Lokales

Viele Kulturen – und ein Park für alle

Die Kirchheimer haben am Sonntag ihren Bürgerpark in den Herrschaftsgärten gemeinsam eröffnet

Mit einem großen Fest hat die Stadt Kirchheim am Sonntag den neuen Bürgerpark in den Herrschaftsgärten seiner Bestimmung übergeben. Ein buntgemischtes Publikum – bestehend aus Kirchheimern, die den unterschiedlichsten Kulturen angehören – hat gemeinsam gefeiert und dabei die Einheit der Vielfalt beschworen.

Eröffnung des neuen Stadtparks mit dem Hain der Kulturen, mit den Bürgermeistern der Partnerstädte aus Kalocsa und Rambouillet
Eröffnung des neuen Stadtparks mit dem Hain der Kulturen, mit den Bürgermeistern der Partnerstädte aus Kalocsa und Rambouillet

Andreas Volz

Anzeige

Kirchheim. Der Bürgerpark soll eine Vielfalt an Aufgaben wahrnehmen, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrer Ansprache zur Eröffnung des „Hains der Kulturen“. Sie begann bei der Aufzählung der Aufgaben mit den kleinsten und zartesten Geschöpfen, denen der Park Kraft und Energie zum Überleben geben soll: mit den Schmetterlingen. „Wir haben die Verpflichtung, das Fortbestehen der Schmetterlinge zu gewährleisten“, sagte sie und verwies darauf, dass ein Großteil der Bepflanzung im Bürgerpark den Empfehlungen der BUND-Aktion „Schmetterlingsland Baden-Württemberg“ entspreche.

Außerdem wolle die Stadt Kirchheim mit dem Bürgerpark auch ihrem Bildungsauftrag nachkommen. Deshalb gibt es dort ein Grünes Klassenzimmer für die Alleenschule. Besonders bedankte sich die Oberbürgermeisterin beim Förderverein der Alleenschule, der 5 300 Euro zum Bau der Rutsche im Park gespendet hat.

Der wichtigste Zweck des Parks ist natürlich der, den Menschen, die sich in der Nähe aufhalten, „einen Ort des Ausspannens und Ruhefindens“ zu bieten. Aber der Park sei eben noch viel mehr als nur das, stellte Angelika Matt-Heidecker fest und kam dabei auf die Idee des Bürgerparks und des Hains der Kulturen zu sprechen.

„Das Zusammenleben in der Kommune ist geprägt von Menschen unterschiedlicher Kulturen“, sagte die Oberbürgermeisterin – und die Zusammensetzung des Publikums bestätigte ihre Worte eindrucksvoll. „Wir verstehen die Integration als Daueraufgabe in unserer Gesellschaft.“ Der Gedanke, dass die Aufgaben der Integration irgendwann einen Abschluss finden könnten, sei nämlich falsch. Vielmehr sei Deutschland auf Zuwanderung angewiesen, insbesondere auf die Zuwanderung junger Menschen.

Die Wirklichkeit in Kirchheim beschrieb Angelika Matt-Heidecker folgendermaßen: „Menschen aus unterschiedlichen Ländern wohnen in Kirchheim und fühlen sich mit ihrem jeweiligen Land verbunden. Sie fühlen sich aber auch mit ihrer neuen Heimat in Deutschland verbunden.“ Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Kirchheimer unterschiedlichster Herkunft beschrieb sie deshalb treffend als „Einheit der Verschiedenen“.

Jeder einzelne der 14 Bäume, die verschiedene Vereine und Organisationen für den Hain der Kulturen gestiftet haben, ist für die Oberbürgermeisterin ein Symbol für das Miteinander aller Nationen und Kulturen in Kirchheim: „Der Baum ist mit seinen Wurzeln fest in der Erde verankert. Er überdauert Generationen. Und durch seine Fotosynthese ermöglicht er erst das Leben, wie wir es kennen.“

Der Baum, den Mitglieder aller Kulturen anschließend symbolisch pflanzten, war eine Esskastanie, den die Stadt Kirchheim zum Hain der Kulturen beigetragen hat. Das Schild, das vor dem „Kirchheimer Baum“ angebracht ist, bringt die Idee der Baumaktion noch einmal mit einem besonderen Satz zum Ausdruck: „Für den Baum macht es keinen Unterschied, wer in seinem Schatten sitzt.“

Ebenfalls einen Maronenbaum hat Kirchheims französische Partnerstadt Rambouillet gestiftet. Rambouillets neuer Bürgermeister Marc Robert sprach in seinem Grußwort davon, dass es in seiner Stadt bereits einen ganz ähnlichen Park gebe. Diese Tatsache wertete er als „Symbol unseres gemeinsamen Wollens zur Integration in Europa“.

