Lokales

„Rulaman“ gibt es bald als Hörbuch

Der Jugendroman von David Friedrich Weinland wurde in Grabenstetten von vier Jugendlichen vertont

Mit David Friedrich Weinland verbinden Generationen von Schwaben seinen Jugendroman „Rulaman“. Mitte November bringt der Förderverein Archäologie, Kultur und Tourismus (FAKT) Grabenstetten das Werk als Hörbuch heraus. Vier Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahren haben den Roman mit ihren Stimmen vertont.

Vier Jugendliche haben den Roman ¿Rulaman¿ mit ihren Stimmen vertont.Foto: Daniela Haußmann
Vier Jugendliche haben den Roman ¿Rulaman¿ mit ihren Stimmen vertont.Foto: Daniela Haußmann

Grabenstetten. Dass Weinlands ­„Rulaman“ nach 133 Jahren als Hörbuch vorliegt, ist etwas Besonderes. „Denn bislang gab es das Buch nur in gedruckter Form“, berichtet FAKT-Mitglied Thomas Blank. „Deshalb entstand Ende 2010 die Idee, das Werk zu vertonen.“ Auch die Tatsache, dass Grabenstetten der Geburtsort von David Friedrich Weinland ist und sein Werk 500 000 Mal verkauft wurde, habe bei der Entscheidung, die Publikation zu vertonen, eine Rolle gespielt. „Damit ist Weinland der wohl bekannteste Schriftsteller in der Region“, sagt Thomas Blank.

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In seinem didaktischen Werk, das 1878 erstmals erschien, beschreibt der Naturforscher und Schriftsteller David Friedrich Weinland die Zeit der „Höhlenmenschen und Höhlenbären“ auf der Schwäbischen Alb. Weinlands Buch avancierte zum Bestseller und wurde alsbald auch die „Schwäbische Kinderbibel“ genannt. Denn das Buch stand in fast jedem Bücherregal neben „Lederstrumpf“ und „Robinson Crusoe“. Übersetzungen erschienen in fast allen Sprachen. Selbst ins Serbo-kroatische und ins Lettische wurde dieses Jahrhundertbuch übersetzt.

Dass Weinlands Roman viele regionale Bezüge aufweist, war für FAKT ein weiterer Grund, das Werk im Tonstudio „B. Side“ in Grabenstetten als Hörbuch aufzulegen. Denn zu den Aufgaben des Vereins zählt die Förderung der Regionalentwicklung der Gemeinden Grabenstetten, Erkenbrechtsweiler und Hülben, erklärt Peter Heiden. „Ziel ist daher auch, die Region um den Heidengraben bekannter zu machen“, sagt der Vorsitzende. „Das Hörbuch bildet dabei einen Baustein.“

Mitte Mai hatte der Verein in den drei Gemeinden einen Lese-Wettbewerb veranstaltet. „Kinder und Jugendliche, die an dem Projekt teilnehmen wollten, sollten einen bekannten und einen unbekannten Text aus dem Buch ‚Rulaman‘ vorlesen“, erzählt Thomas Blank. Unter den zehn Teilnehmern setzten sich Isabella Buck, Ruth Weißer, Simone Schwarz und Stefan Kircheis durch. Im August begannen die Gewinner im Alter zwischen zehn und 17 Jahren mit den Aufnahmen.

Kein leichtes Unterfangen, wie Isabella Buck weiß. „Am Anfang habe ich viele Wortendungen verschluckt“, erinnert sich die Abiturientin. „Und die Texte enthielten auch Wörter, die heute gar nicht mehr verwendet werden.“ Daran musste sich die Schülerin zuerst gewöhnen. Wieder und wieder hat sie deshalb zu Hause die Texte gelesen, um Sicherheit und Routine zu bekommen. „Beim Lesen der Passagen spielte natürlich auch die Interpretation der von Weinland beschriebenen Szenen eine Rolle“, erzählt Isabella Buck. „Schon beim Üben habe ich versucht, mich in die Charaktere hineinzuversetzen und mir zu überlegen, wie es ihnen in der jeweiligen Situation erging.“ So ist es der 17-Jährigen gelungen, die in Weinlands Werk enthaltenen Stimmungen zum Ausdruck zu bringen.

Auch Ruth Weißer hat sich eingehend mit „Rulaman“ beschäftigt. Die 13-Jährige liest auf dem Hörbuch zehn der insgesamt 31 Kapitel. Zusammen mit Ursel Bernlöhr, die die künstlerische Leitung bei dem Projekt übernahm, machten Ruth Weißer und ihre Mitstreiter Sprechübungen. So ist es den Heranwachsenden unter professioneller Anleitung gelungen, ihre Stimmen so weit auszubilden, dass sie weich, anstrengungslos und weitreichend klingen, wie die Künstlerin erklärt. Manche Passagen muss­ten mehrfach wiederholt werden, bis sie den Jugendlichen ohne Schwierigkeiten über die Lippen kamen. „Teilweise sind die Sätze in den Texten sehr lang, sodass insbesondere die Jüngeren manchmal Probleme hatten, den Inhalt zu verstehen“, sagt Ursel Bernlöhr. „Doch nachdem man über die Kernaussagen der Passagen nochmals gesprochen hatte, saß auch die Interpretation, die stimmlich zum Ausdruck kommen sollte.“ Und auch der ein oder andere Versprecher war schnell ausgemerzt.

Simone Schwarz kennt das Buch schon länger. Begeistert hat die Zehnjährige in der intensiven Auseinandersetzung mit dem Inhalt vor allem, wie die Höhlenmenschen lebten. Das hat auch Stefan Kircheis beeindruckt. Der Zwölfjährige fand insbesondere die regionalen Bezüge von Weinlands Werk interessant. „Die Höhlen, die in dem Buch beschrieben werden, exis­tieren heute noch“, sagt der Schüler, der die ein oder andere Höhle auch schon besucht hat.

Vor rund zwei Wochen wurden die Aufnahmen abgeschlossen. „In Kürze wird das Hörbuch als Stick sowie MP3- und Audio-CD bei lokalen Bürgermeisterämtern und in Buchhandlungen von Kirchheim bis Bad Urach erhältlich sein“, verspricht Blank. Weitere Informationen erhalten Interessierte auf www.rulamanbuch.de im Internet.