Lokales

Schafhof steht Modell

EnBW testet, ob sich überschüssiger Ökostrom in Nachtspeicheröfen verwenden lässt

Totgesagte leben länger: Das könnte für die Nachtspeicheröfen und andere Wärmestrom-Anlagen auf dem Schafhof gelten. Der Energieversorger EnBW startet in drei Haushalten einen Modellversuch. Ziel ist es, überschüssigen Ökostrom in den Anlagen zu verwenden.

Windkraft , Windrad , Strom , Energie , Winderneuerbare EnergienWindenergie
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Kirchheim. Es ist ein bisher ungelöstes Problem der Energiewende: An besonders windreichen Tagen müssen Windräder abgeschaltet werden, weil sonst das Netz unter der Last des Ökostroms zusammenbricht. Dasselbe Prinzip gilt für sonnige Tage und Solaranlagen. Ökostrommengen schwanken von Tag zu Tag. Und bisher gibt es zu wenige Möglichkeiten, überschüssigen Strom zu speichern.

Einen Baustein auf dem Weg zur Lösung dieses Problems verspricht sich der Energieversorger und Netzbetreiber EnBW von einem Modellprojekt, das unter anderem auf dem Schafhof startet. In drei Haushalten soll getestet werden, ob der überschüssige Ökostrom in Wärmestrom-Anlagen genutzt werden kann.

Der größte Teil des Versuchs findet im badischen Boxberg statt. Der Schafhof darf jedoch auch Modell stehen. Grund ist ein hoher Anteil an Wärmestrom-Anlagen, also Nachtspeicherheizungen und Wärmepumpen, weil in dem Wohngebiet ursprünglich kein anderes Heizen erlaubt war. Um Stromspeicherung geht es bei dem Versuch nicht, macht Hans-Jörg Groscurth, EnBW-Sprecher, klar. Sondern darum, die Wärmestrom-Anlagen immer dann zu laden, wenn überschüssiger Ökostrom aus Windkraft- oder Solaranlagen im Netz ist. Dadurch würde das System entlastet – und die Anlagen müssten nicht heruntergeregelt werden.

„Der Charme besteht darin, dass wir die Öfen schon haben – anders als zum Beispiel Pumpspeicherkraftwerke, von denen viele erst gebaut werden müssen“, so der EnBW-Sprecher. Auch wenn er immer wieder betont, das Modellprojekt sei nur „ein Baustein“, sieht er das Potenzial, das hinter der Idee steckt. „Die Leistung der Wärmestrom-Anlagen im Versorgungsgebiet der EnBW entspricht rechnerisch der von zwei bis drei Großkraftwerken“, so Gros­curth. Nach Berechnungen des Energieversorgers könnte zum Beispiel überschüssiger Ökostrom in Gebieten mit vielen Solaranlagen im Herbst und Frühling bis zu 50 Prozent des täglichen Strombedarfs von Nachtspeicheröfen und Wärmepumpen decken.

Aktuell läuft das Auswahlverfahren für das Modellprojekt. Nimmt ein Schafhofhaushalt teil, wird vor der nächsten Heizperiode ein Zusatzgerät angebracht. Damit kann die EnBW die Anlage flexibel ansteuern.

Schafhofbewohnerin Karin Aufhammer, die seit geraumer Zeit für die Idee der Wärmespeicherung kämpft, freut sich, dass der Schafhof am Modellprojekt teilnimmt. „Wir kommen endlich aus der Schmuddelecke raus und haben die Möglichkeit, die Nachtspeicheröfen und Wärmepumpen dafür zu verwenden, Wärme zu speichern und die Netze zu entlasten“, sagt sie. Viele Menschen auf dem Schafhof kämen mit den steigenden Wärmestromkosten nicht klar und fühlten sich gezwungen, für teures Geld auf andere Heizsysteme umzusteigen. Andere heizten ihre Kachelöfen mit Kohle und verursachten dadurch noch mehr CO2. „Wenn wir vorhandene Anlagen nutzen können, sparen wir Umgestaltungskosten und können vor Ort produzierten Strom auch vor Ort nutzen und Anlagen auslasten“, findet Aufhammer.

Die Schafhofbewohnerin, die selbst eine zentrale Nachtspeicheranlage mit Fußbodenheizung in ihrem Haus installiert hat, ist davon überzeugt, dass Heizstrom auf diese Weise wieder bezahlbarer werden würde. „Wir würden ja künftig nicht mehr nur nachts Strom bekommen, sondern dann, wenn er im Überfluss vorhanden und deshalb günstig ist“, sagt sie. Sie ist zuversichtlich, dass der Modellversuch erfolgreich ist. Der Netzbetreiber RWE habe in Essen bereits ein ähnliches Projekt durchgeführt, das bewiesen habe, dass sich überschüssiger Ökostrom in Wärmestrom-Anlagen nutzen lässt.

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