In Kirchheims ungarischer Partnerstadt Kalocsa, die mit einer Eiche im Bürgerpark vertreten ist, gibt es einen ganz ähnlichen Gedanken: „Wir haben kürzlich einen Park der Jugend übergeben“, sagte Bürgermeister Ferenc Török. Gerade der Jugend gehöre die Zukunft, und zwar in ganz Europa. Um beim Bild des Baumpflanzens zu bleiben, fügte er noch hinzu: „Wenn du für dich etwas pflanzen willst, dann setze Blumen. Wenn du für deine Kinder etwas pflanzen willst, dann setze Trauben. Wenn du aber auch an deine Enkel denkst, dann musst du einen Baum pflanzen.“

Drei Bäume im Bürgerpark stammen von türkischen beziehungsweise muslimischen Organisationen. In einem ganz kurzen Grußwort wünschte deshalb der Generalkonsul der Republik Türkei in Stuttgart, Mustafa Türker Ari, der Stadt Kirchheim „alles Gute für diesen Garten“.

Was alle Kulturen auf ihre Art miteinander verbindet, ist zum einen die Musik. Deshalb erfreuten Schüler der Alleenschule aus verschiedenen Altersstufen die Besucher der Park­eröffnung mit ihren Gesangsdarbietungen. Was die Kulturen außerdem verbindet, ist der Brauch des Teetrinkens. Für den Tee im Hain der Kulturen war der Förderverein der Alleenschule zuständig, der die Gäste außerdem mit Gebäck bewirtete, das es in dieser Form ebenfalls in fast allen Kulturen geben dürfte.

Die Idee vom völkerverbindenden Tee hatte auch Barbara Bürckner aufgegriffen – für ihre Performance „Stadtstärkung durch Tee und Pflanzen. Tee stärkt die Bewohner. Pflanzen stärken die Stadt.“ Dabei verschenkte sie Ringelblumensamen, mit der Aufforderung, diese in der Stadt zu verteilen. Interaktiv soll die „Stadtstärkung“ anschließend zu einem Stadtplan führen, der per Fotobeweis aufzeigt, wo überall in Kirchheim Ringelblumen gewachsen sind.

Eine weitere Kunstaktion am Sonntag stand unter dem Motto: „Heimat, Vogelfrei, Gänseblümchen“. Kerstin Schaefer war mit ihrer bunten Schubkarre unterwegs, um zwischen Anwohnern und Flüchtlingen Pflanzen auszutauschen.

Den Abschluss des offiziellen Teils bildete ein interreligiöses „Gebet für die Stadt“. Vertreter von sechs unterschiedlichen Religionen und Konfessionen – Islam, Hinduismus, Buddhismus sowie evangelisches, katholisches und griechisch-orthodoxes Christentum – rezitierten Texte aus ihrer Religion, in denen es um die Verantwortung der Menschen für die Natur geht. Pastoralreferent Reinhold Jochim sagte einleitend, dass dieses gemeinsame Gebet zum Ausdruck bringe, „wie gut der interreligiöse Dialog in unserer Stadt funktioniert“. Dieser Dialog sei nicht nur für das Miteinander in der Stadt wichtig, sondern auch für den Weltfrieden.

Daran zeigt sich, wie auch kleinen Gesten in einer verhältnismäßig kleinen Stadt eine große Bedeutung zukommen kann – und sei es auch nur durch die symbolische Wirkung. Das war schon am Sonntagmorgen so, als sich die beiden Bürgermeister aus den Partnerstädten gemeinsam mit Angelika Matt-Heidecker im Goldenen Buch der Stadt Kirchheim verewigten. „Wir haben die Aufgabe, Europa gemeinsam zu leben“, hatte die Oberbürgermeisterin gesagt. Sie glaube, dass die Partnerschaften Kirchheims mit Rambouillet und Kalocsa „ganz deutlich zeigen, wie der europäische Einigungsprozess vonstattengegangen ist und wie die Menschen in Europa sich nicht nur nähergekommen sind, sondern sogar Freunde geworden sind.“

Eröffnung des neuen Stadtparks mit dem Hain der Kulturen, mit den Bürgermeistern der Partnerstädte aus Kalocsa und Rambouillet
Eröffnung des neuen Stadtparks mit dem Hain der Kulturen, mit den Bürgermeistern der Partnerstädte aus Kalocsa und Rambouillet
Eröffnung des neuen Stadtparks mit dem Hain der Kulturen, mit den Bürgermeistern der Partnerstädte aus Kalocsa und Rambouillet
Eröffnung des neuen Stadtparks mit dem Hain der Kulturen, mit den Bürgermeistern der Partnerstädte aus Kalocsa und Rambouillet
Eröffnung des neuen Stadtparks mit dem Hain der Kulturen, mit den Bürgermeistern der Partnerstädte aus Kalocsa und Rambouillet
Eröffnung des neuen Stadtparks mit dem Hain der Kulturen, mit den Bürgermeistern der Partnerstädte aus Kalocsa und Rambouillet