Lokales

Schafstall sichert Landschaftspflege

Neubau in Weilheim ist offiziell eingeweiht worden – Tag der offenen Tür am Sonntag

Der neue Schafstall in Weilheim ist fertig. Bevor Mutterschafe und Lämmer ihr Quartier beziehen, gibt es am Sonntag noch einen Tag der offenen Tür. Bereits gestern haben Vertreter von Stadt, Kreis und Land den Stall eingeweiht – und erklärt, was Schafe eigentlich mit Vogelschutz zu tun haben.

Eingebettet in die Kulturlandschaft liegt der neue Weilheimer Schafstall. Schäfer Frank Rehm (kleines Bild) hat ihn gepachtet.Fo
Eingebettet in die Kulturlandschaft liegt der neue Weilheimer Schafstall. Schäfer Frank Rehm (kleines Bild) hat ihn gepachtet.Fotos: Jean-Luc Jacques

Bianca Lütz-Holoch

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Weilheim. Der Blick vom neuen Weilheimer Schafstall aus ist atemberaubend. Rund herum erstrecken sich riesige Flächen mit Streuobstwiesen. Dazwischen ragt die Limburg empor. „Die Kulturlandschaft ist schon auf den ersten Blick beeindruckend“, sagte Regierungspräsident Johannes Schmalzl gestern bei der offiziellen Einweihung des Landschaftspflegestalls in Weilheim. Aber sie besteche nicht allein durch ihre Schönheit: „Über 5000 Tier- und Pflanzenarten sind hier beheimatet“, hob Schmalzl die Bedeutung der Streuobstwiesen als Lebensraum hervor. Insbesondere für die Vogelwelt sei die Landschaft wichtig. Dieses wertvolle Kleinod gelte es zu erhalten.

Die Stadt Weilheim trägt schon seit Jahrzehnten mit Maßnahmen und Projekten ihren Teil zum Erhalt der Kulturlandschaft bei. Unter anderem erwirbt die Kommune Zug um Zug Flächen in Schutzgebieten. Die gilt es dann allerdings auch zu pflegen. Aktuell müssen 114 Hektar städtische Grünlandfläche gemäht werden. Mit Maschinen ist dort kaum etwas auszurichten, die Kosten wären viel zu hoch. Für den Esslinger Landrat Heinz Einiger gab es keinen Zweifel: „Ohne Schäfer wären die großen Flächen in Weilheim nicht zu bewirtschaften“, betonte er.

Dessen ist sich auch Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle bewusst. „Für uns war klar, dass gerade die Stadt Weilheim mit ihren steilen, klein parzellierten, baumbewachsenen Flächen etwas tun muss, damit auch in Zukunft eine traditionelle Bewirtschaftung möglich ist.“ Schon seit vielen Jahren setzt die Stadt auf die Wanderschäferei. Ihre Wiesen hat sie derzeit an Schäfer Frank Rehm aus Winterlingen verpachtet, der mit seinen vierbeinigen Rasenmähern Streuobstwiesen und Magerrasen rund um die Limburg durchstreift.

Allerdings werden die Bedingungen für Wanderschäfer immer härter. „Das Modell ist auf dem absteigenden Ast“, sagte Johannes Züfle und nannte Zahlen: „Seit 2001 hat sich die Zahl der Wanderschäfter von 200 auf 22 reduziert.“ In die gleiche Kerbe schlug der Regierungspräsident: „Laut Gutachten ist eine Schafbeweidung ohne ausreichende Stallkapazitäten heute nicht mehr möglich“, bezog sich Johannes Schmalzl auf eine Untersuchung.

Der neue Schafstall in Weilheim, der unter dem Namen „Landschaftspflegestall“ firmiert, solle das bewährte System der Schafbeweidung erhalten und verbessern und durch die Pflege der Streuobstwiesen auch zum Natur- und Vogelschutz beitragen. Aufgrund seiner hohen Bedeutung haben das Land Baden-Württemberg und die EU den insgesamt 1,06 Millionen Euro teuren Neubau im Rahmen des LIFE+-Förderprogramms „Vogelschutz in den Streuobstwiesen (siehe Text unten) mit 540 000 Euro gefördert. Den Rest übernimmt die Stadt.

