Lokales

Vieles spricht für Kirchheim

Arnd Kaiser wird neuer Pfarrer der Kreuzkirche – Seelsorger und Gartenfreund

Fast 20 Jahre lang war Arnd Kaiser als evangelischer Pfarrer in Eislingen. Dort gefiel es ihm sehr gut, er fühlte sich „beheimatet“, seine drei Kinder wuchsen dort auf. Doch für Kirchheim, wo Kaiser an der Kreuzkirche seine neue Stelle antritt, spricht aus Kaisers Sicht ebenfalls sehr viel.

Pfarrer Arnd Kaiser, Kreuzkirche, auf der Terrasse das Pfarrhauses - er und seine Frau sind große Pflanzen- und Gartenliebhaber
Pfarrer Arnd Kaiser, Kreuzkirche, auf der Terrasse das Pfarrhauses - er und seine Frau sind große Pflanzen- und Gartenliebhaber

Kirchheim. „Mein Schwerpunkt war die Seelsorge, ich war sehr nahe bei den Menschen“, sagt Kaiser. Sehr oft war er in Eislingen zu Hausbesuchen unterwegs, etwa zu Eltern von Konfirmanden. „Ich kannte alle.“ Während der Religionsunterricht für manche Pfarrer ein Kreuz ist, war Kaiser in Eislingen sehr gerne an der Realschule. In Kirchheim wird er wahrscheinlich ab dem neuen Schuljahr unterrichten, wo ist noch unbekannt.

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Die jüngste in der Familie, Nora, geht derzeit in die siebte Klasse, für sie gibt es in Kirchheim das seltene musische Profil und Latein als zweite Fremdsprache. Lea, 22 Jahre und Julius, 20 Jahre, studieren beide: Sie Kultur, Medien und Literatur in Konstanz, er Politikwissenschaften in Jena. Jetzt, da beide aus der Schule sind, war für die Pfarrfamilie der Umzug günstig, der schwere Abschied unvermeidbar.

Warum nach Kirchheim? Das lag nicht nur daran, dass es nicht zu weit weg von Eislingen, von den Freunden in Stuttgart und der Schwiegermutter in Gingen an der Fils ist. „Ich war Zeit meines Lebens Pfarrer in großen Einheiten, nicht auf dem Dorf“, sagt Kaiser, der gerne in einem Team arbeitet. So habe es ihn in die „wunderschöne Stadt“ gezogen. In Eislingen hat er daran gearbeitet, aus zwei völlig separaten Kirchengemeinden, getrennt von Fils, Bahn und Bundesstraße, eine Gesamtkirchengemeinde zu machen. In Kirchheim, wo es die Gesamtkirchengemeinde längst gibt, wird er nun an der Fusion der Gemeinden mitarbeiten. „Die Kreuzkirche wird aufgegeben, aber die Pfarrstelle bleibt“, sagt er. Dass er in Zukunft viel in anderen Kirchen der Stadt predigen wird, ist für ihn völlig in Ordnung.

Was bleibt, ist auch das zweite Standbein der Kreuzkirchengemeinde, das Gemeindezentrum auf dem Schafhof, in dem ebenfalls Gottesdienst gefeiert wird. Und das Pfarrhaus, bei dem sich Kaiser unter anderem über den großen Garten freut. Es soll Gemüse und Dahlien geben, die jüngeren Rosen des Pfarrers sollen dem Umzug folgen. Das viele Moos rund ums Pfarrhaus zeigt noch deutlich, dass es hier, am Ende des Weges „Am Siechenhaus“, bis vor Kurzem finster wie im tiefen Wald aussah. Doch inzwischen wurde für den neuen Pfarrer gerodet, die Sonne bricht sich nun Bahn bis ins Arbeitszimmer. Die Gartenleidenschaft, genauso wie die Liebe zur Kunst, hat Kaiser mit seiner Frau gemeinsam, nur sein Interesse an der klassischen Musik pflegt der frühere Geiger alleine.

Geboren wurde Kaiser im Jahr 1957 in Zürich. Seine Mutter kam aus dem Schwarzwald, sein Vater als Flüchtling aus Schlesien. Sie mussten unterschreiben, dass ihr Kind in Zürich nicht die Schule besuchen würde. Kurz nach dem Umzug in den Schwarzwald im Jahr 1961, kam Kaisers Vater bei einem Unfall ums Leben. Nach dem Abitur war Kaiser unschlüssig, entschied sich schließlich für das Architekturstudium. Das erste Semester in München gefiel ihm aber gar nicht. „Ich habe zwei linke Hände“, sagt er, „alles Handwerkliche macht meine Frau.“ Im zweiten Semester war er zwar noch für Architektur eingeschrieben, ging aber längst in Theologievorlesungen. Sein Examen machte er 1984 in Tübingen, ging dann als Vikar nach Gingen an der Fils. Von 1986 bis 1994 war er Pfarrer zur Anstellung und dann Pfarrer in Stuttgart-Bad Cannstatt. So ganz kam Kaiser von der Architektur dann doch nicht los: In Eislingen hatte er mit der umfassenden Renovierungen von Kirche, Gemeindezentrum und Pfarrhaus zu tun.

„Die Begrüßung war sehr freundlich“, erzählt Kaiser vom Stehempfang des Kirchengemeinderates der Kreuzkirche vor dem Pfarrhaus, mit Salz und Brot, Azalee, Gemälde und Begrüßungsgedicht. Drinnen im Haus war das meiste recht schnell ausgepackt, stapelten sich die leeren Umzugskartons, nur die Garage braucht etwas länger. Nach und nach lernt Kaiser nun die neuen Gremien und Kollegen kennen. „Das Profil passt“, sagt er zu seiner neuen Aufgabe.

Die Investitur in der Kreuzkirche mit Dekanin Renate Kath beginnt am Sonntag, 23. Februar, um 10.30 Uhr.