Lokales

Vermögen voll erfasst

Die Stadt Kirchheim legt ihre Eröffnungsbilanz vor

Etwas mehr als acht Berufsjahre hat Herbert Sedlaczek-Kohl, der sich demnächst in den Ruhestand verabschiedet, als Stadtkämmerer in Kirchheim verbracht. In diesen acht Jahren war er federführend für ein Großprojekt verantwortlich: die Umstellung von der Kameralistik auf die doppische Haushaltsführung. Zum 1. Januar 2013 war diese Umstellung erfolgt. Was aber bislang noch fehlte, war die Eröffnungsbilanz. Jetzt liegt sie druckfrisch vor.

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Andreas Volz

Kirchheim. In aller Vorsicht, wie sie einem erfahrenen Kämmerer gut ansteht, ist dem Titel „Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2013“ noch ein kleiner Vermerk nachgestellt – „vorläufig“. Das Stichwort ließe sich in diesem Zusammenhang aber auch ganz anders interpretieren: Die Eröffnungsbilanz hatte nämlich einen langen zeitlichen Vorlauf. Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer 2006 hatte Herbert Sed­laczek-Kohl darauf hingewiesen, was da auf ihn und seine Kämmerei, letztlich sogar auf die gesamte Stadtverwaltung zukommt: Nach dem neuen kommunalen Haushaltsrecht seien sämtliche Gebäude und Grundstücke im Eigentum der Stadt zu bewerten. Das war aber höchstens die halbe Wahrheit, denn erstmals erfasst sind in der Zwischenzeit insgesamt „35 000 Anlagegüter“, eingeteilt in die Kategorien „beweglich“ und „unbeweglich“.

Die Recherchen zur Bewertung der Güter waren umfangreich und reichten mitunter recht lange in die Vergangenheit zurück. Je weiter in frühere Zeiten zurückzugehen war, desto „einfacher“ waren die gesetzlichen Vorgaben zur Bewertung. Für den Zeitraum vom 1. Januar 2007 an hatte die Vorgabe geheißen, „die tatsächlichen Anschaffungs- und Herstellungskosten“ zu ermitteln. In manchen Fällen sahen aber die „Vereinfachungen“ auch vor, von Durchschnittswerten auszugehen oder von Erfahrungswerten. Das war insbesondere dann möglich, wenn das entsprechende Anlagegut schon vor dem 31. Dezember 1974 dem Vermögen der Stadt hinzugefügt worden war.

Allerdings ging es bei der Eröffnungsbilanz um weit mehr als nur darum, das kommunale Vermögen Kirchheims, also die Mittelverwendung, zu inventarisieren. Das war nämlich nur die eine Seite der umfangreichen Arbeit. Auf der anderen Seite war die Verwaltung gefordert, die Herkunft der Mittel oder des Vermögens zu ermitteln. In beiden Fällen – Aktiva wie Passiva – zeigt die Kirchheimer Eröffnungsbilanz beachtliche Schwerpunkte.

Aktiv kann die Stadt Kirchheim ein Vermögen von fast 432 Millionen Euro für sich verbuchen. Die „immateriellen Vermögensgegenstände“ – etwa Konzessionen und Lizenzen – sind dabei mit knapp 330 000 Euro veranschlagt. Ansonsten teilt sich das Vermögen auf in Sachvermögen (375 Millionen Euro) und Finanzvermögen (56 Millionen Euro). Der Löwenanteil des Sachvermögens wiederum fällt mit 365 Millionen Euro auf Grundstücke und Infrastrukturvermögen.

Bei den Passiva ergibt sich ein entscheidender Unterschied zwischen der Kommune und einem Unternehmen der freien Wirtschaft. Das Eigenkapital – in diesem Fall „Kapitalposition“ genannt – beläuft sich auf 354 Millionen Euro. Je nach Berechnungsweise ergibt sich eine Eigenkapitalquote zwischen 82 und 93 Prozent. Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker stellt dazu fest: „Das ist außergewöhnlich im Vergleich mit der Wirtschaft.“ – Eines aber wird sich künftig kaum mehr von der Wirtschaft unterscheiden: Herbert Sedlaczek-Kohl betont im Blick auf die Eröffnungsbilanz, dass dieses Werk „von nun ab“ mit jeder einzelnen Buchung fortgeschrieben werde.