Lokales

Von A wie Aufessen bis Z wie Zeit

Gespräche am Kaffeeautomaten kreisen um ein Thema: „Was schenkst du eigentlich...?“

Schenken und beschenkt-werden. Das gehört zu Weihnachten wie die Geburt Jesu und die geschmückte Tanne. Der Trick besteht darin, herauszufinden, was zu wem passt. Nur wenn das gelingt, macht auch Schenken Freude.

Welches Packerl hätten`S gern?Foto: Deniz Calagan
Welches Packerl hätten`S gern?Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Am Kaffeeautomaten im Betrieb, beim Telefonat mit dem Bruder – allerorten geht es derzeit um Geschenke. So auch in der Redaktion des Teckboten. Im Folgenden offenbaren die Redakteurinnen ihre Geschenkideen – von A wie Aufessen bis Z wie Zeit.

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Irene Strifler: Alles, was aufgegessen, leergetrunken oder sonstwie genussbringend konsumiert werden kann, läuft Gefahr, von mir verschenkt zu werden. Wie – das sei nicht persönlich, sagt da einer? Da kann ich nur lachen. Individueller geht‘s kaum. Für die Schwester im norddeutschen Exil gibt‘s ein Carepaket voll Hägemark, Wibele und eingedosten sauren Kutteln – alles von heimischen Erzeugern, versteht sich. Die Schwägerin im Bierland Bayern kriegt eine Kiste vom süffigen Trollinger mit Lemberger, den sie beim letzten Besuch so geschätzt hat. Den Jungs, deren Taschengeld keinen Luxus zulässt, wird das Wasser im Munde zusammenlaufen angesichts ausgesucht leckerer Pralinen mit Nougat und Marzipan. Der Gatte entspannt sich mit schwäbischem Whisky passend zur handgedrehten Zigarre. Und eines weiß ich heute schon: Hier wird garantiert nichts weiterverschenkt, weggepackt oder umgetauscht. Was bleibt, ist die verklärende Erinnerung an den flüchtigen Genuss – und die Chance auf Neuauflage im nächsten Jahr.

Antje Dörr: Was schenkt man einem Menschen, der schon alles hat? Dieses Problem kennt jeder, der Großeltern hat. Meine haben kaum mehr einen weißen Fleck an der Wand, weil die Enkel alle Jahre wieder zum ge­rahmten Foto greifen. Und den Großeltern eine elektrische Heizdecke unter den Baum zu legen, ist in etwa so charmant wie die Küchenmaschine für die Ehefrau. Vor zwei Jahren kam mir die rettende Idee: Statt einem, der schon alles hat, noch mehr zu geben, spendet man in seinem Namen an die, die wenig haben. Selbstverständlich kann man das bei jeder wohltätigen Organisation tun. Originell finde ich die Geschenkideen von Oxfam Deutschland. Je nach Portemonnaie kann man dort Geld für Fußbälle oder einen ganzen Brunnen spenden. Der Klassiker ist die Ziege, die Menschen in Simbabwe eine Existenzgrundlage ermöglichen soll. Die Großeltern bekommen einen Kühlschrankmag­neten, der zeigt, wofür man in ihrem Namen gespendet hat. Meine waren begeistert. Mehr Infos gibt es online unter http://unverpackt.oxfam.de/

Heike Allmendinger: Ich verschenke Zeit. Denn Zeit ist das schönste Geschenk überhaupt. Viele Menschen vergeuden ihre Zeit damit, darüber nachzugrübeln, was Eltern, Geschwis­ter und Freunde brauchen könnten. Schließlich haben die Lieben doch schon alles. Oder nicht? Wer jedoch die Ohren spitzt, hört schnell heraus, was vielen Zeitgenossen wirklich fehlt: Zeit. Deshalb verschwende ich meine Zeit nicht damit, mich in heillos mit Geschenkekäufern überfüllte Großstädte zu begeben, um dann doch nur mit Verlegenheits-Präsenten im Gepäck zurückzukehren. Ich verschenke Zeit, um mit meinen Lieben schön essen zu gehen – vielleicht in einem schicken Restaurant in der Region rund um die Teck. Oder Zeit für einen Ausflug, einen Kinoabend, einen Nachmittag bei Tee, Gebäck und netten Gesprächen – oder Zeit, um bei einer gemeinsamen Shoppingtour das zu kaufen, was der Beschenkte tatsächlich benötigt. Denn Zeit ist in unserer oft hektischen Gesellschaft Luxus – und wer freut sich nicht über ein luxuriöses Geschenk zu Weihnachten?

