Lokales

Vom Schuh- zum Müslitick

Die Produktion der eigenen Frühstücksflocken – Ein Bereich der unbegrenzten Möglichkeiten

Mit einer kleinen Mühle lassen sich Körner jeder Art in frische Flocken verwandeln.Foto: Deniz Calagan
Mit einer kleinen Mühle lassen sich Körner jeder Art in frische Flocken verwandeln.Foto: Deniz Calagan

Müsli ist meine persönliche Leidenschaft. Betrete ich einen Supermarkt, werde ich unweigerlich zum Müsli-Regal gezogen. Dabei geht es mir wie beim Schuhekaufen: Eigentlich habe ich keinen Bedarf für neue Exemplare, kann mich von ihrem Anblick jedoch nicht losreißen. Derselbe Zustand der Verzückung, in den ich bei der Aussicht auf Riemchensandaletten im Stil der 50er-Jahre gerate, ergreift mich, wenn ich vor der riesigen Auswahl an Frühstücksflocken stehe.

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Doch nicht die vor Zucker und Aromastoffen strotzenden, bunt gefärbten Cerealien erregen meine Aufmerksamkeit, sondern gesundes Bio-Müsli, bestehend aus ballaststoffreichen Getreideflocken und getrockneten Früchten. Einem Kauf kann ich in den meisten Fällen widerstehen, vor allem deshalb, weil ich Rosinen, leider ein Bestandteil der meisten Müslis, von klein auf verabscheue. Ich sehe mir lediglich die Zutatenliste an, um zu neuen Kreationen inspiriert zu werden, denn am allerliebsten stelle ich mir mein Müsli selbst zusammen. Die Idee, mein Müsli selbst herzustellen, kam mir aus der eben genannten Abscheu vor Rosinen. Ich wollte ein gesundes, ungesüßtes Müsli ganz nach meinen Vorstellungen.

In einer Mühle kaufe ich Hafer-, Dinkel- und Roggenkörner, Sojaschrot, Weizenkeime, Haferkleie, Leinsamen und vieles mehr. Die Körner walze ich in der kleinen Mühle meiner Mutter zu Flocken. Je nachdem, was ich vorrätig habe, mixe ich alle Zutaten zusammen und fülle das Müsli in große Vorratsdosen. Stehen anstrengende Zeiten an, gebe ich zusätzlich Stresskiller wie Mandeln und Walnüsse zu meiner Basismischung. Jeden Morgen schneide ich mir frisches Obst der Saison klein und mische es unter meine Flocken-Samen-Mischung. Abgerundet wird das Gute-Laune-Frühstück mit Naturjoghurt und einem Schuss Milch. Auch den Joghurt mache ich, wenn ich Zeit habe, selbst. Im Reformhaus gibt es das nötige Equipment: ein großes Joghurtglas, Temperaturanzeige und Milchsäurebakterien. Die Milch mit den Bakterien erhitzen, 24 Stunden warten, und fertig ist das leckere Milchprodukt.

Dank meines Müslis bin ich bestens gerüstet, um leistungsfähig in den Tag zu starten, was mir als Studentin sehr wichtig ist. Durch den hohen Ballaststoffanteil des Getreides und das Aufquellen der Leinsamen im Magen hält das Sättigungsgefühl lange an und der Blutzuckerspiegel bleibt konstant. Ein Frühstück, bestehend aus stark gezuckertem Müsli oder Teigwaren aus Weißmehl, verursacht dagegen einen rapiden Abfall des Blutzuckerspiegels, sodass der Körper nach schnell verwertbarer Nahrung in Form von einfachen Kohlenhydraten verlangt. Ein Teufelskreis, denn der Griff nach schnellen Energielieferanten wie Süßigkeiten ist programmiert. Mit dieser Ansicht stehe ich nicht alleine da: Viele Menschen ändern ihre Essgewohnheiten, indem sie vermehrt Vollkornprodukte auf den Speiseplan stellen.

Im Internet boomt der Müsli-Markt, da sich durch wenige Klicks ein eigenes Müsli erstellen lässt, dem ein eigener Name gegeben werden kann und das in stylischer Verpackung bequem ins Haus geliefert wird. Einer Basis aus beliebigen Flocken fügt man allerlei Samen, Nüsse und Kerne dazu. Bei der Auswahl der Trockenfrüchte offenbart sich die Qual der Wahl. Wer jetzt an Aprikosen und Pflaumen denkt, liegt falsch. Exotik ist angesagt: Aroniabeeren, Mangos, Papayas, und Physalis, aber auch Sauerkirschen, Heidelbeeren und Bananen gehören zum Bestand.

Billig ist der Spaß jedoch nicht: Abhängig von Art und Anzahl der biologisch angebauten Zutaten, die individuell auf knapp 600 Gramm Gesamtmasse verteilt werden, ist die Zehn-Euro-Schwelle schnell überschritten. Günstiger als ein neues Paar Schuhe sind diese Müslis dennoch, daher ist mein schlechtes Gewissen nicht von langer Dauer. Aus eigener Erfahrung kann ich versichern, dass sie unglaublich lecker schmecken. Im Moment genieße ich eine tropische Kreation, für die ich mir Urgetreideflocken mit Plantagosamen, gepufftem Amaranth, Gojibeeren, Papaya, Mango, Ananas, Kokosraspeln und mit weißer Schokolade umhüllte Bananenchips ausgesucht habe.

Auch als Geburtstagsgeschenk ist selbst gemachtes Müsli eine schöne Idee. Meiner Freundin Katja werde ich dieses Jahr ein besonders gesundes Müsli zusammenstellen. Zu diesem Anlass habe ich gepufftes Quinoa im Reformhaus gekauft, das einen hohen Eiweiß- und Aminosäurenanteil besitzt. In hübsche Vorratsgläser gefüllt, werten die Flocken optisch die Küche auf und machen Lust auf ein gesundes Frühstück.

Wer sich nun angesprochen fühlt, sollte flugs zur nächsten Mühle oder ins Reformhaus gehen, sich mit diversen Flocken, Körnern und Samen eindecken und mit Spaß ans Mischen gehen. Als Schönheitstipp empfehle ich, eine Prise Bierhefe über das Müsli zu geben, die durch den hohen Gehalt an verschiedenen B-Vitaminen, Aminosäuren und Mineralstoffen gegen Akne und Haarausfall hilft und das Abnehmen unterstützt.