Mit dem neuen Stall brechen für Pächter Frank Rehm nun auch andere Zeiten an. Bislang war der 36-Jährige, unterstützt von seinen Altdeutschen Schäferhunden, ausschließlich als Wanderschäfer unterwegs. „In Zukunft werden die Mutterschafe im Stall ablammen“, klärte Rehm über seine Pläne auf. Vorgesehen sei ein Wechsel im Acht-Wochen-Rhythmus. Ältere Lämmer kommen wieder raus auf die Weide. Das heißt, im Stall halten sich vor allem die Schafe auf, die gerade Nachwuchs haben. Neu ist für den Schäfer dann auch, dass er selbst mähen muss. „Ich werde auch Winterfutter machen“, sagte er.

Insgesamt besitzt Frank Rehm 850 Mutterschafe mit 700 bis 800 Lämmern. Der Großteil davon sind Merino-Landschafe. „Wir stocken aber auf, sonst kommen wir nicht schnell genug rum“, kündigte er an, seinen Bestand zugunsten der Landschaftspflege zu erhöhen.

Über den Stall ist Frank Rehm froh, wird doch die Wanderschäferei immer schwieriger. „Das liegt an der großen Flächenkonkurrenz“, so Rehm. Zum einen liege das an der Milchviehhaltung. Der größte Konkurrent aber seien die Biogasanlagen.

Als seine Haupteinnahmequelle bezeichnete Frank Rehm die Landschaftspflegegelder des Landkreises. „An zweiter Stelle kommt der Lammverkauf und erst viel weiter hinten die Wolle.“

INFO

Am Sonntag, 27. Juli, findet von 11 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür im Schafstall In den Gründen statt. Groß und Klein können dabei mehr über die Schäferei erfahren. Es werden Schaf- und Ziegenprodukte verkauft, außerdem gibt es Führungen, Schafschur-Vorführungen und Filzen für Kinder. Der Obst- und Gartenbauverein und die Landfrauen sorgen für die Bewirtung.

Naturschutz - LIFE+-Projekt "Vogelschutz in Streuobstwiesen" - Einweihung des Landschaftspflegestalls in Weilheim/In den Gründen
Naturschutz - LIFE+-Projekt "Vogelschutz in Streuobstwiesen" - Einweihung des Landschaftspflegestalls in Weilheim/In den Gründen, u.a. mit BM Züfle, Landrat und Johannes Schmalzl

Informationen rund um den neuen Landschaftspflegestall

Der neue Weilheimer Schafstall wurde als Holz-Beton-Konstruktion errichtet. Die Wandverkleidungen bestehen aus unbehandeltem Douglasienholz. Der Stall ist ein Außenklimastall. Das heißt, er wird natürlich be- und entlüftet. Dafür sorgen grüne Windschutznetze in den Wänden an der Ost- und Westseite sowie am Sheddachfirst. Der Boden des Stalls ist mit einer Lehmschicht versehen, die mit Stroh eingestreut wird. Die Tiere werden auf Mistmatratzen gehalten. Komplett ausgemistet wird zwei Mal im Jahr. Zur Fütterung der Schafe stehen zwei automatische Futterbänder bereit, außerdem gibt es acht Tränken. Neben dem Stallgebäude steht eine Berge- und Maschinenhalle, wo auch Futter und Stroh gelagert werden können. Außerdem sind zwei offene Betonbauten vorhanden, die der Schäfer als Fahrsilo oder Mistlagerplatte nutzen kann. Komplettiert wird das Schafstallensemble von vier geräumigen Hundezwingern mit wärmeisolierten Boxen.bil