Bianca Lütz-Holoch: Frauenabend. Was dieses Wort verheißt, können wohl nur Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts nachvollziehen – vor allem, wenn zwischen Job, Kind und Ehe viel zu wenig Zeit für Abende mit Freundinnen bleibt. Wir schenken uns traditionell solche Abende. Ein gemeinsamer Besuch des Theaterschiffs in Cannstatt war schon dabei, eine Zaubershow im Stuttgarter Römerkastell – und ein „Schlüsselerlebnis“ in Dettingen. So heißt ein Angebot des Buchcafés One Fishmart. Dort können sich kleine Gruppen abends in den Laden einschließen lassen – mit Snacks oder Buffet, mit Sekt und Saft, Musik und einer ganzen Menge Bücher, Kalender und Spiele. So ruhig und gemütlich lässt es sich tagsüber nie in einer Buchhandlung stöbern. Und wer würde sich sonst schon in einem Geschäft gegenseitig die ersten Zeilen eines Buchs vorlesen? Spät abends geht dann noch ein ziemlich großer Stapel über den Verkaufstisch, darunter wieder einige Geschenke – zum Beispiel für das nächste Weihnachtsfest.

Iris Häfner: Experimentierfreudige Genießer aufgepasst: Wer schon immer mal wissen wollte, wie das Verschlingern von Brezeln für Anfänger geht, der ist bei der „Bachatse“ in der Zinßer-Mühle in Hochdorf genau richtig. Jürgen Zinßer ist der „Müllermeister mit der Handwerks-Lizenz zum Backen“. Jeden letzten Freitag im Monat verrät er so manches Geheimnis – etwa, wie man einen fluffigen Teig für einen schwäbischen Salzkuchen hinbekommt, bei dem so mancher Pizzabäcker vor Neid erblassen würde. Teig kneten, bis der Bäcker-Müller zufrieden ist, macht in der Runde um den großen Eichentisch einfach Spaß. Und wenn dann spät am Abend der eigene, mit Namensschildchen versehene Laib Brot duftend aus dem Ofen kommt, hat der Tag sein perfektes Ende gefunden. Der etwas andere Backkurs – Mühlenführung inklusive – eignet sich nicht nur für begeisterte Hobbybäcker, sondern ist dank des Selbstgebackenem und einem guten Tröpfchen ein Fest für die Sinne für alle, die regionale Produkte schätzen.

Anke Kirsammer: Omas, Opas, Tanten, Onkel, Paten. . . – sie alle denken an unsere Kinder und machen ihnen zu Weihnachten eine Freude. Quer durch die Republik gereist, sind die ersten Pakete wie jedes Jahr bereits Tage vor dem Fest eingetroffen. Ein bloßes Grußkärtchen als Dank? Wohl eine rein rhetorische Frage. Nein, zum Jahresende wühle ich in den Bildern, die sich das Jahr über angesammelt haben, um ganz persönliche Fotokalender oder -bücher zu gestalten. Früher in altmodischer Klebetechnik, inzwischen professionell am Computer layoutet. Urlaube am Meer, Wochenendtripps in die Berge oder zu den französischen Freunden, Feste, Unternehmungen – die Highlights all der Jahre spiegeln sich wider in diesen Geschenken, die die Wohnung schmücken, Erinnerungen wachrufen, gute Laune verbreiten und später platzsparend im Regal verschwinden. Dass die Idee ankommt, weiß ich spätestens, seitdem ich einmal gewagt habe, etwas anderes einzutüten. Weihnachten und dem Jahr 2012 sehe ich gelassen entgegen. – Strahlenden Kinderaugen sei Dank.