Lokales

Über allerlei Getier und Menschliches . . .

Hans-Hilmar Seel präsentierte im ersten Obergeschoß des Kornhauses gut ausgewählte Reime

Kronhaus Lesung mit Hans-Hilmar Seel
Kronhaus Lesung mit Hans-Hilmar Seel

Kirchheim. Das Experiment war eher ungewöhnlich, aber zweifellos sehr erfolgreich. Um eine laufende Ausstellung mit passenden Gedichten kommentieren zu können, muss

man schließlich sehr gut aufgestellt sein und nicht nur dichten, sondern auch in der Lage sein, sich in die Welt ambitionierter Künstler hineinversetzen zu können.

Hans-Hilmar Seel fällt das nicht schwer, denn er hat sich nicht nur als engagierter Kunstschaffender, sondern auch als Meister des gereimten Wortes längst einen guten Namen gemacht und mit seinen drei neuesten veröffentlichten Büchern „Seels Kunstkaleidoskop“, seinem „Gedichte von Adam bis Zeitzeuge“ zusammenfassenden „Spiegelkabinett“ mit dem Titel „Seels Menschenbild“ und dem schon im Februar 2013 erschienenen eindrucksvollen Almanach „Seels Tierleben“ die passenden Pub­likationen aktuell auf den Markt gebracht.

Dass er sie nun auszugsweise im Rahmen der Ausstellung „Allerlei Getier und Menschliches“ im ersten Obergeschoss des Kirchheimer Kornhauses präsentierte, war folgerichtig, und wurde auch vom begeisterten Publikum entsprechend goutiert. Das versammelte Publikum war dann auch nicht ganz so dispers, wie es ­gemeinhin bei Ausstellungen begleitenden Veranstaltungen der Fall ist. Man kannte sich größtenteils, wusste auch schon um die bereits vorliegenden Publikationen zum Thema und konnte sich bei einem gelungenen Heimspiel auf eine stimmige und an der aktuellen Ausstellung orientierte Auswahl aus gleich drei aktuellen Büchern verlassen.

Hans-Hilmar Seels Hommage auf Jürgen Rösners „Mottenensemble“ fiel zwar mit nur vier Zeilen denkbar knapp, dafür aber umso treffender aus. Leonie Fieberlings Moschusochsen-Gemälde konnte der reimende Künstler dagegen gleich mit einer ganzen Buchseite reimend gegenübertreten. „Ein paar noch jugendfreie Verse, die sich auch um Intimes ranken“ fand er unter dem Titel „Ob mit Fell oder im Hemd“, und aus einer ganzen Reihe von Vogelgedichten hatte er sich beim Blick auf Sabine Fleischmanns „Randgespräche“ für sein Gedicht über die „Lerche Jubila“ entschieden.

Zum Thema Fische konzentrierte sich der Autor neben dem schuppenfreien, dafür aber umso verschleimteren und daher auch niemals aneckenden Aal vor allem auf den von ihm „zur liebsten Speise“ erklärten Lachs und das ihn olfaktorisch umschmeichelnde „Parfüm von Freiheit“. Im Blick auf die im Kirchheimer Kornhaus ausgestellten Bilder von Anne Schäfer hatte sich Hans-Hilmar Seel auf den in seinem Buch „Seels Menschenbild“ porträtierten „Genießer“ konzentriert und passende Reime zum Besten gegeben.

Unterstützt wurde der wortgewaltige und vor allem auch sehr kunstaffine Reimer bei seinem gut arrangierten Vortragsabend von seiner stimmgewaltigen Tochter Sandra-Tina Seel, die a cappella mit „Over the Rainbow“ und „Nessaja“ aus dem Musical „Tabaluga“ überzeugte, ihrem Sohn Robin Fabio Stricker, der mit Cajon-Soli aufhorchen ließ, und von Hans-Hilmar Seels Ehefrau Monika, die – sich selbst auf der Gitarre begleitend – mit „Die Perle“ den offiziellen Teil der gelungenen Lesung ausklingen ließ.

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