Lokales

Rund 7 000 an Demenz Erkrankte

Altenhilfefachberaterin berichtet über Unterstützung im Kreis

Im Kreis Esslingen leben rund 7 000 Menschen mit einer Demenzerkrankung. Etwa gleich hoch ist die Zahl derer, die sich im Frühstadium dieser Krankheit befinden. Leistungen der Pflegereform 2008 zielen darauf ab, den Betroffenen ein Leben in Würde möglichst zu Hause zu ermöglichen und pflegende Angehörige zu unterstützen.

Kreis Esslingen. Selbst „Kleckerlesbeträge“ können Angehörigen helfen, wusste die Altenhilfefachberaterin des Landkreises, Inge Hafner, im Sozialausschuss des Kreistags. Nach dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz von 2008 erhalten Versicherte monatlich 100 Euro und bis zu 200 Euro bei einem erhöhten Bedarf. Pflegenden Angehörigen kann dieses Geld Hilfe bedeuten, etwa indem sie Pflegebedürftige in einer Tages-, beziehungsweise Nacht- oder Kurzzeitpflege unterbringen.

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Gleichzeitig sieht das Gesetz vor, die Versorgungsstrukturen vor Ort weiter finanziell zu fördern. Das heißt, bürgerschaftliches Engagement soll damit gestärkt und wohnortnahe sowie flächendeckende Betreuungsangebote ermöglicht werden. So sind mittlerweile im Landkreis Esslingen 22 Betreuungsgruppen aktiv und weitere in Planung. Die Nachfrage ist enorm groß. Die Betreuungsgruppen unterstützen Angehörige, indem sie stundenweise die Betreuung außerhalb der Wohnung übernehmen.

Des Weiteren gibt es vier Besuchsdienste im Landkreis, und zwar in Kirchheim, Esslingen, Leinfelden-­Echterdingen und Ostfildern. Mit diesen Besuchsdiensten werden etwa 40 gerontopsychiatrisch Erkrankte von 37 bürgerschaftlich Engagierten zu Hause betreut. Dann gibt es über die vielen sozialen Netzwerke hinaus in Kirchheim, Nürtingen, Esslingen, Wolfschlugen und im Neuffener Tal Pflegebegleiter-Initiativen. 2011 wurden insgesamt etwa 140 Personen von rund 50 Pflegebegleitern über einen längeren Zeitraum betreut, 28 Personen wurden beraten. Pflegebegleiter-Initiativen sind gezielt auf die Begleitung von pflegenden Angehörigen ausgerichtet.

Auch die Tagespflege – in 27 Einrichtungen im Kreis möglich – und die Kurzzeitpflege, die in fast allen 63 Heimen angeboten wird, verschaffen den Angehörigen kurzfristige Erholungspausen.

Festgestellt wird der Betreuungsbedarf und damit der Anspruch auf finanzielle Unterstützung im Rahmen einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Pflegekassen. Die Einstufung in eine Pflegestufe ist aber hier nicht notwendig, so Inge Hafner. „Hauptaufgabe wird es sein, die Bevölkerung darüber zu informieren, dass ihr das Geld zusteht“, sagte die Altenhilfefachberaterin. Insgesamt zeigte sie sich glücklich darüber, dass nach dreieinhalb Jahren so viel erreicht worden sei. „Rund 600 Volunteers stützen das System und organisieren Fortbildung.“ Als beispielhaft hob Hafner die Kurse des Sozialpsychiatrischen Dienstes für alte Menschen (Sofa) hervor, die Einblicke in die innere Welt von an Demenz Erkrankten vermitteln und so Angehörige in die Lage versetzen, die Krankheit frühzeitig zu erkennen.