirchheim“ lud gestern das Museumsfest rund ums Kornhaus zu einer Reise durch die unterschiedlichen mobilen Zeitalter der Menschen ein.

Reise durch verschiedene Zeitalter
Reise durch verschiedene Zeitalter

NICOLE MOHN

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Kirchheim. Schon die Menschen der Steinzeit waren durchaus mobil, erklärt Rudolf Walter vom Arbeitskreis Museumspädagogik. Der Archäologe ist an diesem Tag ein magischer Anziehungspunkt – und das nicht nur bei den Kindern. In Lederhemd und Fellschuhen hat er sein Lager vor dem Kornhaus aufgeschlagen und zeigt den neugierigen Passanten, wie das Leben zu Zeiten der Mammuts in etwa aussah.

Auf den ersten Blick mag das nicht in das Motto „Reisen“ passen. Doch Walter klärt auf. „Die Steinzeit war die Zeit der mobilen Jäger.“ Die Menschen folgten ihrer bevorzugten Jagdbeute, den Mammuts. „Und wenn man sich vorstellt, dass ein Mammut pro Tag 200 bis 300 Kilo Gras frisst, kann man sich vorstellen, dass die Wiese schnell leer war und die Tiere weiterzogen“, so der Archäologe.

Welche Strecken die Menschen damals zurückgelegt haben, darüber können die Wissenschaftler heute leider nicht viel sagen. „Viel mehr als eine Feuerstelle haben die Menschen nicht zurückgelassen, wenn sie weiterzogen“, erklärt der Archäologe. Aber in einer Höhle auf der Alb hat man Muscheln gefunden, die es nur im Schwarzen Meer gibt. „Damit wissen wir, dass die Menschen bis dorthin Kontakte hatten“, so Walter. Beachtlich, bedenkt man, dass zwischen Alb und Schwarzmeerküste rund 1 800 Kilometer liegen.

Viele interessante Dinge hat er den Kindern mitgebracht. Vom Mammut-Backenzahn bis hin zur feinen Knochennadel kann man bei ihm am Zelt bestaunen. Oder er zeigt, wie aus einem Splitter Feuerstein ein praktischer Bohrer wird, mit dem man selbst Knochen durchbohren kann.Hinter dem Museum können die Kinder den Tragekorb und Schleiftrage ausprobieren, mit dem die Menschen in der Steinzeit ihre Habseligkeiten und Zelte mit auf Wanderschaft nahmen. Aber auch modernere Fortbewegungsmittel wie Draisine und Fahrräder bis zur Kutsche und einem alten Ford Capri sind hier ausgestellt.

Im Museum geht die Reise durch die Geschichte weiter: Beim Spiel „Villa Rustica“, vom Arbeitskreis selbst entwickelt, können die Kinder spielerisch das Leben auf einem römischen Gutshof erkunden. Vor allem aber die vielen Mitmach-Angebote locken das junge Publikum: Emsig werden Lederbörsen genäht oder bunte Feder-Fächern zusammengestellt. Mit einfachen Mitteln können die Kinder hier auch das Bild einer alten Dampflok in glänzendes Kupferblech durchdrücken. Ganz konzentriert sitzt Felix hier und zieht die Linien des Vordrucks nach, damit auch ja jedes Detail später auf dem Durchdruck zu erkennen ist. Draußen vor dem Kornhaus wühlt sich derweil Janina mit Freundin Lena durch einen riesigen Korb mit Muscheln, aus denen sich die Mädchen stilechten Steinzeitschmuck basteln. Wer will, kann mit Mama und Papa auch in historischen Kostümen für ein Erinnerungsfoto posieren. Oder dem Schmied Edmund Graeber bei seinem feurigen Handwerk über die Schulter schauen.

Bernd Neugebauer vom Arbeitskreis Museumspädagogik genießt den Tag: „Wir können uns für jeden Zeit nehmen“, sagt er. Die Gruppe nutzt das Museumsfest natürlich auch, um für seine Angebote zu werben. Den Stadtführer für Kinder, den der Arbeitskreis am Infostand vorstellt, kann er allerdings trotz reger Nachfrage nicht verkaufen. Aber Neugebauer hat eine gute Nachricht: „Der Band geht in Kürze in die zweite Auflage.“ Zumindest den Flyer mit den kommenden Programmpunkten bekommt hier jeder in die Hand gedrückt: Denn interessant ist das Städtische Museum im Kornhaus nicht nur zum Museumsfest. Sogar Kindergeburtstage kann man hier feiern und auf Spuren der Kelten, Römer oder Ritter wandeln.