Lokales

Sinnlose Zerstörungswut

Unbekannte zerstören im Talwald immer wieder Schilder und stehlen die Tiere

Wo rohe Kräfte sinnlos walten – Schillers Worte treffen auch auf Vorgänge im Kirchheimer Talwald zu. Immer wieder zerstören oder stehlen Unbekannte Schilder und Tiere des Waldlehr- und Erlebnispfads. Jetzt musste sogar der Jägersitz dran glauben.

Zerstšrter Walderlebnis- und Lehrpfad bei den BŸrgerseen
Zerstšrter Walderlebnis- und Lehrpfad bei den BŸrgerseen

Kirchheim. Voller Elan und Tatendrang und mit Liebe zum Detail entwickelten die Forst- und Stadtverwaltung gemeinsam den Waldlehr- und Erlebnispfad im Kirchheimer Talwald, der seinen Anfang an den Bürgerseen nimmt. Seit Ende November 2009 können auf der rund 2,5 Kilometer langen Strecke vor allem Kinder den Wald auf spannende Art und Weise erleben, etwa wenn sie in den Weitsprungwettbewerb mit Frosch, Fuchs und Hase einsteigen oder nach dem Eichhörnchen im Baum Ausschau halten. Auch die Erwachsenen erfahren beim Spazierengehen so ganz nebenbei vieles über den Wald, seine Funktion oder die einzelnen Baumarten.

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Mit Tatendrang der ganz anderen Art müssen sich jedoch Revierförster Daniel Rittler und seine Waldarbeiter seit geraumer Zeit herumschlagen:

mit sinnloser Zerstörungswut. „Die Schilder sind kaputt oder samt Eichenpfosten rausgerissen und in der Grillstelle bei den Bürgerseen verbrannt worden“, macht der Revierförster auf die Missstände aufmerksam. Besonders beliebt bei den Vandalen sind die Schilder, die recht nahe an den Seen stehen. Doch auch die Tiefe­ des Waldes ist nicht unbedingt ein Schutz vor destruktiven Zeitgenossen. Da staunte selbst Daniel Rittler nicht schlecht, als er den Jägersitz vergangene Woche nicht an seinem angestammten Platz oberhalb einer Lotharsturmfläche sah, sondern einige Meter tiefer in einem kleinen Bachbett. Der nur auf kurzen Füßen stehende Hochsitz war mit einigem Kraftaufwand aus der Verankerung herausgerissen und schließlich noch an den Rand der kleine Schlucht bugsiert worden, ehe er den Hang hinabrutschte. Damit die Kinder am Wochenende wieder ihre Freude mit dem Häuschen haben konnten, wurde der von den Jägern gebaute Unterstand schnell repariert und wieder an Ort und Stelle neu verankert. Er hat jetzt ein neues Dach und auch einige neue Bretter.

Den Dachs, auf den im Innern des Jägersitzes aufmerksam gemacht wird, suchen die kleinen Tierbe­obachter allerdings vergeblich. Während das Reh im Dickicht neben dem eigens für den Lehrpfad angelegten Tümpel auf seine Entdeckung harrt, fehlt vom Dachs, der auf einen bemoosten Stamm aufmontiert war, jede Spur. Das gleiche Schicksal erlitt auch das Reh an der Weitsprunggrube. Frosch, Fuchs, Maus und Hase sind noch im Original vorhanden und zeigen die Entfernung ihrer Sprungkünste an. Am Reh fand jedoch jemand großen Gefallen, weshalb dort bereits Reh Nummer zwei steht. „Wenn die Leute wenigstens die Tiere liegen lassen würden – dann könnten wir sie wieder anmontieren“, ärgert sich der Revierförster. Bislang sind die Kunsttiere mit langen Eisenstäben im Boden verankert. Mittlerweile überlegt Daniel Rittler, ob er mit Querverstrebungen arbeiten soll, um so der Zerstörung einen Riegel vorschieben zu können.

Besser haben es da Baumbewohner wie Eichhörnchen, Marder, Fledermaus und Co. Sie sind in luftiger Höhe an den Baumstämmen angebracht und somit unerreichbar für Demolierer. „Ich kann doch aber ein Reh nicht in den Baum hängen – das wär ja Blödsinn“, so Daniel Rittler.

Den Blödsinn im Talwald machen andere.