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Unterrichten, wo der Pfeffer wächst

Der Kirchheimer Student Nico Zimmermann ist zurzeit in Madagaskar tätig

Madagaskar, ein Land, das für viele durch den gleichnamigen Animationsfilm oder das bekannte Matrosenlied geprägt ist. Doch was das Land wirklich ausmacht, wollen die drei 23 Jahre alten Studenten Anja Neumann aus Heimsheim, Mirjam Knoll aus München und Nico Zimmermann aus Kirchheim erforschen.

Unterrichten, wo der Pfeffer wächst

Kirchheim. Während ihres dreimonatigen Aufenthalts sind die drei Studenten als ehrenamtliche Dozenten an der École Supérieure Spédialisée du Vakinanakaratra (ESSVA) in Antsirabe im Hochland Madagaskars tätig. Dort begrüßte sie der ehemalige Rektor der Fachhochschule, Alain Rabarijaona. Er ist den drei Studenten aus Treffen in Deutschland gut bekannt. Auch er selbst kennt sich in Baden-Württemberg recht gut aus, denn Alain war bereits als Vikar in Eningen und Reutlingen tätig und wird ab dem Frühjahr 2011 die Gemeinde Bad Urach als neuer leitender Pfarrer beehren.

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Am frühen Montagmorgen um 7.45 Uhr beginnt an der Fachhochschule die neue Woche. Die Studenten stehen in Schuluniform – schwarze Hose und gelbem Hemd – in Reihen auf dem Hof und beginnen die Woche mit gemeinsamem Singen der madagassischen Nationalhymne. Kaum sind die letzten Töne ver-klungen, tritt der Rektor vor die Studenten und begrüßt sie. Nach zwei Vorlesungsstunden versammeln sich Studenten und Dozenten vor dem Gelände an Straßenständen und in der Kantine. Die Pause wird genutzt, um ausreichende Stärkung bis zur Mittagspause um 12 Uhr zu erlangen. Der Kaffee auf der Straße ist für unschlagbare zwei Cent zu bekommen und in der Kantine wird der Tee gratis ausgeschenkt.

Zur Mittagspause bietet die fachhochschuleigene Küche preiswerte, von Studenten zubereitete madagassische Spezialitäten an. Die Industrieküche ist übrigens, wie Vieles an der Hochschule, eine Spende der Schweizer Stiftung Fondation Ass.Madagascar (FAM), die auch die Hälfte der Kosten jedes Studenten übernimmt. Ohne diese Unterstützung und die ansässige Diözese gäbe es für aktuell 556 Studenten keine Studienmöglichkeit.

Angesichts dessen ist es für die drei Studenten noch viel wertvoller, ihren Beitrag zur Ausbildung madagassischer Studenten zu leisten. Bildung ist ein wichtiger Weg, einem Entwicklungsland zu helfen, sich selbst zu helfen. So lautet auch das Haupt-Motto des Bildungsaustauschprogramms. Mit dem Sprachunterricht in Deutsch und Englisch in den Studiengängen Öko-Tourismus, Kommunikation und Wirtschaftsmanagement sollen gleichzeitig deutsche Tugenden, wie Pünktlichkeit, Disziplin und Ehrgeiz vermittelt werden. So wünscht es die Leitung der Fachhochschule.

Madagaskar ist ein Entwicklungsland, dessen Bevölkerung zu 45 Prozent jünger als 14 Jahre ist. Das durchschnittliche jährliche Einkommen der rund 20,5 Millionen Madagassen liegt bei 600 Euro. Trotz der Armut besitzen sie eine ansteckende Lebensfreude. Beeindruckend für die Deutschen ist vor allem die Kreativität in den ländlichen Regionen der ehemaligen französischen Kolonie.

„Die ESSVA ist eine ausgezeichnete Hochschule, die für ihre fundierte Ausbildung in Madagaskar geschätzt wird“, meint Dr. Yuan Randriansandratriniony, der Präsident des madagassischen Senats. So ist die Internationale Ausrichtung der Fachhochschule einerseits durch die Schweizer Stiftung sowie auch durch die neue Patenschaft mit der ESB Business School in Reutlingen maßgeblich geprägt und durch internationale Lehrkräfte zudem untermauert.

Allzuviel Zeit für Expeditionen bleibt den drei „Vassa“ (Fremder), wie die „Weißen“ oft liebevoll genannt werden, somit nicht. An Arbeit mangelt es den Studenten nicht. Das nächste Projekt, die Ausstattung der Hochschule mit einer Photovoltaik-Anlage, steht auch schon in den Startlöchern.pm