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„Sie können wirklich zaubern“

Willi Kreppelt aus Ötlingen war 20 Jahre lang im Stuttgarter Staatsministerium für die Dekorationen verantwortlich

Willi Kreppelt aus Ötlingen hatte einen außergewöhnlichen Beruf: Der 74-Jährige arbeitete 20 Jahre lang im Staatsministerium Baden-Württemberg als „Reviergärtner“ – und hat einige berühmte Persönlichkeiten getroffen.

Blumenfan Willi Kreppelt erinnert sich gerne an seine Arbeit im Staatsministerium zurück.Foto: Jean-Luc Jacques
Blumenfan Willi Kreppelt erinnert sich gerne an seine Arbeit im Staatsministerium zurück.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Wenn Willi Kreppelt von seiner Tätigkeit im Staatsministerium erzählt, strahlt er übers ganze Gesicht. Und das zu Recht – schließlich kann nicht jeder von sich behaupten, für die Dekorationen bei großen Empfängen im Neuen Schloss in Stuttgart, im Ludwigsburger Schloss, in der Villa Reitzenstein oder im Schloss Solitude verantwortlich gewesen zu sein. Und dennoch blieb der sympathische 74-Jährige immer auf dem Boden.

Im Jahr 1981 hat es Willi Kreppelt von Unna in Nordrhein-Westfalen ins Schwabenländle verschlagen. Der Grund war die Stelle im Staatsministerium, die deutschlandweit ausgeschrieben war und um die er sich beworben hatte. Unter 38 Bewerbern konnte er sich durchsetzen, erzählt er stolz. Seine Freunde hatten ihn damals gewarnt: „Willst du dir das wirklich antun und zu den Schwaben gehen?“, haben sie ungläubig gefragt. Doch Willi Kreppelt ließ sich davon nicht abhalten. Und im Nachhinein kann er sagen: Es war die absolut richtige Entscheidung.

Der gelernte Gärtner und Blumenbinder, der seit 2007 in Ötlingen lebt, hatte schon immer ein Faible für Dekorationen. „Das war meine Stärke“, erzählt Kreppelt. In diesem Bereich konnte er in Nordrhein-Westfalen als Betriebsleiter einer Gärtnerei und anschließend als Pächter einer Friedhofsgärtnerei viele Erfahrungen sammeln.

Und diese waren auch nötig, denn bei den Empfängen und sonstigen Veranstaltungen in und um Stuttgart musste alles perfekt sein. Willi Kreppelt und seine beiden Mitarbeiter konnten sich keine Fehler erlauben, wenn zum Beispiel Königin Beatrix, Michail Gorbatschow oder der damalige italienische Staatspräsident, Francesco Cossiga, zu Gast waren. Die Tisch- und Raumdekoration musste stets in den Landesfarben des jeweiligen Gastes gehalten sein. Ansonsten hatte Willi Kreppelt freie Hand – und genau diese Freiheit war es, die ihm am besten an seinem Beruf gefallen hat.

Neben den Besuchen von Königin Beatrix im Jahr 1982 und Michail Gorbatschow (1987) war für Willi Kreppelt der Europäische Gipfel 1983 in Stuttgart mit Delegationen aus zehn europäischen Ländern ein Highlight, an das er sich gerne erinnert. In den Fluren und im Treppenhaus des Neuen Schlosses sowie vor dem Weißen Saal sorgte er mit gelben Gerbera und roten Anthurien für herrliche Farbtupfer. Zur Erinnerung „an die Tagung des Europäischen Rates“ erhielt Willi Kreppelt damals aus den Händen des Ministerpräsidenten Lothar Späth eine Medaille – ein schönes Erinnerungsstück, das er selbstredend aufbewahrt hat.

Zwei Ministerpräsidenten hat Willi Kreppelt während seiner Tätigkeit im Staatsministerium erlebt: Neben ­Lot­har Spät war dies Erwin Teufel. Späth war ihm besonders sympathisch, räumt er schmunzelnd ein. Für seine gelungenen Dekorationen habe er ihn stets gelobt. Doch dies hat sich auch Erwin Teufel nicht nehmen lassen: An Weihnachten 1991 beispielsweise schrieb er Willi Kreppelt einen Brief. „Seit nunmehr fast einem Jahr sorgen Sie in sehr aufmerksamer Weise für den Blumenschmuck in meinem Amtszimmer und in meinem Büro. Da ich Blumen sehr liebe, ist es für mich immer wieder eine Freude, die Gestecke und Sträuße, die Sie aufstellen, vorzufinden“, ist in dem Brief zu lesen.

Begeistert war auch Annemarie Griesinger, ehemalige Ministerin für Bundesangelegenheiten, die 1983 Willi Kreppelt handschriftlich schrieb: „Sie können wirklich zaubern! Seit Ihrem Hiersein ist alles schöner!“.

Offiziell hieß Kreppelts Berufsbezeichnung „Reviergärtner für das Staatsministerium“. Angestellt war er bei der Wilhelma, die alle landeseigenen Grünflächen in und um Stuttgart betreut. Viele Jahre lebte Willi Kreppelt in einer Dienstwohnung im Staatsministerium. Der Liebe wegen zog es ihn schließlich nach Ochsenwang. Zehn Jahre lang pendelte er jeden Tag nach Stuttgart. Wenn der 74-Jährige besonders viel Stress hatte, konnte er sich dies allerdings nicht erlauben. In solchen Situationen übernachtete er im Sanitätsraum des Staatsministeriums – oder aber er arbeitete die ganze Nacht durch. Willi Kreppelt erinnert sich zum Beispiel an einen Tag, als er knapp 40  Gestecke hergestellt hatte – für lange Tische wohlgemerkt, so lautete der Auftrag. Doch als er den Raum betrat, sah er plötzlich runde Tische vor sich stehen. „Ich musste die Gestecke komplett neu gestalten“, erzählt Kreppelt von der überaus stressigen Situation und den vielen, vielen Überstunden.

Apropos Überstunden: Diese hatte er auch eingelegt, als sich Ministerpräsident Teufel für einen Empfang Blumen in Vasen wünschte. Willi Kreppelt, Fan von Gestecken, besorgte die gewünschten Vasen, fertigte gleichzeitig aber auch seine hübschen Gestecke an. Den Ministerpräsidenten stellte er schließlich mit den fertigen Kreationen vor die Wahl: Gestecke oder Vasen? „Natürlich hat er sich für die schöneren Gestecke entschieden. Da habe ich ihn ausgetrickst“, erzählt Kreppelt grinsend.

Der 74-Jährige erinnert sich auch noch an eine weniger schöne Begebenheit: Für einen Empfang hatte er einen Raum im Neuen Schloss mit zahlreichen Lilien und Freesien gestaltet. Der Duft der Blumen breitete sich derart aus, dass drei Gäste aufgrund einer Allergie von Sanitätern betreut werden mussten. Dies blieb aber eine von wenigen negativen Erfahrungen, die Kreppelt während seiner 20-jährigen Tätigkeit im Staatsministerium machen musste.

„Meine Arbeit war oft sehr stressig, aber sie war immer schön“, ergänzt er. Die Hektik, die manchmal vor Empfängen aufkam, war schnell vergessen. Schließlich liebte Kreppelt, dessen Vater ebenfalls gelernter Gärtner war, seine kreative Tätigkeit.

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