Lokales

Rote Extra 300 L war generalüberholt

24-jähriger Pilot auf dem Weg der Besserung – Unfallursache noch nicht ermittelt

Reißerisch wird in einem Boulevardblatt die Kunstflugmaschine Extra 300 L, mit der Klaus Lenhart tödlich verunglückte, als „Höllenmaschine“ bezeichnet. Damit wird mehr Stimmung gemacht als wirklich informiert. Fragen, die im Zusammenhang mit dem Absturz immer wieder auftauchen, hat der Teckbote dem Kirchheimer Siegmund Maier gestellt, Motorflugpilot seit 1955.

Die Unglücksmaschine im Jahr 2006. Damals wurde Klaus Lenhart mit ihr das erste Mal deutscher Meister.Foto: pr.
Die Unglücksmaschine im Jahr 2006. Damals wurde Klaus Lenhart mit ihr das erste Mal deutscher Meister.Foto: pr.

Kirchheim. Haben die Piloten Fallschirme? Hat das Kunstflugzeug Schleudersitze? Kann das Flugzeug auch vom vorderen Sitz gesteuert werden? Wo befinden sich die Tanks? Was passiert, wenn über dem Wald der Motor ausfällt? Warum kann ein Flugzeugmotor aussetzen? Warum fing das Flugzeug Feuer? Wie geht es dem 24-jährigen Piloten? Auf diese Fragen, die gestern die Runde machten, ging Siegmund Maier, der langjährige Vorsitzende der Fliegergruppe Wolf Hirth, ein. Er fliegt seit 60 Jahren Segelflugzeuge und hat mit 18 Jahren den Motorflugschein gemacht.

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Beide Piloten hatten Fallschirme angeschnallt, berichtete „Sieger“ Maier. Diese wirken aber erst ab einer Höhe von rund 300 Metern, und zwar nachdem der Pilot die Maschine verlassen hat. Im Falle des Unglücksflugs befand sich das Kunstflugzeug in einer Höhe zwischen 200 und 300 Meter über Grund. Da nützen die Schirme nichts mehr, und Schleudersitze besitzen zivile Propellerflugzeuge nicht.

Die über 400 Stundenkilometer schnelle Extra 300 L kann sowohl vom hinteren Pilotensitz als auch vom vorderen Sitz gesteuert werden. Bei dem Einweisungsflug saß Klaus Lenhart vorne und der 24-jährige Pilot auf dem rückwärtigen Sitz.

Das Kunstflugzeug besitzt zu den Flächentanks noch einen weiteren Tank zwischen Motor und erstem Sitz. Dieser versorgt den Flieger vor allem während der Startphase. Im Falle eines Motorausfalls über dem Wald drückt der Pilot die Maschine an und versucht sie auf den Baumwipfeln zu landen. Dadurch fällt sie nicht mit der Nase voran nach unten, sondern sackt mit der ganzen Fläche ab, was über dem Talwald offensichtlich auch so geschehen ist. Das Unglück nahm seinen Lauf, als der Motor zu brennen begann.

Dass der 300 PS starke Flugzeugmotor aussetzte, kann vielerlei Gründe haben, etwa ein Aussetzer der elektrischen Benzinpumpe oder der Zündung. Im Falle des Unglücksflugzeuges wird laut Polizeisprecher Bellmer die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) die genaue Ursache ermitteln. Doch das kann erfahrungsgemäß Wochen dauern.

Weshalb das Flugzeug in Brand geriet, lässt sich nur vermuten. Siegmund Maier mutmaßt, dass durch den Aufschlag am Boden der Tank einen Riss erhielt oder die Benzinleitung brach. Dadurch könnte sich Flugbenzin am heißen Motor entzündet und den vorderen Tank zur Explosion gebracht haben.

Übereinstimmend sagten Maier und Bellmer, dass sich der 24-jährige Pilot auf dem Weg der Besserung befindet. Er wird psychologisch betreut.

Die Extra L geriet das erste Mal in die Schlagzeilen, als Klaus Lenhart mit ihr aufgrund einer Motorstörung nach einem Durchstartmanöver während des Oldtimer-Fliegertreffens im vergangenen Jahr in einem Maisfeld neben dem Flugplatz notlanden musste. Anschließend wurde das zehn Jahre alte Flugzeug im Herstellerwerk Walter Extra generalüberholt.

Übrigens fliegt auch die jordanische Kunstflugstaffel „The Royal Jordanian Falcons“ ihre Flugmanöver auf der Extra 300 L, wie zum Beispiel beim Oldtimer-Fliegertreffen 2011 auf der Hahnweide.