Lokales

Strom für Autos, Züge, Flugzeuge und Schiffe

Zweiter Standortdialog „eMobilität“ in Kirchheim – Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten

Zum zweiten Mal ging es in Kirchheim in einem Standortdialog um elektrische Mobilität. Eingeladen hatte der Bundesverband eMobilität (BEM), Gastgeber war die Firma AMK Automotive. Sie fertigt auch einen Motor für Pedelecs. Zu den Referenten zählte Veit Steinle, Abteilungsleiter im Bundes­verkehrsministerium.

In der Ausstellung vor dem Firmengebäude waren kompakte Elektroautos, elektrisch umgerüstete Fahrzeuge des Paketdienstes UPS, Pe
In der Ausstellung vor dem Firmengebäude waren kompakte Elektroautos, elektrisch umgerüstete Fahrzeuge des Paketdienstes UPS, Pedelecs und ein Elektroscooter zu sehen.Foto: Peter Dietrich

Kirchheim. Die Ladestation für zwei Elektroautos, die AMK-Geschäftsführer Thomas Lützenrath der Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker überreichte, war in doppelter Weise vorläufig: Zum einen ist das Design noch nicht endgültig, zum andern muss der Gemeinderat noch über die Annahme der Spende entscheiden. So manches ist auch bei der Elektromobilität noch längst nicht endgültig sicher: Was wird sich durchsetzen, Brennstoffzelle oder Batterie? Wird Deutschland weiterforschen und vorne dranbleiben, oder sich zurücklehnen und den Markt stattdessen den aufstrebenden Chinesen überlassen?

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„Wir verstehen uns nach wie vor als Ideensammler“, beschrieb Monika Lauer, Leiterin der BEM-Landesvertretung Baden-Württemberg, die Rolle ihrer Organisation. Die AMK-Gruppe, betonte deren Aufsichtsratsvorsitzender Eberhard Müller, wolle Vorbildfunktion übernehmen. Immer mehr komme die „total cost of ­ownership“ in den Blick – also die Frage, was eine Neuanschaffung über den gesamten Nutzungszeitraum koste. Davon mache der Energieverbrauch eine ganze Menge aus. Matt-Heidecker sieht die Region „im Wandel von der Automobil- zur Mobilitätsregion“. Bis 2030 werde eine Zunahme des Verkehrs um ein Drittel erwartet. Dabei sollten immer mehr Bahn, Bus und Fahrrad zum Zuge kommen.

Doreen van Almsick von AMK Automotive sieht einen Paradigmenwechsel „weg vom großen Motor mit kleinem Tank, hin zu einem kleinen Motor mit großem Energiespeicher“. Die Unterstützung der Energiewirtschaft sei nötig, denn es werde ein intelligentes Stromnetz gebraucht. Vom Wirkungsgrad sei der elektrische Antrieb weit überlegen: Der Verbrennungsmotor bringe es auf 20 bis 25 Prozent, die Brennstoffzelle auf 40 bis 50 Prozent, der Batterieantrieb auf 70  bis 80 Prozent. Die Frage sei, ob die Fahrzeuge der Zukunft noch die großen Fahrzeuge der Gegenwart seien. Eine neue Entwicklung seien Fahrzeuge, die permanent mit anderen Fahrzeugen kommunizierten. Komme das Auto zu dem Schluss, „ich baue jetzt einen Unfall und das lässt sich nicht vermeiden“, dann könne es die Sitze in Richtung der sichereren Mitte der Fahrzeugkabine verschieben.

In der Ausstellung vor dem Firmengebäude waren nicht nur kompakte Elektroautos, elektrisch umgerüstete Fahrzeuge des Paketdienstes UPS, Pedelecs und ein Elektroscooter zu sehen, sondern auch der „Formula Student“. Dieses Rennauto mit vier elektrischen Radnabenmotoren schafft die Beschleunigung von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde in 2,13 Sekunden. Und es schaffte einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde.

Auch Veit Steinle ging auf den derzeitigen Wandel ein. Immer mehr junge Leute im Ballungsraum lebten ohne Auto. Erst bei einer Familiengründung dächten sie über ein solches nach. 30 Prozent des gesamten Energieverbrauchs entfielen auf den Verkehr. Bei den Autos habe es von 2005 bis 2011 einen Rückgang von sieben Prozent gegeben, im Straßengüterverkehr aber einen Anstieg um drei Prozent. 90 Prozent des Straßenverkehrs in der EU seien bisher auf fossile Brennstoffe angewiesen. Wichtig sei nicht nur die Elektrifizierung des Straßenverkehrs, sondern auch der Schiene, des Luftverkehrs und der Bordversorgung der Schiffe. Flugzeuge könnten etwa bei Start und Landung Strom einsetzen und dabei auch leiser werden. Werden die geplanten eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland bis 2020 erreicht? „Schauen wir mal“, meinte Steinle. Bis zum Jahresende gebe es 16 Modelle von deutschen Herstellern. Ziel sei ein einheitlicher Ladestecker, wie beim Handy auch. Bis zum Sommer werde der Entwurf eines Elektromobilitätsgesetzes kommen. Dürfen dann Elektroautos auf Busspuren fahren? Das will Steinle den Kommunen überlassen. Er warnte aber davor, jetzt die Weiterentwicklung der Technik dem Markt zu überlassen und etwa die Plattform für Elektromobilität aufzulösen. „Das wäre ein fatales Signal. Wir wollen Leitanbieter sein, der weltweite Wettbewerb ist hoch.“