Lokales

Rollende Raritäten

10 000 Menschen strömten ins Freilichtmuseum

Blechkarossen so weit das Auge reicht: Das Oldtimertreffen im Freilichtmuseum Beuren entpuppte sich am Wochenende wieder als Besuchermagnet. 10 000 kamen, um Traktoren, Motorräder, Maschinen und Autos aus längst vergangenen Zeiten zu bestaunen.

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

Beuren. „Der lauft et, wann i will, der lauft, wann er will“, sagte Richard Planitz knitz. Stolz präsentierte der Kirchheimer seinen Lanz-Bulldog mit Glühkopfmotor, einen Nachfolger der Dampflokomobile aus dem Jahr 1924. Drei Jahre zuvor waren die imposanten Modelle auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt worden. „Das war damals eine Sensation“, weiß Planitz. Erst nach zehnminütigem Glühen beginnt der Zwei-Takt-Motor unter lauten Auspuffschlägen zu vibrieren. Zurückgesetzt, das Schwungrad umgependelt, und die Ehrenrunde durch die Besuchermassen in den Beurener Herbstwiesen kann beginnen. Nach dem „Schlüter“-Markentreffen im vergangenen Jahr waren „Glühköpfe“ aller Fabrikate das Schmankerl des Oldtimertreffens 2013: Bolinder, Field, Marshall, Landini, Lanz, Pampa, Le Pecheron, Schlüter, Ursus und Vierzon hatte das Museumsteam um die Organisatoren Werner Unseld und Eugen Schmid neben all den anderen Veteranen besonders eingeladen.

Wie im Freilichtmuseum ging es auf den Straßen ringsum meist nur schleppend voran. Die Besucher waren gut beraten, in die Pendelbusse einzusteigen oder mit dem Fahrrad zum Museumsdorf zu strampeln. Den Takt gaben ankommende oder abfahrende Hanomag, Eicher, Lanz McCormick und Co. vor. Auch die Eidgenossen waren in den Beurener Herbstwiesen wieder gut vertreten: „Ich habe mir mit meinem Hürlimann einen Kindheitstraum erfüllt“, bekannte Peter Vettiger. Unweit von Zürich zu Hause, hatte er den roten Schlepper auf einen Anhänger geladen und war mit seiner Frau Adelheid zum zweiten Mal gen Beuren aufgebrochen. „Die Gastfreundschaft hier ist toll, und es gibt eine große Vielfalt an Oldtimern“, lobte er.

Um „Beifall für die Schieber“ bat der Museumssprecher am Eingang, als mehrere Besucher einem weiß-blauen VW-Bus mit Muskelkraft den kleinen Anstieg hinauf halfen, doch auch für alle übrigen Raritäten der Landstraße gab‘s vor dem Häslacher Rathaus einen großen Bahnhof: Um die Ecke biegende chromblitzende Motorräder wurden ebenso staunend begrüßt wie Feuerwehroldtimer und Autos, die insbesondere die Augen der männlichen Besucher zum Glänzen brachten: So unter anderem ein feuerroter Mercedes-Benz 230 SL, dessen Lenkerin aus dem Nähkästchen plauderte: „Den Wagen hat mein Mann vor 35 Jahren für 500 Mark vom Schrott gekauft.“

Vor dem Giebel der Ausstellungsscheuer aufgereiht, wurden „50 Jahre Porsche 911 präsentiert“. Den Anfang markierte das Vorgängermodell „356“ – ein schnittiges, silbriges Cabriolet mit roten Sitzen, das zusammen mit einem aktuellen Modell einen 911er aus den 1960er Jahren einrahmte.

Auch wenn die historischen Gebäude auf dem Museumsgelände ob der röhrenden, knatternden und tuckernden Raritäten am Wochenende eher ein Schattendasein fristeten, so zog die Neugestaltung des Eingangsbereichs und der Aufbau des Bauernhauses aus Öschelbronn doch das Interesse auf sich. Große Teile des stattlichen Bauernhauses aus dem Jahr 1 799 sind bereits in den Himmel gewachsen. Die Einweihung des neuen Schmuckstücks ist für das Frühjahr 2015 zum 20-jährigen Geburtstag des Museums geplant.

Unterhalb des neuen Gebäudes konnten sich die Besucher einen Überblick über die Geschichte des Fahrrades machen: Von der Draisine aus dem Jahr 1817 über hölzerne Roller und Kinderfahrräder über ein Bambusrad bis zu Hoch- und Feuerwehrrädern reichten die ausgestellten Exemplare.

Manch einer der Oldtimerbesitzer geriet selbst zum Original. So Werner Zeiser aus Albstadt-Ebingen: In Knickerbocker, Weste und Fliege präsentiert er stilecht seine 2,5 PS starke dreirädrige Monet et Goyon, Baujahr 1918. „Mit ihr fahre ich seit 23 Jahren zu Oldtimertreffen“, so der 65-Jährige. Detailverliebt ist das Motorrad unter anderem mit einer Karbidlampe ausgestattet, die beiden Rücken an Rücken angebrachten Korbsitze sind originalgetreu erneuert.

Andere Besitzer haben ihren blechernen Kostbarkeiten liebevolle Namen gegeben: „Erwins Kitschle“ oder „dr Krautbomber von de Filder“ prangt beispielsweise an einem grünen Tempo Wiking. Der Lieferwagen diente in den 1960er Jahren als Verkaufsfahrzeug für Filderkraut und Co.

An verschiedenen Stationen bekamen Interessierte alte Technik vorgeführt: So demonstrierte Ralf Wurster aus Dettingen/Erms, seine selbstfahrende Bandsäge aus dem Jahr 1906, dröhnende Motorsägen zerkleinerten einen stattlichen Baumstamm und aus Stroh wurden nützliche Bänder hergestellt.

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren
Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren
Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

Oldtimertreffem 2013 im Freilichtmusem Beuren

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