Lokales

Schafe müssen bis Juli ein Dach über dem Kopf haben

Erdarbeiten für den kommunalen Schafstall in Weilheim haben begonnen – Straffer Zeitplan

Einen straffen Zeitplan hat die Stadt Weilheim vor sich, um ihre Schäfchen sprichwörtlich ins Trockene zu bringen. Damit sie Fördermittel erhält, muss der kommunale Schafstall bis Ende Juli stehen. Hilfreich ist dabei das Wetter. Dank der milden Temperaturen konnten die Erarbeiten schon beginnen.

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Weilheim. Seit rund zwei Wochen sind die Erdarbeiten im Gewann Kurzer Wasen im Gange. Sofern es die Witterung zulässt, sollen sie bis Mitte Februar abgeschlossen sein. Bis dahin wird so einiges umgewälzt: Die Hanglage erfordert für die Modellierung des Geländes Erdbewegungen von über 5,3 Kubikmetern. Die Planung sieht vor, dass aufgrund der Ermittlung der optimalen Höhenlage kein Bodenmaterial abtransportiert werden muss.

Im Anschluss ist geplant, möglichst frühzeitig mit den Beton- und Holzbauarbeiten zu beginnen. Für das Projekt gilt ein straffer Zeitplan, denn Ende Juli muss der Stall stehen. Dies ist erforderlich, um die Bedingungen des Förderprogramms, aus dem die Stadt Mittel von der Europäischen Union und dem Land Baden-Württemberg erhält, einzuhalten.

Der Schafstall als städtische Investitionsmaßnahme ist Teil des Life+-Projekts „Vogelschutz in Streuobstwiesen des Mittleren Albvorlandes und des Mittleren Remstales“. Das federführende Regierungspräsidium Stuttgart will mit diesem Projekt dazu beitragen, die Streuobstwiesen als ökologisch wertvollen Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Am Projekt beteiligt sind 34 Kommunen, darunter auch die Stadt Weilheim. Gerade die großen, zusammenhängenden Streuobstflächen im Vogelschutzgebiet Mittleres Albvorland auf Weilheimer Gemarkung eignen sich besonders als Lebensraum für viele bedrohte Vogelarten. Idealerweise werden diese Flächen durch Schafbeweidung extensiv bewirtschaftet. Vor diesem Hintergrund und aufgrund der Lage der städtischen Weideflächen im Vogelschutzgebiet konnte die Stallbaumaßnahme in das Life+-Projekt aufgenommen und eine Bezuschussung aus Projektmitteln vereinbart werden.

Erste Planungen zum Bau eines kommunalen Schafstalls in Weilheim gab es bereits Anfang der Neunzigerjahre. Die Stadt als Eigentümerin von großen Grünlandflächen im Außenbereich ist, ebenso wie private Eigentümer, gesetzlich dazu verpflichtet, die Grundstücke einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung zuzuführen. Diese Verpflichtung wird seitens der Stadt bereits seit Jahrzehnten erfüllt, indem ein Großteil der Fläche als Schafweide an einen Schäfer verpachtet wird. Aufgrund der insgesamt sehr großen Fläche sowie des vorhanden Baumbewuchses und den oftmals extremen Steillagen wäre eine maschinelle Bewirtschaftung nur unter erschwerten Bedingungen möglich und deshalb sehr kostenintensiv. Im Vergleich zu einer maschinellen Pflege erweist sich die Bewirtschaftung durch einen Schäfer als vergleichsweise kostengünstig. Aktuell sind rund 114 Hektar städtische Grünlandflächen im Außenbereich als Weidefläche verpachtet. Für die Stadt fallen für diese Fläche in der Regel lediglich die jährlichen Kosten für die Weidenachpflege an, wovon derzeit wiederum ein Anteil von rund 70 Prozent über Fördertöpfe beim Landkreis erstattet wird.

Die städtische Weidefläche ist aufgrund der räumlichen Trennung sowie der oftmals kleinen Parzellierung nicht einfach zu beweiden und daher aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten für einen Schäferbetrieb nicht übermäßig attraktiv. Außerdem ist bis heute die Unterbringung von Schafen unzureichend gelöst. Der vorhandene Schafstall „In den Gründen“ ist überaltert und für heutige Schafherden viel zu klein. Des Weiteren besteht dort keine Möglichkeit, ausreichend Winterfutter einzulagern. Bislang wurde dieser Stallplatzmangel durch die Wanderung des Schäfers auf eine Winterweide kompensiert. Aus heutiger Sicht kann jedoch davon ausgegangen werden, dass reine Wanderschäfereien ohne erforderliche Stallkapazität in den nächsten Jahren wirtschaftlich nicht überleben können. Gründe hierfür sind unter anderem die wachsende Flächenkonkurrenz auf den Winterweiden durch Biogas- und Milchviehbetriebe sowie die zunehmende Landschaftszerschneidung.

Es war und ist das erklärte Ziel der Stadt, dem jeweiligen Schafweidepächter möglichst optimale Rahmenbedingungen zu liefern, die einen wirtschaftlichen Schäfereibetrieb in Weilheim gewährleisten. Der Bau des kommunalen Schafstalls ist eine wichtige Investition in die dafür notwendige Infrastruktur. Nur so kann langfristig sichergestellt werden, dass ein geeigneter Schäfer für die Verpachtung der Weideflächen gefunden wird und somit die für Weilheim typische und wunderschöne Streuobstlandschaft erhalten bleibt.

Im Oktober hat der Gemeinderat deshalb den Auftrag zum Bau des Schafstalls samt Neben- und Außenanlagen vergeben. Noch Ende des Jahres 2013 wurde die Baugenehmigung seitens des Landratsamtes Esslingen erteilt.

Weitere Informationen zum Life+-Projekt können auf der Internetseite www.life-vogelschutz-streuobst.de abgerufen werden.pm