Lokales

„Verbieten kann man das Smartphone nicht“

Straßenumfrage: Eltern sollten ihre Kinder über mögliche Gefahren aufklären – Nicht alle stellen Regeln auf

Gerade für Jugendliche gehört das Smartphone heutzutage einfach dazu. Der Teckbote hat sich unter Eltern umgehört: Erlauben sie es ihren Kindern, ein Smartphone zu nutzen? Stellen sie bestimmte Regeln auf?

Umfrage Smartphone 02
Umfrage Smartphone 02

Kirchheim. Immer früher interessieren sich Kinder für Smartphones – davon kann Alexander Sigel aus Owen ein Lied singen: „Schon mein vierjähriger Sohn will auf meinem Handy Spiele spielen.“ Doch das kommt für den 46-Jährigen nicht in die Tüte. Gleichwohl weiß er, dass er seine Kinder nicht auf Dauer von Smartphones fernhalten kann. Seine zwölfjährige Tochter besitzt zwar bereits eines, aber es handelt sich bislang nur um ein Notfalltelefon ohne Internetzugang. „So langsam macht sie jedoch Druck und sagt, dass die meisten ihrer Klassenkameraden schon ein Smartphone mit Internet haben“, erzählt Sigel. „Wir zögern es so lange wie möglich hi­naus, aber ganz verbieten können wir es nicht.“

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Wichtig sei, die Kinder über mögliche Gefahren aufzuklären. Außerdem müsse man darauf achten, dass sie trotzdem noch genügend Zeit zum Lernen und für Hausaufgaben haben. Hier seien die Eltern gefragt, betont Alexander Sigel.

Das bestätigt Mehmet Dogan aus Kirchheim: „Wir Eltern müssen den Kindern zeigen, dass es noch andere Dinge gibt, die Spaß machen.“ Sein zwölfjähriger Sohn beschäftige sich mittlerweile sehr oft mit seinem Smartphone, was sein Vater bedauert. Ihm macht vor allem Sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel über den Nachrichtendienst WhatsApp nur noch in einer Art „Straßensprache“ miteinander kommunizieren. „Da schreibt der eine ,Hi, was geht?‘, und der andere antwortet ,Nix, chillen‘. Ein Dritter fragt dann ,Und was geht noch?‘“, erzählt Dogan. „Und jedes Mal gibt es dazu einen Klingelton. Das nervt mich.“ Den Kindern zu verbieten, ein Smartphone zu besitzen, sei allerdings schwierig. „Irgendwann muss man nachgeben.“ Generell sei es ja auch gut, wenn sie lernen, mit der Technik umzugehen, „aber ich habe ein bisschen Angst, dass die normale Kommunikation verloren geht“.

Auch Konstanze Holl aus Linsenhofen weiß, dass Jugendliche, die kein Smartphone besitzen, heutzutage schnell isoliert werden. Deshalb hat sie ihren 13 und 16 Jahre alten Kindern erlaubt, die Geräte zu nutzen. Für den 13-jährigen Sohn gibt es aber bestimmte Regeln: Nach der Schule muss er sein Smartphone abgeben, um in Ruhe Hausaufgaben machen zu können. Tabu ist das Handy außerdem zur Schlafenszeit: Sobald der 13-Jährige ins Bett geht, muss er das Gerät erneut seinen Eltern überlassen. Die 48-jährige Kons­tanze Holl findet es unfassbar, dass zum Teil schon Kindergartenkinder mit Smartphones ausgestattet werden. „Ich habe immer gesagt: Meine Kinder bekommen erst dann Handys, wenn sie weiterführende Schulen besuchen.“

Im Alter von 15 Jahren hat auch die heute 17-jährige Tochter von Petra Weigand aus Kirchheim ein Smartphone erhalten. „Ich finde es klasse. Wir schreiben uns viel über WhatsApp. So haben wir immer Kontakt“, erzählt die 49-Jährige. „Meine Tochter ist viel in Stuttgart unterwegs, auch mit der S-Bahn. Da möchte ich wissen, was bei ihr los ist.“ Regeln hat sie ihrer Tochter nie auferlegt; sie vertraut ihr schlichtweg. Etwas schade findet sie es allerdings, dass ihr Nachwuchs schon am Frühstückstisch mit dem Handy herumspiele. Mittlerweile hat sie sich aber damit abgefunden.

Schmunzelnd erinnert sich Petra Weigand daran, dass sie das Smartphone ihrer beiden Kinder drei Mal in der Schule hat abholen müssen. „Es war von Lehrern konfisziert worden, weil es nicht ausgeschaltet war.“

Gar keine Probleme bezüglich Smartphones und dem Umgang damit gibt es im Hause Stahl in Kirchheim: Die Tochter von Wolfgang Stahl hat mit 16 Jahren ein Handy erhalten. „Mein älterer Sohn hat ihr sein altes Smartphone überlassen“, erzählt der 54-Jährige. Er freut sich darüber, dass seine beiden Kinder trotz Smartphone noch Zeit haben, zu lernen und ihren Hobbys nachzugehen.

Fotos: Jean-Luc Jacques

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